Letztes Update am So, 09.12.2018 07:21

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Marrakesch – Rote Stadt mit blinden Wänden

Mehr als 1000 Jahre alt und doch überaus jung geblieben: Keine Frage, Marrakesch gilt mit seinen Basaren, Gärten und der ansteckenden Lebensfreude nicht von ungefähr als die faszinierendste Stadt in Marokko.

Blick auf das Herzstück von Marrakesch, den Djemaa el Fna, den Platz der Geköpften.

© srtBlick auf das Herzstück von Marrakesch, den Djemaa el Fna, den Platz der Geköpften.



Von Karsten-Thilo Raab

Welche eine Kulisse! Rote Bauten so weit das Auge reicht, Moscheen, Minarette, Paläste und Mauern, dazwischen hoch aufragende Palmen und am Horizont die schneebedeckten Gipfel des Atlas-Gebirges.

Inmitten einer weiten Ebene erweist sich Marrakesch als eine faszinierende Oasenstadt, durch die an jeder Ecke der Hauch einer mehr als tausendjährigen Geschichte weht. Trendy, verführerisch und vielfältig sind nur einige der Attribute, mit denen die Königsstadt im Südwesten Marokkos oft beschrieben wird. Worte, die nur erahnen lassen, welche magische Anziehungskraft und Faszination die „Rote Stadt“ ausübt.

Eine lange Stadtmauer

Eine zwölf Kilometer lange Stadtmauer umrahmt die Medina, die historische Altstadt. 16 Tore, deren Durchfahrt gerade einmal für ein Fahrzeug reicht, unterbrechen das beeindruckende Mauerwerk. Entsprechend staut sich auf beiden Seiten der Verkehr. Eine Geduldsprobe nicht nur für diejenigen, die es eilig haben.

„Das ist eine moderne Form der Verkehrsberuhigung“, lacht Mohamed Ait Brahim. Der charmante Guide, der am Goethe-Institut Deutsch gelernt hat, schiebt schmunzelnd hinterher, dass die Tore ein idealer Ort seien, um die Kuriositäten des Verkehrs aus nächster Nähe zu beobachten.

Und tatsächlich: Zwischen Bussen und Taxen bahnen sich voll gepackte Eselskarren ihren Weg. Dann wieder sausen Motorroller mit einer kompletten Familie bestehend aus Mann, Frau und zwei Kindern vorbei, mitunter auch mit einem Flachbildschirm oder einem geschlachteten Schaf als wenig gesichertes Gepäck auf der Sitzbank.

Ein absolutes Muss ist der Besuch der Souks. Augen, Ohren und Nase leiden garantiert unter akuter Komplettverwirrung und wetteifern darum, wem oder was zuerst die Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Ein Meer an fremden Gerüchen und Düften, Gebrabbel und Arbeitsgeräuschen mischt sich mit einem Gewusel, das – von oben betrachtet – wie eine gigantische Ameisenstraße anmuten dürfte.

Es duftet nach Safran und Rosenwasser, nach frischen Orangen und Datteln. Neben Gewürzen, Kräutern, Lederwaren, Schmuck und Kleidung werden auch Kunstvolles aus alten Autoreifen und Souvenirs feilgeboten. Darunter Exportschlager wie Arganöl oder „Berber-Nutella“, ein süßer Brotaufstrich aus Arganöl, Honig und Mandeln, der eigentlich „Amlou“ heißt. Hoch im Kurs steht zudem „Berber-Viagra“, wohinter sich schlicht Ginseng verbirgt.

In den Souks sind trotz Fahrverbots oft motorisierte Zweiräder unterwegs.
In den Souks sind trotz Fahrverbots oft motorisierte Zweiräder unterwegs.
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Das im Jahr 1069 gegründete Marrakesch – neben Meknès, Fès und Rabat eine der vier Königsstädte Marokkos – hat aber noch weit mehr zu bieten als geschäftige Basare.

Dazu gehören etwa die kunstvollen Saadiergräber, die eindrucksvolle Ruine des Palais el Badi, des einst größten Palastes in Marokko, oder die zu den schönsten Koranschulen des Landes zählende Medersa Ben Youssef aus dem 12. Jahrhundert. Weithin sichtbares Wahrzeichen ist das Minarett der 1158 errichteten Koutoubia-Moschee, die allerdings nur von gläubigen Muslimen betreten werden darf.

Mobile Zahnärzte

Nur einen Steinwurf entfernt findet sich der markanteste Platz von Marrakesch: Der Djemaa el Fna, dessen Name „Platz der Geköpften“ bedeutet, wird häufig als ein ursprüngliches Stück Marokko bezeichnet.

Tatsächlich aber ist der zentrale Platz so etwas wie das touristische Herzstück der Millionenstadt. Speisen, Getränke und Souvenirs werden feilgeboten, während Musiker, Tänzer, Gaukler, mobile Zahnärzte, Wasserverkäufer, Henna-Malerinnen, Feuerschlucker und Schlangenbeschwörer ein wenig in die Trickkiste greifen, um sich ihren Lebensunterhalt mit den mehr oder weniger großzügigen Gaben der Touristen zu finanzieren.

Rund um den Djemaa el Fna stehen Caféhäuser und Restaurants. Hier empfiehlt es sich, auf den Balkonen in der ersten oder zweiten Etage oder auf der Dachterrasse Platz zu nehmen, um das bunte Treiben auf dem Platz entspannt zu beobachten. Gleichzeitig bietet sich von dort – beispielsweise vom Dach des Café de France – meist ein herrlicher Blick auf Marrakesch bis hin zum Atlas-Gebirge.

Überall in der Medina finden sich gut getarnt Riads. Dies sind stattliche Herrenhäuser und Paläste mit schmucken Innenhöfen, Brunnenanlagen und prunkvollen Gärten hinter völlig schmucklosen Fassaden. „Ein Kennzeichen der Riads, die heute meist als Hotels genutzt werden, sind die blinden Mauern“, erläutert Mohamed. Die hohen Wände der stolzen Stadthäuser waren bewusst fensterlos und verfügten lediglich über schlichte Türen. Damit sollte sichergestellt werden, dass niemand auch nur ahnen konnte, welche Pracht und welcher Reichtum sich hinter den Mauern verbarg.

 Eine Farbenpracht: die in den Märkten angebotenen Gewürze.
Eine Farbenpracht: die in den Märkten angebotenen Gewürze.
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Besuch im Bahia-Palast

Hinter einer der vielen blinden Mauern versteckt sich mit dem 125 Jahre alten Bahia-Palast auch der einzige Palast der Stadt, der zumindest in Teilen von innen besichtigt werden kann. Das stolze Anwesen hat eine Fläche von 80.000 Quadratmetern und war einst im Besitz des Großwesirs, dessen Stellung etwa vergleichbar mit der eines Ministerpräsidenten war.

Obschon die Räume fast komplett leer sind, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, in welchem Luxus der Großwesir schwelgte. Decken und Türen sind aus Zedernholz und mit aufwändigem Dekor oder Malereien verziert. In jedem der zahlreichen Innenhöfe findet sich ein Springbrunnen. Und die hübschen Gärten werden von Schatten spendenden Bitterorangenbäumen dominiert.

Ein noch prominenteres Beispiel marokkanischer Gartenbaukunst befindet sich mit dem Jardin Majorelle in der Neustadt außerhalb der Stadtmauern. Namensgeber Jacques Majorelle erwarb das Land 1923. Der französische Maler sammelte exotische Pflanzen aus aller Welt und beauftragte 1931 Architekt Paul Sinoir, inmitten des Anwesens ein Künstleratelier im Art-Deco-Stil zu errichten. Die Wände wurden in kräftiges „Majorelle-Blau“ gehüllt. Nach Majorelles Tod 1962 verfiel die Anlage in einen Dornröschenschlaf. Es dauert fast zwei Jahrzehnte, ehe sich Yves Saint Laurent bei seinem ersten Besuch in der marokkanischen Königsstadt in den Garten verliebte. 1980 erwarb er mit seinem Lebenspartner Pierre Bergé das Anwesen und ließ es aufwändig restaurieren.

Yves Saint Laurent war da

Für Yves Saint Laurent war Marrakesch ein Ort der Inspiration, im Jardin Majorelle fand er Muße für seine Kreationen. Heute erinnert ein Gedenkstein im Garten an den 2008 verstorbenen Modedesigner. Direkt angrenzend wurde im Oktober 2017 das neue „Musée Yves Saint Laurent“ eröffnet. Das Gebäude mit seiner augenfälligen Terrakottafassade beherbergt eine Ausstellung mit rund 5000 Kleidern und 15.000 Haute-Couture-Accessoires sowie Tausende von Zeichnungen und Fotos von Yves Saint Laurent.

Wer es nicht schon vorher war, ist spätestens nach dem Besuch des Jardin Majorelle wie dereinst Yves Saint Laurent von dem Bazillus infiziert, der da „Marrakesch“ heißt. Und nicht wenige schwören sich, wie einst der Modemacher, immer wieder hierher zurückzukommen.

Rund um den Djemaa el Fna finden sich viele Cafés mit Dachterrassen.
Rund um den Djemaa el Fna finden sich viele Cafés mit Dachterrassen.
- srt

Informationen

Anreise: Eurowings bietet Direktflüge ab Düsseldorf ab etwa 70 Euro an; von Frankfurt fliegen Ryanair und Condor, von München u. a. Condor (alle ab 49 Uhr) in die Königsstadt.

Einreise: Für die Einreise genügt ein noch sechs Monate gültiger Reisepass.

Währung: Zahlungsmittel ist der Dirham. Ein Dirham entspricht etwa 0,09 Euro; ein Euro entspricht etwa 11 Dirham.

Essen & Trinken: Café de France, Jemaa el Fna, Marrakesch 2034, Marokko, Telefon 00212/5244/42319. Die Qualität der gebotenen marokkanischen Speisen ist dürftig, dafür lässt sich bei einem Tee oder Kaffee vom Balkon oder der Dachterrasse ein herrlicher Ausblick genießen.

Übernachten: Be Live Experience Palmeraie Marrakesch, Route de Fes, km 6, Zone de Zahrat Annakhil, Marrakesch. Doppelzimmer in dem 2017 eröffneten All-inclusive-Haus beginnen bei ca. 85 Euro pro Nacht. Buchungen und weitere Informationen unter www.fti.de

Veranstalter: FTI bietet spezielle einwöchige City-Arrangements für Marrakesch mit Kochkurs inklusive Übernachtung, Frühstück und Flug ab 369 Euro pro Person sowie die achttägige Rundreise „Marokko-Kombi-Spezial – Genuss für Leib und Seele“ inklusive Flug, Übernachtung und Kochkurs ab 599 Euro pro Person an. Buchungen und weitere Informationen unter Telefon 089-710451498 beziehungsweise unter www.fti.de.

Der Autor reiste auf Einladung von FTI nach Marrakesch.




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