Letztes Update am So, 19.05.2019 07:41

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Van-Reise auf Gran Canaria: Der ewigen Freiheit entgegen

Ein Auto, ein Haus, ein Urlaubsdomizil und ein Büro: Das alles kann ein Van sein. Eine Testfahrt im neuen VW zeigt, was auf vier Rädern möglich ist.

Im Van kommt man an die besten Plätze.

© VWIm Van kommt man an die besten Plätze.



Von Andrea Wieser

Frage: Wann braucht eine Klo-Rolle ein eigenes, wasserdichtes Fach? Antwort: Wenn im Toilettenraum auch noch geduscht werden muss. Bei einer Testfahrt mit dem neuen VW Grand California 600 auf Gran Canaria wurde diese praktische Erkenntnis gewonnen. Eine solch enge Nasszelle mag jetzt für die einen arg spartanisch klingen. Für einen Van-Liebhaber ist es aber das ultimative Glück auf vier Rädern.

Unabhängig, frei und spontan. Das sind die drei Attribute, die eine ganze Szene zusammenschweißen. Die Rede ist vom Van-Living im Campingbus. Wie sehr sich Menschen mit dem Trend identifizieren können, zeigt ein Blick auf YouTube. Unter Suchbegriffen wie Van oder Camper bloggen Insider über ihre Leidenschaft. Das geht von Urlaubern bis zu jenen, die ganz ausgestiegen sind. Und eine neue Art gesellt sich auch noch dazu: Der Business-Camper, der sein Büro in den Van verlegt hat. Das spart die Kosten für Miete und sorgt bei Geschäftsreisen automatisch für Reise- und Übernachtungsmöglichkeiten. Der Austausch findet aber nicht nur online statt. Ende Mai (24. bis 26.5.) trifft sich die Szene zum Beispiel bei den Van Days in der Steiermark. Interessierte gibt es genug. In Österreich waren Ende des Vorjahres 28.022 zuge­lassene Reisemobile verzeichnet. Tendenz steigend.

Die Testfahrt im VW Gran California zeigt, was der anspruchsvolle Van-Driver braucht. Das Modell, das im Sommer ab einem Preis von 70.000 Euro in den Vorverkauf kommt, ist die Symbiose aus zwei VW-Ideen. Zum einen dem T6 California, dem Urtypus eines Vans für junge Freizeitmenschen, die gerne ihren kleinen Bus auch als Pkw nutzen, aber auf Bett und Küchenblock nicht verzichten wollen. Die motorisierte Basis kommt vom größeren VW Crafter, dem klassischen Kas­tenwagen.

Unter dem Sternenhimmel

Entstanden ist ein Reisemobil, das nun auch Dusche und Toilette an Bord hat, in dem ein Erwachsener aufrecht stehen kann und vier Menschen Schlafplätze finden. Wobei der Mini-Alkoven etwas eng ist und damit doch eher den Kindern vorbehalten ist. Mit Alkoven ist übrigens die Kabine oberhalb des Fahrerhauses gemeint, in großen Wohnmobilen der typische Platz fürs Bett. Egal, ob oben oder unten, ein Blick durch die Panoramafenster lenkt den Blick auf den Himmel. Der Große Bär und der Polarstern zeichnen sich im Dunkeln ab. Das ist magisch. Es ist die Nähe zu Himmel und Erde, die das Van-Leben ausmacht. Die ist auch zu spüren, wenn man am nächsten Morgen die Füße in die frische Luft hinausstreckt. Der große Vorteil an einer Übernachtung im Van ist: Man muss nicht hinaus in die Natur, man ist ja schon da.

Das ist nicht immer romantisch. Auf der Social-Media-Plattform Instagram posten Vanlifer nicht nur Bilder von idyllischen Stränden, sondern auch von regennassen Campingplanen, hässlichen Stellplätzen oder leeren Autobatterien. Da wird das Happy-Peppy-Leben ehrlich dargestellt. Wer das nicht packt, der ist mit einem Van schlecht beraten. Ein Camper darf eben nicht zimperlich sein.

Duschen an der frischen Luft

Wenn das Wetter jedoch passt, ist die Krönung des Van-Spirits die Outdoor-Dusche. Der wahre Camping-Held geht nämlich nicht in die Innenkabine, sondern zum Wasseranschluss draußen. Ein improvisierter Duschvorhang schützt vor ungebetenen Zuschauern. Wer einmal so den Körper von Schweiß und Staub gereinigt hat, will es nie wieder anders. Wer das noch nicht kennt, der hat bisher einfach etwas versäumt.

Die Autorin reiste auf Einladung von VW Nutzfahrzeuge.