Letztes Update am So, 10.03.2019 07:07

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Urlauben im Paradies von Neukaledonien

Ein Stück Frankreich im Pazifik und eine ziemliche Idylle dazu: In Neukaledonien kann es passieren, dass man einen kilometerlangen Sandstrand ganz für sich allein hat. Das hat seine Gründe.

Die Insel Ouvea scheint aus einem einzigen endlosen Sandstrand zu
bestehen.

© APA (dpa/gms/NCTPS/Ethan Li)Die Insel Ouvea scheint aus einem einzigen endlosen Sandstrand zu
bestehen.



Am Ende des Tages verwandelt sich dann auch noch der Mond in ein Croissant. Er steht am Nachthimmel über dem Pazifik und sieht wirklich aus wie ein Hörnchen. Und man erinnert sich an seine Französisch-Lehrerin und daran, wie das Croissant angeblich zu seinem Namen kam: weil es aussieht wie ein zunehmender Mond in seinen ersten Tagen.

Hier in Neukaledonien glaubt man die Geschichte – obwohl es kaum einen Ort gibt, der von einer Pariser Bäckerei weiter entfernt sein könnte. Luftlinie sind es 18.000 Kilometer. Und trotzdem gehört die Inselgruppe auf der anderen Seite der Weltkugel mit ihren 280.000 Bewohnern zu Frankreich. Das ist schon seit 165 Jahren so und ändert sich nun auch nicht. Im November stimmten in einer Volksabstimmung 57 Prozent der Neukaledonier gegen die Unabhängigkeit. Vor allem in der Bevölkerungsgruppe der melanesischen Ureinwohner, der Kanaken, ist die Enttäuschung groß. Sie hatten für den neuen Staat schon einen Namen: Kanaky. Übersetzt: Menschenland.

Von James Cook bis Napoleon

Aber so bleibt es nun bei Nouvelle-Caledonie, Neukaledonien. Oder, wenn man ganz korrekt sein will: Neuschottland. Das liegt daran, dass der Entdecker James Cook bei der ersten Begegnung 1774 den Norden seiner britischen Heimat wiederzuerkennen glaubte. 1853 ließ Napoleon III. die Inseln in Besitz nehmen und machte eine Sträflingsinsel daraus.

Neukaledonien ist eine dieser Idyllen, die vom Tourismus noch einigermaßen verschont geblieben sind. 2017 wurden einmal 100.000 Urlauber gezählt. Außerhalb der Hauptstadt Noumea gibt es kaum größere Hotels. Selbst dort kann es passieren, dass man morgens in einer der Buchten das Meer für sich allein hat. In den Savannen, im Regenwald, an der Felsküste oder auf den anderen Inseln ist es noch einsamer. Das hat seine Gründe.

Die Kultur der Ureinwohner wird im Centre Tjibaou präsentiert.

Die Kultur der Ureinwohner wird im Centre Tjibaou präsentiert.

- APA (Terres de Lumiere/NCTPS)

Für Kontinental-Franzosen und andere Europäer ist Neukaledonien weit weg. Die unmittelbaren Nachbarn aus Australien und Neuseeland – immer noch um die 2000 Kilometer entfernt – schreckt die Sprache ab. Und billig ist Neukaledonien, wo noch mit dem Franc bezahlt wird, ebenfalls nicht.

Auf den Hügeln der Hauptstadt Noumea auf der größten Insel, Grande Terre, stehen die Villen der Reichen. Auf einem der Hänge haben die Neukaledonier auch ihr Kulturzentrum gestellt, das Centre Tjibaou. Es ist ein Bau im Grünen, entworfen vom italienischen Star-Architekten Renzo Piano. Gleich daneben gibt es einen kleinen Flughafen. Dort starten die Propellermaschinen hinaus auf die kleineren Inseln. Wo die Kultur der Kanaken lebendiger, die Strände noch länger und das Wasser noch blauer ist. Seit 2008 ist das Korallenmeer Weltkulturerbe. Mit 1,3 Millionen Quadratkilometern ist der Parc naturel de la mer de Corail eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt.

Die vielleicht schönste Insel ist Ouvea, nur 35 Kilometer lang, an manchen Stellen nicht einmal 40 Meter breit. Sie scheint aus einem einzigen, schier endlosen und nahezu unberührten Sandstrand zu bestehen. Nur an der Pont de Mouli, einer Brücke auf dem Weg zur Lagune, sind mehr als ein halbes Dutzend Leute im Wasser.

Schwimmen mit den Haien

Von der Brücke aus lässt sich beob­achten, wie Rochen und Schildkröten durchs Wasser schweben. Man sieht die Konturen von Riff- und Babyhaien. Das hält die Kinder nicht davon ab, vom blauen Geländer ins Wasser zu springen. Nach offizieller Zählung gibt es 48 verschiedene Hai-Arten – für Menschen angeblich allesamt ungefährlich.

Die Einwohner haben kein großes Interesse, ihre Insel mit Touristen zu teilen. Koma Waikata gehört zu den wenigen, die damit ihr Geld verdienen. Die 66-Jährige betreibt ein Restaurant mit Inselküche. Es gibt gegrillten Fisch, aber auch Bounga – eine Spezialität aus Huhn mit Süßkartoffeln und Bananen.

Auf den Hügeln der Hauptstadt Noumea haben sich
die Reichen niedergelassen.
Auf den Hügeln der Hauptstadt Noumea haben sich
die Reichen niedergelassen.
- APA (dpa/gms/NCTPS/Fleissner)

Ansonsten gibt es auf Ouvea genau zwei Hotels. Normalerweise nächtigt man als Urlauber in runden Strohhütten. Das heißt „Accueil en Tribu“ („Empfang durch den Stamm“). Tatsächlich ist das Leben hier in Stämmen organisiert. Wer vorbereitet ist, hat als Mitbringsel ein „Manou“ dabei – ein Stück Stoff, in das ein Geldschein gewickelt ist.

Wenn Touristen kommen, sind es oft Japaner. Das liegt an einem japanischen Roman aus den 60er-Jahren: „Die Insel, die dem Paradies am nächsten liegt“, eine Liebesgeschichte. Die Japaner sind in Neukaledonien gern gesehene Gäste – im Unterschied zu manchen anderen. Seit es Direktflüge aus China gibt, sind die Einwohner nicht gut auf die neuen Gäste zu sprechen, Koma Waikata nicht. Die Köchin sagt: „Das sind mir einfach zu viele. Und sie sind mir auch zu laut. Und essen zu viel. Wenn wir nicht aufpassen, essen uns die irgendwann sogar noch die Lagune weg.“ Und so etwas wollen die Leute von Ouvea aus verständlichen Gründen unbedingt vermeiden. (APA, dpa)




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