Letztes Update am So, 09.06.2019 07:23

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Wellness-Festival, eine Natur-Erfahrung auf Mauritius

54 Quadratkilometer groß und auf einem fußballgroßen Globus kaum auszumachen. Aber ja, hinter Mauritius, einer Vulkaninsel im Indischen Ozean und scheinbar nur eine kleine Bootsfahrt von Madagaskar entfernt, verbirgt sich mehr als eine Briefmarke. Eine Wellness-Reise bestätigt das.



Von Florian Madl

Der Wecker mahnt um 4.30 Uhr zur Tagwache. Müde erhebt man sich aus dem wohligen Bett, während draußen der Indische Ozean rauscht. Warum jetzt aufstehen, wo es doch um ein Wellness-Festival in Mauritius und kein Boot-Camp geht?

Danyals Anweisung: ruhig atmen, dem Rauschen des Ozeans lauschen.
Danyals Anweisung: ruhig atmen, dem Rauschen des Ozeans lauschen.
- Privat

Gespenstisch huschen Schatten durch die Hotelanlage, 15 Leute machen sich mit Halbschuhen (was für ein Fehler) oder Badeschlapfen (ein noch größerer) Richtung Shuttlebus auf. Nichts ahnend, denn „5 Elemente“, wie in der Beschreibung angegeben, würde man eher einem China-Restaurant zuordnen. Schon wieder stolpert der Europäer über die Begrifflichkeit Wellness – was wohl die Mauritier darunter verstehen?

Candice Yon, die scheinbar niemals alternde Managerin der Anlage Heritage Le Telfair in Bel Ombre, bringt abends Licht ins sprachliche Dunkel: „Wir verknüpfen Wellness nicht in erster Linie mit dem Spa-Gedanken, also mit Sauna oder Whirlpool. Wir sehen das ganzheitlich im Sinne des körperlichen Wohlbefindens.“

Nicht spektakulär, aber laut. An diesem Wasserfall findet David seine Ruhe.

Nicht spektakulär, aber laut. An diesem Wasserfall findet David seine Ruhe.

- Madl

Zurück zu den „5 Elementen“, zu Danyal Lefevre, dem Yoga-Lehrer. Viele dürften hierhergekommen sein, um sich selbst zu suchen oder eine Geschichte übers Selbstsuchen zu schreiben. Mitzwanziger Danyal scheint sich trotz seines Alters bereits gefunden zu haben. Den bringt es nicht einmal aus der Ruhe, als sich der Shuttlebus ruckartig in Bewegung setzt und die Fliehkräfte das fehlende Frühstück offenbaren. Danyal singt mit Asima, 40 Jahre älter und stets an seiner Seite. „Das Leben macht Freude und zwar jeden Tag“, erzählt sie fröhlich lächelnd. Das habe sie aus 25 Jahren in Indien mitgenommen, aus Medidation und Selbsterkenntnis.

Der Shuttlebus sollte bei einem touristisch gut erschlossenen Aussichtspunkt namens Gris Gris Halt machen, große Wellen schlagen gegen das Riff. Wo also sind sie, die 5 Elemente? Danyal schweigt, führt die Gruppe durch einen Wald auf eine Wiese und fordert zum Mitmachen auf. Wellness als Yoga? Das könnte man vermuten, und tatsächlich: Es wird ein- und ausgeatmet, gedehnt, gestreckt und sogar ein Baum umarmt.

Der Le Morne Brabant hoch über dem Ozean (556 m): Oben wird meditiert ...
Der Le Morne Brabant hoch über dem Ozean (556 m): Oben wird meditiert ...
- Madl

Aber es ist anders, naturbelassen anders. Und es bleibt nicht dabei, dem Ozean bei seinem wilden Treiben zuzusehen. Mittlerweile ist es 7 Uhr, die Sonne lugt längst hervor. Und plötzlich heißt es: „La Roche Qui Pleure“, der weinende Felsen. Die nach oben spritzende Gischt benetzt das Vulkangestein in einer Art und Weise, als würde dieser weinen. Und wer sich dem Naturschauspiel nur lange genug hingibt, der kann das bestätigen.

Weiter geht die Wanderung, wohltuend für weniger in sich Gekehrte. Eben noch stand man am Abflugschalter des Münchner Flughafens, war beseelt von Reiselust und ungewohnten Sinneseindrücken im bunten und freundlichen Mauritius, da fällt das Umschalten nicht leicht. Es gelingt besser, als Danyal zum Barfußlauf auffordert.

... und unten eifrig gesurft.
... und unten eifrig gesurft.
- iStockphoto

Mitten durch den Wald – zunächst unheimlich, gewöhnungsbedürftig, aber mit Fortdauer des Marsches nicht mehr anders vorstellbar. Die Umgebung dämpft die innere Unruhe, der Schritt verlangsamt sich. Wieder macht Danyal Halt, wieder wird gedehnt, gestretcht, nachgedacht oder beobachtet. Es geht zu einem Wasserfall, die Zeit verfliegt. Es ist neun Uhr morgens, bis auf Nüsse und unnütze Gedanken liegt nichts Belas­tendes im Magen. Um 10.30 Uhr beendet Danyal seinen Ausflug, der am Ende Abenteuercharakter haben sollte.

Brusttief geht es durchs Treibholz eines Bachs, Kameras und Mobiltelefone werden als Erinnerung an unsere technokratische Welt krampfhaft in die Höhe gehalten. Es sollte das letzte Mal sein, dass viele Gruppenmitglieder diese Utensilien bei diesem Festival mit sich führen.

Durchnässt, aber glücklich und ein Stück weit erleichtert geht es zurück Richtung Shuttlebus. Nicht nur der Felsen weint, auch eine deutsche Frau am Ende der Reisegruppe. Weniger aus Erleichterung, sondern vielmehr ehrfürchtig vor Staunen und beglückt durch die Eindrücke des morgendlichen Fußmarsches.

Yoga auf einem Board für Stand-up-Paddling – ein Balanceakt.
Yoga auf einem Board für Stand-up-Paddling – ein Balanceakt.
- Gehm

Zurück im Hotel und konfrontiert mit einer Vielzahl an Workshops, die dem Thema Wellness gerecht werden sollen. Hier wird zu Sega getanzt, ausgelassen und ohne irgendwelche Vorgaben.

Das ist Mauritius

Die Flugzeit beträgt je nach Verbindung zwischen 12 und 15 Stunden, der Zeitunterschied zu Mitteleuropa: plus 2 Stunden. Von der Hauptstadt Port Louis im Nordosten des Landes (150.000 Einwohner) gehen Shuttles in die Resorts, auch kostengünstige Taxis (lizenziert) versehen ihren Dienst. Der Norden des Landes gilt als touristisch besonders erschlossen, der Süden rund um den Black River Gorges National Park und den markanten Brabant (556 m) als wild mit üppiger Vegetation. Heritage Le Telfair/Domaine de Bel Ombre, u. a. zu buchen über: Dertour, EWTC, Reiseservice Afrika, Airtours, Thomas Cook, FTI, Classic Golf Tours.

Der Autor reiste auf Einladung der Heritage Resorts nach Mauritius.

Zu Sega tanzen

Die­se Musik, die ein wenig an Reggae oder Jazz erinnert, liebt hier jeder. Und tanzen – das liegt den Einheimischen im Blut. Die schwingen sogar am Weg zum Supermarkt die Hüften und singen bisweilen, in jedem Fall lachen sie. Auch beim Wellness-Festival gehört all das dazu, außerdem Kunst, kreatives Malen wird als innere Reinigung definiert. Kris­talle unterstützen die Chakren. Es wird vegan gekocht und zu Trommelklängen probiert, den inneren Rhythmus zu erkunden.

Selbst SUPs, Boards zum Stand-up-Paddling, finden Eingang in die Workshops. Auf den Brettern werden die Asanas durchgeführt, also Yoga-Übungen, um dabei das Gleichgewicht zu halten. Zugegeben – nicht alles lässt sich mit den individuellen Vorstellungen in Einklang bringen, die Suche nach dem inneren Tier gestaltet sich humoresk. Die Mehrheit gibt sich im Anschluss als Wolf zu erkennen, Ähnlichkeiten lassen sich keine ausmachen.

Aber auch das ist Wellness, wie es bei diesem Festival definiert wird: die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen. Und rückblickend sollten die „5 Elemente“ des ersten Tages zahlreiche Elemente beinhalten, an denen man sich im Trubel des Alltags orientieren könnte. „Nicht bewerten, annehmen“, rät Yoga-Lehrerin Asima den Selbstsuchenden. Kommendes Jahr wird sie wieder dabei sein.




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