Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.03.2019


Tourentipp

Kreuzspitzen im Ratschingstal: Die Kleine neben der Großen

Die zwei Kreuzspitzen im Ratschingstal sind echte Tourenklassiker in Südtirol. Für uns ging es zuletzt auf die „Kleinere“, weil diese doch mehr Abfahrtsvergnügen bietet.

Über herrliches Skigelände führt unser Anstieg zur Kleinen Kreuzspitze, welche links zu sehen ist.

© flexÜber herrliches Skigelände führt unser Anstieg zur Kleinen Kreuzspitze, welche links zu sehen ist.



Flading – Im Talschluss von Ratschings in Südtirol, ganz hinten, wo die Straße zu Ende ist, liegt der kleine Weiler Flading. Mehr als eine Handvoll Häuser, die den „Schölzhornhof“ bilden, eine kleine Marienkapelle und einen Parkplatz findet man dort nicht. Idyllisch eingebettet, am Fuße einer schmucken Bergkulisse, scheint hier, im hintersten Ratschingstal, die Welt noch wirklich ganz in Ordnung zu sein. Das Wetter in Nordtirol war zuletzt doch ziemlich durchwachsen. Schnee, Regen und jede Menge Wind machten die Tourenplanung nicht einfach. Hinter dem Brenner soll es besser sein, hieß es. Also ab nach Südtirol, ab nach Ratschings.

Am Programm steht die Kleine Kreuzspitze. Mit 2513 Metern liegt sie zwar um rund 230 Meter tiefer als die benachbarte Große Kreuzspitze. Diese Erhebung im Südtiroler Teil der Stubaier Alpen zählt aber vom Abfahrtsvergnügen für uns persönlich zu den schöneren der beiden Gipfel.

So kommt man hin: Unsere Tour startet ganz hinten im Ratschingstal, beim kostenlosen Parkplatz im Weiler Flading bei der Kapelle. Wir überqueren dort den Bach und folgen dem Weg in westlicher Richtung nach oben.

Alternativ bietet sich auch der Aufstieg über die Wiese an. In mäßiger Steigung geht es zuerst durch den Wald hinauf. In dieser ersten Steilstufe, wo der Wald etwas dichter ist, ist eine Stelle bereits leicht ausgeapert. Das stellt aber kein Problem dar.

Bei der Klammalm sind die ersten rund 400 Höhenmeter geschafft.
Bei der Klammalm sind die ersten rund 400 Höhenmeter geschafft.
- flex

Es ist auch die einzige Passage während der gesamten Tour mit etwas weniger Schnee, denn sonst liegt von der weißen Pracht noch mehr als genug. Oberhalb der Baumgrenze wird das Gelände dann weiter. Zuerst noch flach, später mit einigen Spitzkehren, erreichen wir nach etwa 440 absolvierten Höhenmetern die Klammalm und machen dort eine erste Trinkpause.

Gut, dass wir nach Südtirol gefahren sind, denn das Wetter hält, was uns die Meteorologen versprochen haben. Zwar ziehen einige Wolken über den Himmel, wolkenlos muss es aber nicht immer sein, oder? Oft sieht ein Schnappschuss und so manches Fotomotiv mit ein paar Wolken im Hintergrund sogar fast besser aus als ohne.

Es geht weiter. In einem weiten Linksbogen folgen wir der angelegten Spur nun nach Süden. Über schön gestuftes Skigelände, über Mulden und Kuppen bringt uns der weitere Anstieg nach oben bis auf einen Kamm. Übrigens: Wer kurz nach der Klammalm nach rechts abbiegt und diesen Spuren folgt, der landet auf der Großen Kreuzspitze.

Der vielleicht heikelste Teil der Tour, die unbedingt sichere Verhältnisse voraussetzt, steht uns nun bevor. Mit Blick auf die bereits sichtbare Kleine Kreuzspitze müssen wir eine kurze Ostflanke in eine Mulde hinein queren. Dieser Abschnitt ist zwar nicht lang, dennoch halten wir den nötigen Sicherheitsabstand ein.

Kurz unterhalb unseres Zieles wird es noch einmal steil. In einigen Spitzkehren bringen wir die Gipfelflanke hinter uns und erreichen eine Scharte. Skidepot oder nicht? Wer sicher auf seinen Ski steht, der kann derzeit problemlos bis zum kleinen Metallkreuz der Kreuzspitze aufsteigen. Wer allerdings nicht zu hundert Prozent sattelfest ist, sollte auf der Scharte seine „Bretteln“ zurücklassen und zu Fuß die letzten 50 Höhenmeter zum Gipfel aufsteigen. Ein Ausrutscher Richtung Süden hinunter ins Passeiertal würde wohl fatal enden.

Klein ist auch das Gipfelkreuz auf der Kleinen Kreuzspitze.
Klein ist auch das Gipfelkreuz auf der Kleinen Kreuzspitze.
- flex

Das Wetter hält noch immer. Zwar ziehen nun, wie von Geisterhand, einige Nebelfetzen aus dem Passeiertal herauf, im Großen und Ganzen überwiegt aber noch der Sonnenschein. Und bis auf eine äußerst nette und freundliche Tourengruppe aus dem benachbarten Ridnauntal sind wir die Einzigen.

Die Fernsicht ist jetzt nicht mehr die beste, vor allem gegen Norden hin, also in Richtung Tirol, stauen sich einige Wolken. Je weiter man aber nach Süden blickt, umso schöner ist es. Speziell überzeugt uns der Tiefblick ins Passeiertal und hinunter in die Gemeinde nach Moos.

Ganz stabil bleibt das Wetter aber auch im Bereich der Kreuzspitze und in Ratschings nicht. Das Licht wird zunehmend diffuser und so entscheiden wir uns für die Talfahrt zurück nach Flading. Denn bei schlechter Sicht macht es keinen Spaß. Über herrliche Skihänge, auf denen wir sogar noch Pulverschnee finden, geht es zurück in Richtung Klammalm. Noch vor der Hütte zweigen wir nach rechts ab und entscheiden uns für diese doch sehr steile Variante. Man kann alternativ aber auch bis zur Klammalm abfahren.

Oberhalb der Baumgrenze treffen wir wieder auf die Aufstiegsroute. Von dort führt der Weg durch den Wald zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Alles richtig gemacht und der Ausflug auf die kleine Kreuzspitze und ins Ratschingstal war definitiv eine Reise wert.

Vielleicht noch ein kleiner Tipp zum Schluss. Nachdem im unteren Bereich der Tour der Schnee doch schon ziemlich weich und eher nass ist, und im oberen Teil die Bedingungen zunehmend pulvrig werden, empfiehlt es sich, die Felle gut einzuwachsen oder ein Wachs für alle Fälle mitzunehmen.

Denn während unseres Aufstieges haben wir doch einige andere Tourengeher überholt, die sich mit fast 15 Zentimeter aufgepapptem Schnee in Richtung der Kleinen Kreuzspitze regelrecht quälten.

Damit kann einem bei der Skitour im schönen Ratschingstal der Spaß leider schnell vergehen. (flex)

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