Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


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Wanderung zur Kirche St. Hippolyt: Wo schon Römer marschierten

Viel Geschichte bietet die Wanderung zur Kirche St. Hippolyt oberhalb von Lana in Südtirol. Je nach Zeit und Lust kann die Runde beliebig ausgedehnt werden.

Die Wanderung führt vorbei an der Talmühle.

© ZuechDie Wanderung führt vorbei an der Talmühle.



Von Irene Rapp

Lana – Südtirol hat vieles im Übermaß. Burgen zum Beispiel: Sobald der Brenner hinter einem liegt, sticht einem schon links die erste Anlage ins Auge. Auf zahlreichen strategisch günstigen Plätzen wurden einst Burgen errichtet – oder Kirchen. Was in Südtirol ebenfalls reichlich vorhanden ist, sind Apfelgärten. Nicht nur im Vinschgau, auch im Etschtal prägen Anbaugebiete die Landschaft.

Das Kirchlein St. Hippolyt oberhalb von Lana.
Das Kirchlein St. Hippolyt oberhalb von Lana.
- Zuech

Was das mit dem Tourentipp zu tun hat? Im Rahmen einer Wanderung haben wir das Kirchlein St. Hippolyt oberhalb von Lana besucht: Der Ausblick von dort ist ein Traum – u. a. auf Tausende Apfelbäume – und ganz nebenbei taucht man noch ein wenig in die Geschichte ein.

So kommt man hin: Von Lana kurz vor Meran fährt man nach Völlan hinauf, das ein Ortsteil von Lana ist. Völlan ist nicht nur burgenreich – u.a. findet sich hier die stattliche Mayenburg –, sondern auch die Heimat des Rennrodlers Armin Zöggeler.

Über ihn ist auf Wikipedia zu lesen: Er ist (Sommerspiele eingeschlossen) der einzige Sportler weltweit, der bei sechs aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen in einer Einzeldisziplin eine Medaille gewonnen hat, Gold (2002, 2006), Silber (1998), Bronze (1994, 2010, 2014).

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Den Track für die Tour finden Sie unter https://go.tt.com/2H7IyoW

Doch zurück zu unserer Wanderung: Das Auto kann man am westlichen Ortsende von Völlan, vor dem Vereinshaus, stehen lassen (kostenlose Parkmöglichkeiten. Interessant: Hier findet sich ein öffentlicher Defibrillator, wie an vielen anderen Stellen in Südtirol auch). Zunächst geht man kurz in westliche Richtung und am Bauernmuseum weiter, dann folgt man dem Weg Nr. 8 Richtung Naraun.

Das erste Wegstück führt durch Apfelgärten und am vergangenen Wochenende war hier auf rund 700 Metern Höhe die Blüte noch im Gange. Bei einer Wegteilung geradeaus weiter, dann geht es hinab in ein Waldstück. Nach rund zehn Minuten kommt man zum ersten historischen Highlight der Wanderung – und zwar zum romantisch gelegenen Gasthof Talmühle. Ins Auge stechen nicht nur eine alte Steinbrücke aus der Römerzeit, sondern auch ein Mühlstein am Wegrand. Unter einem rauscht der Brandisbach und kurz ist man versucht, bereits einzukehren (täglich von 10–23 Uhr geöffnet, außer Montag. Infos: www.obertalmuehle.com).

Romantisch ist der Aufstieg zum kleinen Gotteshaus.
Romantisch ist der Aufstieg zum kleinen Gotteshaus.
- Zuech

Doch wir gehen am Gebäude vorbei und kurz einen steilen Weg hinauf. In dem Mischwald mit vielen Kastanien dominieren jetzt die unterschiedlichsten Grüntöne, doch bald erreicht man wieder eine offene Fläche – natürlich mit Apfelbäumen.

Vorbei geht es an einem Haus bis zu einem Bildstock mit Herrgott. Hier könnte man rechts hinauf zum Hofstätterhof marschieren, einer Buschenschank (Infos: www.hofstaetterhof.it). Wir sind jedoch beim Bildstock links abgebogen und an einem stattlichen Hof vorbei. Von hier aus kann man schon das Ziel erblicken – und zwar die auf einem wunderschönen Platz gelegene Kirche St. Hippolyt.

Die Gegend hier heroben wurde bereits vor mehreren Tausenden Jahren besiedelt und soll u. a. Kultstätte gewesen sein. Auf die Zeit vergessen kann man auch am Weiterweg zu dem 1286 erstmals erwähnten Kirchlein. Denn nun hält man sich wieder bergab und bleibt auf dem Weg Nr. 7.

Der Ausblick auf das Etschtal (im Bild Richtung Lana) ist unglaublich.
Der Ausblick auf das Etschtal (im Bild Richtung Lana) ist unglaublich.
- Zuech

An einigen Wiesen mit Schafen vorbei erreicht man wieder ein kleines Wäldchen. Fern jeglichen Zivilisations-lärms marschiert man nun auf einem urig anmutenden Weg über große Steinplatten und in Fels gehauene Pfade hinauf – gutes Schuhwerk ist hier unbedingt notwendig.

Die Ruhe und die Schönheit des Wäldchens ist einmalig und fast ist man ein wenig enttäuscht, wenn man nach wenigen Minuten den höchsten Punkt erreicht hat.

Allerdings nur kurz: Denn der Kirchenhügel St. Hippolyt mit zum Glück vielen Bänken ermöglicht einen unglaublichen Ausblick auf das Etschtal. Blickt man links hinab, sieht man – natürlich – wieder eine Burg, und zwar die Leonburg. Und Lana scheint ohnehin nur von Apfelgärten umgeben zu sein.

Nun könnte man auf dem bekannten Weg zurückmarschieren. Wir jedoch sind in westliche Richtung auf einem breiten Weg abwärts weiter. Entlang der Strecke finden sich Tafeln mit religiösen Sprüchen, bei einer Wegteilung hält man sich rechts (Richtung Narauner Weiher). Auf einem breiten Waldweg geht es eben dahin, nach fünf Minuten hat man dann das Gewässer erreicht.

Infotafeln klären über die Tier- und Pflanzenwelt auf. Der Narauner Weiher ist gering schwefelhaltig, im Sommer wird darin gerne gebadet, erzählt ein Einheimischer. Und von noch einer Besonderheit kann er berichten: Inmitten des Weihers liegt eine schwimmende Insel, die sich je nach Strömung und meteorologischen Gegebenheiten an unterschiedlichen Orten des Sees befinden kann.

Zur Info: Die Insel lag bei unserem Besuch am östlichen Ende des Weihers. In der Nähe des Gewässers gibt es auch einen kleinen Klettergarten. Der Fels besteht aus Porphyr und bietet ca. 20 Routen von 4 bis 7a, die meisten sind 6b-Routen.

Noch wenige Meter weiter, dann kommt man wieder zum bekannten Weg mit den Schafwiesen. Die schöne Wanderung ist übrigens beliebig erweiterbar: Z. B. kann man beim Wegstock hinauf zum Hofstätterhof marschieren. Von dort dann über das Völlanerbadl zurück ins Ortszentrum nach Völlan.

Einkehrmöglichkeiten bieten sowohl Hofstätterhof als auch Völlanerbadl (Infos: www.voellanerbadl.it) und in letzterem Haus kann man sogar ein Bad genießen. Eine hauseigene sulfat- und mineralhaltige Naturquelle mit positiver Wirkung bei Gelenks- und Kreislaufbeschwerden macht’s möglich.

Fazit: Die ausgewählte Tour ist gemütlich, daher auch mit größeren Kindern machbar, und zu jeder Jahreszeit empfehlenswert.

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