Letztes Update am Mi, 22.05.2019 14:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

Bio-Hotel in Tirol: Zimmer mit naturbelassener Aussicht

Immer mehr Hotelgäste wollen auch im Urlaub nicht auf Bio verzichten, Nachhaltigkeit liegt im Tourismus im Trend. Maria Schweitzer hat vor mehr als 20 Jahren in Mieming das erste Bio-Hotel Europas gegründet.

Maria Schweitzer mit einer japanischen Journalistin, die über ihr Hotel berichtet.

© Vanessa RachléMaria Schweitzer mit einer japanischen Journalistin, die über ihr Hotel berichtet.



Von Silvana Resch

Mit 85 Jahren ist Liesl, eine deutsche Yogalehrerin, erstmals ins Bio-Hotel Schweitzer nach Mieming gekommen. Nicht um in ihrem Ruhestand einfach nur Tirols Bergwelt zu genießen, sondern um zu unterrichten. Im Gefolge „eine große Schar an Schülern“, berichtet Maria Schweitzer, Gründerin des ers­ten zertifizierten Bio-Hotels in Europa. Die Yogalehrerin, die bereits in den ersten Jahren der Umstellung des Hotels Schweitzer auf den Bio-Betrieb für ein volles Haus sorgte, ist mittlerweile verstorben, bis „kurz vor ihrem 100. Geburtstag ist sie noch zum Unterrichten angereist“, berichtet Schweitzer. Den erstaunten Blick ihres Gegenübers quittiert sie mit einem ruhigen Lächeln: „Yoga ist gesund und hält fit.“

Das gilt wohl auch für die Bio-Vollwertkost des Hauses, denn die „leidenschaftliche Köchin“ schwingt auch mit 87 Jahren noch den Kochlöffel. Einen aus Holz und nicht aus Plastik, versteht sich. „Ich mache nur noch täglich frischen Kuchen“, winkt Schweitzer bescheiden ab. Mitarbeiter des 40-Betten-Hotels versichern indes, dass die Dame des Hauses nach wie vor den Laden kulinarisch schupft. Die Biskuitroulade, die „gekostet werden muss“ – die Wirtin duldet da keinen Widerspruch –, ist jedenfalls ein flaumig-fruchtig-frisches Gedicht.

Das Bio-Hotel Schweitzer sieht von außen wie ein konventionelles Hotel aus.
Das Bio-Hotel Schweitzer sieht von außen wie ein konventionelles Hotel aus.
- Vanessa Rachlé

Maria Schweitzer gründete Mitte der 1990er-Jahre das erste Bio-Hotel, das sich auch wirklich so nennen durfte. Mit dem Zusatz „Bio“ hat sich früher eine ganze Reihe von Hotels geschmückt, heute ist der Begriff geschützt. Die Auflagen sind streng, kontrolliert wird jährlich. Dafür sorgt der 2001 gegründete Verein Bio Hotel, der in Tirol mit dem Haus Schweitzer insgesamt sechs ökologische Herbergen auflistet.

Pionierin aus Leidenschaft

Das Bio-Hotel war eigentlich die Idee der Tochter, die Seniorchefin war aber gleich Feuer und Flamme – „obwohl es in den ersten Jahren wirklich nicht einfach war, Bio-Lebensmittel aufzutreiben“. Laut den Auflagen des Vereins Bio Hotel kommen ausschließlich zertifizierte Bio-Produkte auf den Speiseplan. Mittlerweile habe auch der Großhandel dementsprechend umgestellt. Die Eier werden aber direkt am Mieminger Plateau bezogen. Bei Obst und Gemüse sei es regional aber nach wie vor schwierig: „Auch wenn biologisch gearbeitet wird, ohne Zertifizierung können wir es den Bauern leider nicht abnehmen“, sagt Schweitzer. Selbst die hoteleigenen Kräutergärten der Bio-Hotels werden geprüft.

Dass die Produkte keine allzu lange Anreise haben, ist aber freilich ein wichtiges Kriterium: Schweitzer bezieht ihre Ware auch aus Bayern oder Südtirol, gerade ist von dort eine frische Gemüselieferung eingetroffen: „Der Spinat sieht aus wie gezeichnet“, schwärmt die 87-Jährige.

Beschränkte sich die Anforderung der Bio-Hotels zunächst nur auf zertifiziertes Bio-Essen, so gilt dies seit 2006 auch für Getränke, vier Jahre später folgte die Regel „100 Prozent Naturkosmetik“. Die hauseigene Bio-Kosmetiklinie des Hotels Schweitzer wird gemeinsam mit dem Hotel Schwarz, dem Stammhaus, vertrieben. Auch die Wellnessanlage des nahen Fünf-Sterne-Resorts dürfen die Bio-Hotel-Gäste mitbenutzen. Ob sie traurig sei, dass die Verwandtschaft im Stammhaus kein reines Bio-Hotel betreibe? „Nein, ab 100 Betten ist das unmöglich“, glaubt die Wirtin, „nicht alles kann in ausreichender Menge geliefert werden.“

Ihre Gäste hätten jedenfalls Verständnis dafür, wenn es etwas einmal nicht gäbe. „Unser Klientel ist sehr angenehm und interessiert.“

Maria Schweitzers legendäre Vollwert-Biskuitroulade.
Maria Schweitzers legendäre Vollwert-Biskuitroulade.
- Vanessa Rachlé

Ökologischer Fußabdruck

Die Bio-Hotels haben sich auch dazu verpflichtet, ihren ökologischen Fußabdruck laufend zu verkleinern, etwa durch Energiesparmaßnahmen, weniger Fleisch auf der Speisekarte oder innovative Mobilitätskonzepte. Aber hat sich der ganze Aufwand wirtschaftlich gerechnet? Schweitzer lächelt: „Es hat sich auf jeden Fall rentiert.“.

Wenn es so gut läuft, dann stellt sich die Frage, warum es bei knapp 1500 Hotels in Tirol nur sechs Bio-Hotels gibt? Michael Carli von der Grünen Wirtschaft erklärt dies unter anderem mit dem „hohen bürokratischen Aufwand, den Auflagen, Zertifizierungen, Kontrollen“. Sein Kollege von der Grünen Wirtschaft, der Hotelier Georg Kaltschmid, setzt in seinem kleinen Hotel am Walchsee ebenfalls auf hohe ökologische Standards. Ein Bio Hotel ist sein Haus aber nicht, die Regionalität der Produkte ist ihm wichtiger. „Unser Bäcker ist zwar nicht bio-zertifiziert, aber er liefert tolle Qualität und verzichtet ebenfalls auf Konservierungsstoffe“, so Kaltschmid. Als einziger Betrieb im Kaiserwinkl, der das „Österreichische Umweltzeichen“ trage, spüre er dadurch einen Wettbewerbsvorteil. „Unsere Gäs­te haben unser Haus bewusst gewählt“, so Kaltschmid. Für ihn sei es auch Aufgabe der Hotellerie, Tirols Landwirte zu unterstützen und sie auf „ihrem Weg Richtung Bio“ zu begleiten.

Trend Nachhaltigkeit

Der „Trend zu Nachhaltigkeit, Regionalität und Achtsamkeit“ mache sich in der Branche generell bemerkbar, bestätigt Florian Werner von der Österreichischen Hoteliervereinigung. Eine gewisse Doppelmoral des Gastes, der zwar ökologische Produkte wünsche, aber teilweise auf Gewohnheiten nicht verzichten will – Stichwort „Erdbeeren oder Kiwi im Winter“ –, sei aber nicht zu leugnen.

Die Zirben-Zimmer im Hotel verströmen einen herrlichen Duft.
Die Zirben-Zimmer im Hotel verströmen einen herrlichen Duft.
- Vanessa Rachlé

Während manche Hoteliers noch unsicher sind, welchen Weg sie einschlagen sollen, ist die Richtung im Hotel Schweitzer klar. „Wir wollen noch nachhaltiger werden, noch mehr selber machen, wie Brot zum Beispiel“, sagt Maria Schweitzer.