Letztes Update am So, 04.08.2019 07:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Urlaub

Touristenfallen im Urlaub: Strafzettel als ungeliebtes Souvenir

Fast 1000 Euro für Kaffeekochen in Venedig, Auto in Griechenland beschlagnahmt: Urlauber tappen im Ausland in die Kostenfalle. Information hilft.

Touristen müssen mit strengen Strafen rechnen: Ob man eine Hängematte aufhängt, in den Canale Grande springt, oder Kaffee kocht, Fehltritte kosten.

© iStockTouristen müssen mit strengen Strafen rechnen: Ob man eine Hängematte aufhängt, in den Canale Grande springt, oder Kaffee kocht, Fehltritte kosten.



Von Alexandra Plank

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Innsbruck – „Ich steh aufs Gänsehäufel, auf Italien pfeif i“, sang Rainhard Fendrich in seinem Sommerhit „Strada del Sole“. Angesichts der Meldungen, die uns erreichen, wäre man versucht, in diese Conclusio einzustimmen.

Italien macht vor allem durch gesperrte Strände, aber auch saftige Strafen von sich reden. Hier ein unvollständiger Auszug: 300 Euro wegen wilden Übernachtens in einer Hängematte in Triest, fast 1000 Euro für Kaffeekochen bei der Rialtobrücke in Venedig, 550 Euro für den Sprung eines Wel­sers in den Canale Grande samt Verbannung aus der Stadt. Diese Strafen sind jedoch Kleinmist gegen das, was Männern blüht, wenn sie in Rom wild pinkeln: Bis zu 10.000 Euro kann der Harndrang kosten. Doch Bella Italia ist nicht das einzige Land, in dem es sich lohnt, die Gesetze zu kennen und einzuhalten. Wegen eines Parkvergehens in Griechenland wurden einer 76-jährigen Grazerin und ihrem Mann die Autokennzeichen abgenommen. Sie saßen am Urlaubsort fest.

Christine Zwölfer von der Rechtsabteilung des ÖAMTC Tirol sind so drastische Fälle nicht bekannt. Aufgrund von Strafzetteln aus dem Ausland wenden sich aber täglich Mitglieder an sie. Da viele Tiroler in die typischen Urlaubsländer Italien und Kroatien reisen, würden vermehrt Strafen aus diesen Ländern einlangen. Wenn Urlauber für ein Verkehrsdelikt zur Kasse gebeten werden, sind die Strafen meist gesalzen: „Telefonieren am Steuer wird in Italien etwa mit mindestens 165 Euro geahndet, in Kroatien werden ab 65 Euro eingehoben. Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 km

h sind in Italien mindestens 175 Euro fällig“, klärt die Juristin auf. Bei uns droht beim Telefonieren am Steuer vorerst nur ein Organmandat in Höhe von 50 Euro. Bei einer Geschwindigkeitsübertretung von 20 km/h kann in Österreich die Strafe 45 Euro betragen.

Zahlt man im Urlaub nicht gleich, wird es teurer: Aufgrund des EU-Vollstreckungsabkommens, das die Grundlage für den Vollzug einer in einem EU-Staat begangenen Verwaltungsübertretung im Inland bildet, können Strafen ab 70 Euro in Österreich vollstreckt werden. Liegen sie darunter, wird sie bei uns nicht eingehoben, bleibt aber im Ausland offen und könnte bei einer Kontrolle mit Spesen und Zinsen vor Ort eingefordert werden.

„Seit einigen Jahren haben wir vermehrt mit Parkstrafen aus Kroatien zu tun. Es werden Forderungsschreiben von Rechtsanwälten verschickt in der Höhe von bis zu 500 Euro“, so Zwölfer.

Teilweise betreffen diese Forderungen Parkvorgänge, die Jahre zurückliegen. Nach Juristenmeinung handelt es sich um zivilrechtliche Forderungen, da kroatische Städte die Parkraumbewirtschaftung an Private ausgelagert haben. „Rechtlich gibt es wohl Wege, eine solche Forderung durch europäischen Zahlungsbefehl oder Klage geltend zu machen“, sagt Zwölfer.

Eine sichere Auskunft werde man erst geben können, wenn Verfahren durch alle Instanzen abgeschlossen sind. Sie rät, Strafen, die zuhause zugestellt werden, nicht gleich zu bezahlen, sondern Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen. „Man sollte sich überlegen, ob die Tatzeit und der Tatort nachvollziehbar sind und ob es nicht noch einen Parkschein gibt oder ein Foto, wo dieser zu sehen ist.“ In manchen Fällen bestehe die Chance, dass das Verfahren eingestellt wird. Meist kann die Höhe der Strafe reduziert werden.

Andreas Kröll, Obmann der Tiroler Reisebüros, gibt an, dass seine Firma aus Italien schon horrende Rechnungen bekommen hat. „Da wird ein Busfahrer bestraft, weil er 80 km

h gefahren ist. Damit hält er sich aber an die Bestimmungen. Die Verwaltung geht her und stuft die Busse als Lastwagen ein, dann dürfen sie nur noch 70 km/h fahren.“ Das sei ein Nepp und ein großer bürokratischer Aufwand, das zu beeinspruchen, zumal in Italien die Strafen mit jedem Tag, der bis zur Bezahlung verstreicht, teurer würden.

Ihm sei nicht bekannt, dass sich Reisende aus einer seiner Gruppen je derart danebenbenommen hätten, dass sie gestraft worden wären.

Martin Müller ist Reiseleiter und Lehrer für die Ausbildung dieser Berufssparte am Wifi. Er erzählt viele Schmankerl (siehe rechts). Sein Fazit: Information über geltende Sitten ist besser, als tief in die Tasche greifen zu müssen. Das rigorose Vorgehen gegen Urlauber sorgt mitunter für Naserümpfen, doch die Österreicher, besonders die Tiroler, werden sich ihren italienischen Meerzugang dadurch kaum vermiesen lassen. Es gilt die Devise: Italia, un amore per sempre!

5 Fragen an Reiseleiter Martin Müller

Jedes Land pflegt andere Sitten. Reiseleiter Martin Müller erzählt, dass die Griechen ihre Steine hüten und es in Japan eigene Schuhe fürs Klo gibt.

Was sind die skurrilsten Verordnungen?

In Großbritannien ist es verboten, eine Briefmarke mit einem Konterfei der Queen verkehrt herum aufzukleben. In Griechenland ist es verboten, Steine mitzunehmen. Das gilt auch für Kieselsteine.In Italien darf man von Stränden keinen Sand mitnehmen, besonders streng wird das in Naturschutzgebieten wie Sardinien geahndet, mit Strafen bis zu 3000 Euro. Bekannt ist auch das Verbot in Singapur, Kaugummi zu kauen und sogar einzuführen.

Mussten Sie einmal die Botschaft einschalten?

Nur einmal bei einer Kreuzfahrt in Italien. Die 18-jährige Tochter einer mehrköpfigen Familie hatte nur ihren Führerschein dabei. Der Kapitän hat die Tochter nicht an Bord gelassen, ich musste über die Botschaft in Mailand den Notpass organisieren.

In Italien hagelt es Strafen, ist das überzogen, oder mangelt es an Benehmen?

Bei unseren Reisen zeigt ein Großteil der Touristen gutes Benehmen. In größeren Gruppen, und das betrifft nicht nur Jugendliche, verlieren manche wegen des Alkohols schneller die Kontrolle und schlagen über die Stränge.

Wie stimmen Sie die Reisenden auf die Länder ein?

Die Besonderheiten beschreibe ich gern, die Gäste hören genau zu. In Italien kann man beim Mittagessen nur eine Rechnung für alle bekommen. In den USA erntet man entsetzte Blicke, wenn man mit der Bierflasche in der Hand herumwandert. In den Vereinten Arabischen Emiraten und dem Oman ist es unhöflich, sich mit zu kurzer Kleidung zu zeigen. Beim Besuch einer Moschee müssen Frauen ein Kopftuch tragen. In Japan muss man sich nicht nur so tief wie der Gastgeber verbeugen und Hausschuhe tragen. Es gibt für den Besuch der Toilette eigene Schuhe. Wer in China beim Essen nicht schmatzt, dem schmeckt es nicht. Man darf auf den Boden spucken, das Schlucken von Schleim gilt als ungesund.

Vor welchen Eigenarten der Tiroler würden Sie Reisende warnen?

Die Tiroler sind an Touristen gewöhnt. Sie sind ausnehmend höflich. Für manche Gäste mag es irritierend wirken, dass jeder „geduzt“ wird. Man sollte Tiroler nicht fragen: „Sind Sie Deutscher?“. Da reagieren viele sensibel. Auch „Tschüss“ wird nicht gern gehört.

Das Interview führte Alexandra Plank