Letztes Update am So, 14.04.2019 09:19

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Kefalonia: Buntes Schmuckstück, das beschützt werden will

Kefalonia gilt als malerische Perle im Ionischen Meer. Der Massentourismus ist auf der Insel im nördlichen Griechenland bislang ausgeblieben. Naturschutz wird überall großgeschrieben, um die weitläufige Unberührtheit zu bewahren.

Gut zehn Kilometer nördlich des magischen Bilderbuchstrands schlummert Assos in einem friedlichen Dornröschenschlaf.

© iStockphotoGut zehn Kilometer nördlich des magischen Bilderbuchstrands schlummert Assos in einem friedlichen Dornröschenschlaf.



Von Beate Troger

Willkommen, my Friend!“ Herzlich begrüßt Fanouris die Tiroler Gäste in seinem Apparte­menthaus Aggelina’s auf Kefalonia und tischt zur Begrüßung den lokalen Inselwein Robola, Bier und Säfte auf. Seine Besucher möchte er persönlich kennen lernen, um sie so richtig zu verwöhnen. Frühstückswünsche, Ausflugstipps, Restaurantempfehlungen – unaufdringlich bietet er Hilfe an. Damit die Eltern entspannt ihre Mahlzeiten genießen können, betreut Fanouris sogar die jüngsten Gäste und lässt sie mit ihren Spielzeugautos durch seine Küche flitzen.

Durch die Hügel rundum ziehen sich zahlreiche Wanderwege in allen Schwierigkeitsgraden.
Durch die Hügel rundum ziehen sich zahlreiche Wanderwege in allen Schwierigkeitsgraden.
- Troger

Wer auf der westlich gelegenen Halbinsel Paliki auf Kefalonia urlaubt, den erwarten unberührte Strände, versteckte Kleinode und aufgeschlossene Gastgeber fernab von jeglichem Massentourismus.

Wenige Gehminuten von den Appartements entfernt schmiegt sich der rotsandige Xi Beach zwischen kleineren Felsklippen und Landzungen an die Küste. Wer gern am Strand relaxt oder durch den lauwarmen Sand flaniert, kommt voll auf seine Kosten. In der Vorsaison bleiben die meisten Liegen bis Mittag überwiegend leer. Actionreiche Wassersportarten hingegen verbietet die Inselregierung, um die ursprüngliche Landschaft zu bewahren.

Spektakuläre Autofahrten

Wer nicht den ganzen Tag Sonne und Ruhe tanken möchte, dem sei auf jeden Fall ein Mietauto empfohlen. Kefalonia bietet eine schier unendliche Vielfalt – die Urlaubszeit wäre viel zu schade, um sie nur an einem Strand verstreichen zu lassen.

In der Klosterkapelle können Besucher über eine steile Leiter in die Höhle klettern.
In der Klosterkapelle können Besucher über eine steile Leiter in die Höhle klettern.
- Troger

Der Verkehr entlang der steil abfallenden Westküste entpuppt sich zwar mitunter als abenteuerlich, gleichzeitig entwickelt sich jede Autofahrt zu einem Ausflug voller Sehenswürdigkeiten und unzähligen Fotostopps. Wenn plötzlich eine Straße an einem Abgrund endet, weil die dafür verantwortliche Baustelle nur auf einem Pappzettel in griechischen Buchstaben ausgeschildert ist, gilt es, auf das intuitive GPS zu vertrauen. Zum Glück erklimmen die kleinen Mietautos die entlegenen Bergdörfer mit Leichtigkeit.

Über eine steile Schotterpiste kurvt man auch, wenn man an der nördlichen Westküste die Kleinode Myrtos Beach und das Dorf Assos besuchen möchte. Ein Felssturz aufgrund eines Erdbebens hat 2014 Teile der Küs­tenstraße weggerissen. Die Sanierung schreitet nur langsam voran.

Doch die strapaziöse Anfahrt lohnt sich. Der Strand in der Myrtos Bucht gilt als einer der berühmtesten von Griechenland und landet regelmäßig auf Listen der schönsten Strände der Welt. Über Serpentinen gelangt man zu dem feinen weißen Kiesstrand. Das türkise Meer glitzert in unzähligen Facetten. Das Meer ist so sauber und klar, dass man bis weit hinaus fast jede Steinformation erkennen kann. Naturschutz steht über dem Tourismus.

Der Strand in der Myrtos Bucht gilt als einer der berühmtesten von Griechenland und landet regelmäßig auf Listen der schönsten Strände der Welt.
Der Strand in der Myrtos Bucht gilt als einer der berühmtesten von Griechenland und landet regelmäßig auf Listen der schönsten Strände der Welt.
- iStock

Liegen, Gastronomie oder Sportangebote gibt es nicht, ein kleiner Kiosk versorgt die Gäste nur mit dem Nötigsten. Gut zehn Kilometer nördlich des magischen Bilderbuchstrands schlummert Assos in einem friedlichen Dornröschenschlaf.

Die Zeit scheint in dem Dörfchen, in dem außerhalb der Tourismussaison nur eine Handvoll Einheimische leben, schon seit Jahren stillzustehen.

Weitläufige Naturlandschaft

Einige Fischer erhalten noch den kleinen Hafen am Leben, am angrenzenden Strand relaxen fast nur Griechen. Die bunten Häuser drängen sich auf der schmalen Landzunge in Richtung der Burg- ruine, die vor rund 400 Jahren dem venezianischen Reich als Festung diente.

Auf der Rückfahrt wird einem wieder bewusst, wie weitläufig und unberührt sich die Insel präsentiert. Grüne Naturlandschaften werden nur selten unterbrochen von Weinbergen und Olivenhainen. Durch die Hügel rundum ziehen sich zahlreiche Wanderwege in allen Schwierigkeitsgraden.

Durch ein riesiges Loch in der teils eingestürzten Decke scheint die Sonne in die Melissani-Höhle.
Durch ein riesiges Loch in der teils eingestürzten Decke scheint die Sonne in die Melissani-Höhle.
- iStock Unreleased

Die Inselhauptstadt Argostoli mit Flughafen und einem kleinen Kreuzfahrtterminal liegt in einer Nische der langgezogenen Bucht. Im Halbstunden-Takt pendeln Fähren, um die Inselhälften besser miteinander zu verbinden.

Zwischen Höhlen und Ruinen

Vom quirligen Argostoli aus erreicht man das Kloster des Inselpatrons Agios Gerasimos nach einer knapp halbstündigen Autofahrt. Jenseits des Enos, mit 1625 Metern der höchste Berg der Insel, versteckt sich das Kloster in einer Talsenke zwischen Weinbergen und beschaulichen Dörfern. In der Klosterkapelle können Besucher über eine steile Leiter in die Höhle klettern, in die sich der Schutzpatron für seine Exerzizien zurückgezogen hat. Wer möchte, kann sich auch die mumifizierte Leiche von Gerasimos zeigen lassen.

Eine kurvenreiche Passstraße führt vom Kloster zur Bucht von Sami. Das malerische Örtchen ist der ideale Ausgangspunkt für die Besichtigung der Tropfsteinhöhlen Melissani und Drogarati.

Durch ein riesiges Loch in der teils eingestürzten Decke scheint die Sonne in die Melissani-Höhle und lässt das Wasser des unterirdischen Sees in einem faszinierenden Farbenspiel erstrahlen. Die Rundfahrt mit einem Ruderboot kostet sieben Euro. Zu Fuß erkundet man hingegen die 1000 Quadratmeter große Drogarati-Höhle, an die ein schauriges Labyrinth von Stalaktiten anschließt. Die Höhlen lassen nicht nur staunen, sondern sorgen auch in der Sommerhitze für Abkühlung.

Hoch über Sami verteilen sich die Ruinen des antiken Stadtzentrums in den Hügeln, die man auf einer leichten Wanderung mitunter suchen muss. Zwischen Resten von Maueranlagen und verfallenen Toren eröffnet sich immer wieder ein bezauberndes Panorama über die Bucht von Sami bis zur Nachbarinsel Ithaka.

Weil die Naturschätze Kefalonias in den vergangenen Jahren immer mehr Gäste angelockt haben, wird der Flughafen ausgebaut. Bleibt nur zu hoffen, dass die Insel auch langfristig auf Umweltschutz statt auf Massentourismus setzt.