Letztes Update am So, 28.04.2019 14:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Kleine Abenteuer in der Südsee

Eine Expeditionskreuzfahrt durch den Südpazifikvon Fidschi bis Französisch-Polynesien galt zu Zeiten von James Cook als Wagnis. Heute ist es Luxus.

Bora Bora ist für viele Urlauber das absolute Südsee-Traumziel.

© APA (dpa)Bora Bora ist für viele Urlauber das absolute Südsee-Traumziel.



Auf den letzten Metern nach Mata-Utu, Hauptstadt des Königreichs Uvea und ein Teil des französischen Überseegebiets Wallis und Futuna, wird es nautisch heikel. „Die Seekarten im Riff sind nicht exakt“, sagt Kapitän Axel Engeldrum. „Untiefen in der Passage sind nicht markiert.“ Daher ist ein lokaler Lotse an Bord. Manövrieren auf Sicht, mit Tageslicht.

Ein großes Kreuzfahrtschiff kann Wallis nicht erreichen. Doch die Urlauber sind auf der „Bremen“, einem Schiff von Hapag-Lloyd Cruises für 155 Gäste. Sie nehmen an einer Expeditionskreuzfahrt durch den Südpazifik teil: 17 Tage ostwärts, von Fidschi über Wallis und Futuna, Samoa und die Cookinseln nach Französisch-Polynesien. Expeditionsleiter Ole Stapelfeld macht die Passagiere am ersten Reisetag mit dem Gebiet vertraut. „Die Menschen im Pazifik sind offenherzig“, sagt er. Es gebe eine „positive Distanzlosigkeit“, man begegne sich direkt, ohne Statusfragen nach dem Job. „Genießen Sie es, einfach mal Mensch sein zu dürfen“, rät er. Stapelfeld weiß um das Klischeebild der Südsee. „Man muss es auch ein-, zweimal erfüllen.“ Man brauche den typischen Strand und polynesische Tänze. Man weise die Gäste aber auch auf Probleme hin: Kulturverlust durch die Missionierung, Überfischung und Umweltverschmutzung.

Zuerst Vergnügen: Nach einem Strandbesuch mit Postkartenmotiv auf der Hauptinsel Viti Levu, einer Wanderung zu den Bouma-Wasserfällen auf Taveuni am Folgetag bringt Tag drei auf der Insel Kioa die erwarteten Tänze. Sensibilisiert aber auch für die großen Problemlagen. Auf der Insel Kioa nehmen die Gäste an einer Zeremonie teil. Die Einheimischen – rund 65 Familien – sind Klimaflüchtlinge, deren Vorfahren die Insel einst kauften. Ihre Heimat Tuvalu geht wegen des steigenden Meeresspiegels unter.

Beim Schnorcheln trifft man auf Schwarzspitzen-Riffhaie.
Beim Schnorcheln trifft man auf Schwarzspitzen-Riffhaie.
- APA (dpa)

Der Dorfälteste führt die Besucher ins Gemeindehaus, dort setzen sich alle auf den Boden. Jeder bekommt Blumenschmuck. Gut eine Stunde dauert die Zeremonie, danach ist Zeit für Gespräche.

Später, nach einem Badestopp am unbewohnten Eiland Alofi, macht man sich Gedanken. Der Sandstrand ist blütenweiß, allein der schwarze Rauch aus dem Schlot der „Bremen“ in einiger Entfernung zur Küste wirkt verstörend. Das Schiff fährt mit dem umweltschädlichen Schweröl. Ab 2020 will die Reederei aber auf Expeditionsfahrten schadstoffärmeren Treibstoff einsetzen.

Das kontrollierte Abenteuer

Zurück in die Gegenwart: „Seien Sie vorbereitet auf Spritzwasser, Regen, Wind und Sonne – Sie sind auf Expedition“, hat Ole den Gästen mitgegeben. Der Satz verdeutlicht aber auch, dass diese Seereise nicht mit den Expeditionen eines James Cook vergleichbar ist. Alle Entscheidungen werden den Gästen abgenommen, körperliche Entbehrungen halten sich stark in Grenzen. „Ich würde es eher kontrolliertes Abenteuer nennen“, sagt Ole später. Seine Aufgabe sei es, ein Abenteuer-Gefühl zu vermitteln, ohne dass es ein Sicherheitsrisiko gibt. Der Unterschied zur konventionellen Kreuzfahrt besteht darin, dass den Erlebnissen an Land ein größerer Stellenwert eingeräumt wird als dem Bordleben.

Auf Samoa steuert die „Bremen“ die zwei Hauptinseln an: Upolu mit der Hauptstadt Apia und Savai’i. Auf Ausflügen lernen die Passagiere das komplexe Matai-Herrschaftssystem kennen und spazieren über das erkaltete Lavafeld, das der Vulkan Matavanu 1905 geschaffen hat.

Auf Taveuni geht es über Pfade zu Wasserfällen mitten im Dschungel.
Auf Taveuni geht es über Pfade zu Wasserfällen mitten im Dschungel.
- APA (dpa)

Die Klientel ist betagt, gebildet und aufgrund des Reisepreises relativ wohlhabend. Dass es an Bord bis auf die Lektorenvorträge, ein Pooldeck-Barbecue und den abendlichen Klavierspieler praktisch keine Unterhaltung gibt, stört niemanden. Je weiter das Schiff nach Osten fährt, desto touris­tischer werden die Inseln – und umso reizender die Südsee-Bilder. Auf Aitutaki ist die Kulisse perfekt: Das Atoll ist von einem Barriereriff mit mehreren Motus umgeben – das sind kleine Inseln mit weißem Sand und Palmen, die entweder vulkanischen Ursprungs sind oder auf den Korallen wachsen. Wenn die Sonne scheint, strahlt die Lagune innerhalb des Riffs kilometerweit in einem betörenden Türkis.

Ausflugsziel des Tages ist One Foot Island. Auf dem Weg dorthin lassen sich beim Schnorcheln bunte Riesenmuscheln beobachten. Doch der Höhepunkt der Kreuzfahrt folgt für viele erst: die Gesellschafts inseln in Französisch-Polynesien, Raiatea, Moorea – und Bora Bora. Auf einem Bootsausflug schnorcheln die Urlauber mit Stachelrochen, beim Mittagessen auf einem der Motus sitzen sie an Tischen im Meer, sodass die Füße von Fischen umschwärmt werden. Die Farben sind so intensiv, dass die in der Luft schwebende Möwe durch die Reflexion des Wassers von unten türkis leuchtet.

Sehnsucht nach dem Wow-Strand

Hier auf Bora Bora, ganz am Ende der Reise, verwirklicht sich endgültig das Südsee-Klischee, jedenfalls landschaftlich. Stapelfeld, der während der Kreuzfahrt versucht, ein möglichst differenziertes Bild des Reiseziels zu vermitteln, gibt zu, dass auch er gerne an einem Traumstrand liege und „Wow“ sage. „Ich glaube, da haben wir alle eine Sehnsucht nach.“ (APA, dpa)




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