Letztes Update am So, 03.03.2019 07:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

Ein Schneedorf als idealer TV-Drehort

Langläufer, Schneeschuh- und Tourengeher lieben das „Schneeloch“ Faistenau in der Fuschlsee-Region. Viele kennen den Ort eher wegen der Serie „Vier Frauen und ein Todesfall“.

Langläufer kommen in Faistenau voll auf ihre Kosten.


© TVB FuschlseeregionLangläufer kommen in Faistenau voll auf ihre Kosten.




Gewicht nach links, nach rechts – ja, genau so – und wieder links“, Conny gibt auf der Nachtloipe in Faistenau bei einer Schnupperstunde im Skatingstil den Takt vor. „Ja, jetzt geht’s, bravo“, freut sich die Langlauflehrerin über die ersten zehn Schritte der gelehrigen Anfängerin. Anstrengend. Aber Skaten ist ja nur eine von mehreren Möglichkeiten, sich hier sportlich zu betätigen. 60 Kilometer Loipen haben Faistenau zu einem Langlaufzentrum gemacht. Und selbstverständlich muss nicht jeder skaten – der klassische Stil ist auch hier nach wie vor beliebt.

„Ein Winter, wie er einmal war, mit Schnee, wohin das Auge reicht“, diesen Slogan im Werbeprospekt unterstreicht ein Bummel durch den Ort: Schneeberge links und rechts der Dorfstraße, dahinter die echten Berge der Osterhorngruppe, kein Après-Ski-Krawall, keine blinkenden Leuchtreklamen, keine Einkaufsmeilen. Hier ist die Natur der unangefochtene Star.

Aus Faistenau wurde „Ilm“

Dies schätzten bereits vor über 15 Jahren Fernseh-Produzenten, als sie die Kirche, den Friedhof, die Totenkopfhalle, den Dorfplatz, den Krämerwirt als Kulisse des fiktiven TV-Ortes „Ilm“ für die TV-Staffel „Vier Frauen und ein Todesfall“ wählten. Fans von Adele Neuhauser kennen auch die gute Stube des Dorfgasthauses, in dem die vier Hobbydetektivinnen ihre Mords-Theorien entwickelten. Es ist tatsächlich sehr gemütlich in dieser urigen Stube vor dem alten Kachelofen.

Vor 15 Jahren wurde Faistenau zum Drehort für die ORF-Serie „Vier Frauen und ein Todesfall“.
Vor 15 Jahren wurde Faistenau zum Drehort für die ORF-Serie „Vier Frauen und ein Todesfall“.
- ORF

„An dem Tisch sind die vier Damen meistens gesessen“, erzählt Elisabeth Ebner, Seniorchefin des Krämerwirtes, „und mit den meisten haben wir im Laufe der Jahre ein fast freundschaftliches Verhältnis gehabt.“ Adele Neuhauser, die „Julie Zirbner“ der Serie, kehrt auch privat noch öfters an ihre jahrelange Wirkungsstätte in „Ilm“ zurück.

Von „Ilm“ zurück nach Faistenau: Schneeschuhwandern steht auf dem Programm. Der Blick aus dem Fenster verheißt erst einmal nichts Gutes – es herrscht so dichtes Schneetreiben, dass außer Schnee nichts mehr zu sehen ist. Kaum ist man der festen Überzeugung, dass heftigeres Schneetreiben so gut wie unmöglich ist, wird der Schneevorhang noch dichter. Ein Erlebnis. Es ist ohnedies Theorie angesagt.

Der Verein „Tourenlehrpfad Salzkammergut“ hat es sich zum Ziel gesetzt, die stetig wachsende Gruppe von Tourengehern sicher durch das freie Gelände zu geleiten. Im ehrwürdigen Hotel „Alte Post“ sind also Touren- und Schneeschuhgeher versammelt, um von erfahrenen Bergführern zu lernen, wie sich der Sportler zu verhalten hat. Zwei interessante Stunden über die wichtigsten Regeln sind nur ein bescheidener Anfang zum riesigen Thema Lawinenkunde. Auch online lässt sich Grundlegendes zum Verhalten auf der Tour, zu Ausrüs­tung oder zum Einschätzen der Gefahrensituation abrufen. Das Wissen kann anschließend mittels spannender Übungen gleich selbst überprüft werden (Informationen dazu unter www.tourenlehrpfad.at).

Auf der Spur des Tourenlehrpfads

Die praktische Übung folgt auf dem Fuß – auf dem Skitourenlehrpfad. Vor acht Jahren ist dieser ers­te Lehrpfad in der Tiefbrunnau in Faistenau eröffnet worden. Er führt über 650 Höhenmeter auf die Loibersbacherhöhe, beinhaltet einen LVS-Checkpoint und sieben interaktive Methodentafeln zu den Themen Sicherheit, Technik, Taktik, Gelände und Schneeverhältnisse.

Schneeschuhwandern ist übrigens eine lustig-leichte Art der Fortbewegung und an einem Tag wie diesem einfach ideal. Da geht’s im Gänsemarsch flott über den Pulverschnee. Der gleichmäßige Trott und die sehr bescheidene Sicht wegen Schneefalls lassen Gedanken an ein Pionierdasein aufkeimen. Gar nicht auszudenken, wie das Erlebnis bei strahlendem Wetter ausgesehen hätte.