Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.07.2019


Recht

Erkrankung auf der Reise: „Der verlangt dann, was er will“

Im Urlaub zu erkranken oder zu verunglücken, zerstört nicht nur Reiseträume, sondern kann auch sehr teuer werden. Was Gebietskrankenkasse und Konsumentenschützer raten.

Es kann so schnell gehen. Soll die Tiroler Gebietskrankenkasse die Kosten ersetzen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

© iStockphotoEs kann so schnell gehen. Soll die Tiroler Gebietskrankenkasse die Kosten ersetzen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Es ist noch einmal alles gut ausgegangen: Der Arm ist zwar gebrochen, es hätte aber auch viel schlimmer kommen können bei dem Unfall mit dem ausgeliehenen Motorrad auf der Urlaubsinsel. Der Arzt war gleich zur Stelle, die Beteiligten sind froh und dankbar über die rasche medizinische Versorgung. „In diesem Moment denkt niemand an Rechnungen, die zu bezahlen sind“, sagt Johann Wolfgang Praty, stellvertretender Leiter des Kundencenters der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) in Innsbruck und für ganz Tirol bei zwischenstaatlichen Abkommen zuständig. Die Frage nach den Kosten stellt sich erst danach, wenn es ans Zahlen geht, spätestens aber daheim, wenn die Krankenkasse die Behandlungskosten nicht wie erhofft vergütet.

Das passiert immer wieder dann, wenn die medizinischen Leistungen auf der Rechnung nicht detailliert aufscheinen: Behandlung, Medikamente und Heilbehelfe müssen nämlich genau aufgelistet werden – „leserlich und in einem Land mit anderer Sprache am besten in Englisch verfasst, so dass es nicht zu Missverständnissen kommt“, sagt Praty. Man versuche zwar zu übersetzen, wo es geht, „bei griechischen Buchstaben tun wir uns aber schwer“. Nötig ist auch der Zahlungsnachweis.

Die Kostenerstattung erfolgt nach inländischen Tarifen und zu 80 Prozent. Da für die ausländischen Sozialversicherungen andere Tarife gelten und private Behandler die Preise frei bestimmen können, kommt es oft zu großen Differenzen, macht die TGKK aufmerksam. Vorsicht sei bei Club- reisen geboten. Praty: „Wenn es in einem Ferienclub zu einem Vorfall kommt oder jemand erkrankt, wird meistens ein Privatarzt verständigt, da ist man gleich ein paar hundert Euro los für Leistungen, die bei uns nur mit 100 Euro bewertet werden. Wir machen immer wieder diese Erfahrungen. Bei All-inclusive-Reisen wollen Hotels besten Service bieten – mit guter medizinischer Versorgung mit einem Arzt, der gleich zur Stelle ist. Das ist aber dann meistens ein Wahlarzt, und der kann verlangen, was er will.“

Grundsätzlich gilt die europäische Krankenversicherungskarte (EVKK) in fast allen populären Urlaubsländern bei allen Vertragsärzten und in öffentlichen Krankenhäusern, es kommt aber immer wieder vor, dass sie trotz anderslautender Bestimmungen nicht akzeptiert und eine Barzahlung verlangt wird. Der Gebietskrankenkasse sind auch Fälle bekannt, in denen nur für das Stecken der E-Card 20 Euro verlangt wurden. Die EVKK befindet sich auf ihrer Rückseite. Sie gilt im gesamten EU- und EWR-Raum, außerdem in der Schweiz und in Mazedonien. Wer nach Montenegro, Serbien oder Bosnien-Herzegowina reisen will, muss damit beim zuständigen Sozialversicherungsträger eine gültige Anspruchsberechtigung einholen.

Praty rät allen Urlaubern außerdem zu einer Reiseversicherung mit Rückholung – auch bei Kurzreisen. „Der Teufel schläft nicht. Und man darf nie vergessen: Jeder kann auch unschuldig in einen Unfall verwickelt werden, und dann liegt man unter Umständen mit einem Oberschenkelbruch mehrere Wochen in einem Krankenhaus, weit von zu Hause entfernt.“

Wer eine Kreditkarte hat, ist unter Umständen ebenfalls reiseversichert, allerdings gibt es viele Unterschiede, was die Leistungen betrifft, sagt Gabi Kreindl vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). Sie empfiehlt, sich die Bedingungen vor Urlaubsantritt genauer anzusehen und sich zu erkundigen. „Je nach Vereinbarung mit der Bank kann es bei Leistungen und Versicherungssummen auch bei gleichen Karten wie zum Beispiel Visa große Unterschiede geben.“ Abzuklären ist auch, ob nur der Karteninhaber oder alle Familienmitglieder inkludiert sind.

Immer wieder taucht zudem die Frage auf, ob die Reise mit der Kreditkarte bezahlt werden muss, um dann im Notfall auch geschützt zu sein. Hier rät die Expertin für Finanzdienstleistungen beim VKI: „Es muss nicht unbedingt die Reise selbst sein, es kann auch das Mietauto sein oder Proviant, die Kreditkarte muss aber in jedem Fall in den vergangenen zwei bis drei Monaten benützt worden sein.“ Es kann aber davon ausgegangen werden, dass es einen besseren Schutz gibt bzw. sich die Summen erhöhen, wenn der Urlaub mit der Kreditkarte bezahlt wurde, so Kreindl.

Der Verein für Konsumenteninformation rät, vor allem für jene Fälle versichert zu sein, die wirklich ins Geld gehen oder sogar existenzbedrohend sein können – wie eine Erkrankung während einer USA-Reise, wo die Behandlungskosten sehr hoch sind, aber auch für einen Rücktransport aus einem fernen Reiseziel. Für alle, die öfters verreisen, gibt es auch Jahrespolizzen.

Wer sich näher informieren möchte: Die Tiroler Gebietskrankenkasse hat rechtzeitig vor den Ferien den Link www.tgkk.at/urlaub eingerichtet, dort finden Reisende auch eine Auflistung aller Länder, in denen die europäische Krankenversicherungskarte gilt.