Letztes Update am Fr, 09.08.2019 14:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

Eine Stadt, die sich jeden Tag selbst feiert: Dublin

Sie ist im Vergleich mit anderen nur eine kleine Hauptstadt. Doch wer Lebenslust gepaart mit Tradition und Geschichte erleben will, muss sie besuchen. Nicht umsonst sind die Iren stolz auf ihr Dublin.

Temple Bar - das Kult-Pub, das man in Dublin besucht haben muss.

© iStockTemple Bar - das Kult-Pub, das man in Dublin besucht haben muss.



Von Wolfgang Otter

Eine besondere Lampe aus leeren Whiskyflaschen findet man im Jameson.
Eine besondere Lampe aus leeren Whiskyflaschen findet man im Jameson.
- Otter

Die Stimmung ist bedrückt. Die unverzichtbaren Wolken am Himmel passen zu den Worten des Museumsführers, der in eindrucksvollen Worten die Geschehnisse schildert, die sich in den historischen Mauern um uns herum abgespielt haben. Eine irische Fahne erinnert an jenen Ort, an dem die Rädelsführer des Osteraufstands 1916 hingerichtet wurden. Einer, der im Sterben lag, wurde sogar aus dem Lazarett noch hierhergeschleppt, um standrechtlich hingerichtet zu werden. Er schaffte es nicht mehr bis zur eigentlichen Hinrichtungsstätte und wurde an anderer Stelle erschossen, daher sind am Platz zwei Fahnen zu finden. Die Briten waren nicht zimperlich, wenn es um die Iren ging. Der beste Beweis dafür ist Kilmainham Gaol, das einstige Gefängnis von Dublin, das heute als Museum dient.

Der Stolz einer Nation

Wer Irland und Dublin besucht und verstehen will, sollte seine Reise hier beginnen. Denn in diesem Museum erfährt man mehr über die irische Seele als in jedem Reiseführer. Gleichzeitig ist der Marsch durch die Gänge ein Spaziergang durch die Geschichte der Stadt. Und man sollte die Aufforderung des Führers, „Sie sind die letzten heute, ich sperre hinter mir zu“, ernst nehmen. Auch wenn er ständig einen Blick auf seine Schützlinge hat. In diesem Irrgarten aus Gängen und Zellen kann man sich leicht verlaufen.

Dublin ist die Stadt der Pubs.
Dublin ist die Stadt der Pubs.
- Otter

Wenn sich hinter einem die stählernen Hoftüren schließen und man wieder vor dem Gefängnis steht (unbedingt vorab im Internet einen Führungstermin buchen), macht man am besten das, was man in Dublin so besonders gerne macht und tausendfach machen kann: ein Pint-Giunness-Bier trinken. Unwillkürlich denkt man an Leopold Bloom, Held in Jameys Joyces „Ulysses“: Es sei schwierig, durch Dublin zu gehen, ohne an einem Pub verbeizukommen, meinte er. Und tatsächlich, mehr als 1000 Gelegenheit stehen zur Auswahl.

Von Temple Bar, dem weltberühmten Zentrum, bis hin zum Einheimischenlokal außerhalb des Stadtkerns. Dort kommt man auch rasch mit den Dublinern ins Plaudern. Denn mögen die Busfahrer manchmal genervt und unflexibel sein, die Iren sind ein lustiges Völkchen, das offen, aber auch sehr stolz ist.

Die Samuel Beckett Bridge.
Die Samuel Beckett Bridge.
- Otter

Temple Bar steht auch anschaulich für die Entwicklung der Stadt. Noch vor rund 50 Jahren sollte das ganze Viertel der Abrissbirne zum Opfer fallen. Die verfallenen Gebäude hätten einem Busparkplatz weichen sollen, was von den zwischenzeitlichen Bewohnern, Malern, Musikern und Barbetreibern, erfolgreich verhindert wurde. Kaum auszudenken, was wäre, wenn sich damals die Dubliner nicht gewehrt hätten.

Heute ist das Viertel fein herausgeputzt. Die nicht enden wollenden Touristenströme danken ihnen ihren Einsatz.

Stolz sind die Dubliner aber nicht nur auf das allgegenwärtige Guinness, sondern auch auf ihren Whisky. Destillerien wie Jameson öffnen dazu ihre Türen, um den Besuchern das ganz Besondere an ihrem Gebräu zu präsentieren.

Der irische Whisky ist wirklich etwas Besonderes. Er wird gleich dreimal gebrannt. Wer einen Besuch in einer solchen Destilery am Vormittag plant, sollte gut gefrühstückt haben, der Hauptteil (zumindest bei Jameson) besteht aus (wer will) einer Verkostung des Hochprozentigen. Den dreifach gebrannten Whisky stellt man dem aus den USA gegenüber. Man sollte nicht den Fehler machen, nicht ins Schwärmen zu kommen. Auch das Guinness Storehouse, wo man alles um das Nationalgebräu erfährt, empfiehlt sich.

Auf und ab

Alkohol ist in Dublin allgegenwärtig. Hier werden Feste gefeiert, wie sie fallen und wo gerade Platz ist. Musik klingt da über den Straßen bereits am Nachmittag.

Ein Klischee? Oftmals, denn häufig findet man keinen einzige Iren unter den Feiernden. Die Urlauber versuchen sich in irischer Ausgelassenheit. Aber Feiern gehört sicherlich zum Lebenselixier der Bewohner. Die Stadt erlebte viele Aufs und Abs. Wirtschaftlich haben Irland und auch Dublin harte Zeiten hinter sich.

Kilmainham Gaol, das ehemalige Gefängnis.
Kilmainham Gaol, das ehemalige Gefängnis.
- Otter

In den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wanderten an die 400.000 der damaligen rund drei Millionen Bewohner des erst seit 1921 bestehenden irischen Freistaates aus. Vor knapp zehn Jahren musste das Land unter den Rettungsschirm der EU. Mittlerweile geht es wieder bergauf. Bestes Zeichen dafür sind die Neubauten in den Docklands, wo sich immer mehr große Firmen ansiedeln.

Natürlich ist Dublin mehr als nur Streifzüge durch Lokale. Die Stadt quillt geradezu über vor lauter Geschichte und Historie. Dazu zählt die Trinity College & Trinity Library mit dem berühmten Book of Kells. Das College wurde 1592 von Elisabeth I. gegründet, um der Abwanderung von protestantischem Nachwuchs entgegenzuwirken. Von den ursprünglichen Gebäuden ist heute keines mehr zu sehen, trotzdem lohnt sich ein Rundgang allemal.

Zu den bekanntesten Bauwerken des Colleges zählt im großen Innenhof das „Parliament Square“ mit dem „Campanile“, einem 1853 errichteten Glockenturm mit 30 Metern Höhe. Das Gebäude ist in fast jedem Dublin-Reiseführer abgebildet. Was sofort auffällt, sind lange Schlangen vor einem anderen Gebäude: der berühmten „Old Library“. 200.000 Bücher finden sich darin, zu sehen bekommt man aber nur die Buchrücken in den Regalen. Größter Schatz ist das in einem Sonderraum ausgestellte „Book of Kells“. Eine aufwändig illuminierte Handschrift aus dem achten Jahrhundert mit den vier Evangelien des Neuen Testaments. Zu sehen gibt es ganze zwei Seiten durch eine Glasscheibe und das nur nach viel Geduld. Trotzdem fasziniert nicht nur die künstlerische Leistung, sondern auch das Alter: Ein 1200 Jahre altes Zeugnis des Glaubens breitet sich vor einem aus.

Der Glockenturm im Gelände des Trinity College.
Der Glockenturm im Gelände des Trinity College.
- Otter

Wettstreit der Kathedralen

Glauben spielt auch eine große Rolle bei den Iren. Die Christ Church Cathedral und die St. Patrick’s Cathedral sind Zeugen dieses Religionsbewusstseins und konkurrieren miteinander. Aber besonders die St. Patricks Cathedral muss man gesehen haben. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt. Errichtet wurde sie um 1200, anstelle einer kleine Kapelle aus Holz. Im Inneren findet man das Grabmal der Familie Boyle. Es reicht über vier Stockwerke. Auch der Schriftsteller Jonathan Swift, der „Gullivers Reisen“ schrieb, hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden. An dieser Stelle soll im 4. Jahrhundert der Heilige Patrick Christen getauft haben.

Womit wir wieder beim Feiern sind: Wer es einrichten kann, sollte zum St. Patrick’s Day nach Dublin reisen, um ein ganz besonders Volksfest mitzuerleben.

Blick auf das Museumsschiff, das zeigt, wie die Menschen im 19. Jahrhundert nach Nordamerika reisten.
Blick auf das Museumsschiff, das zeigt, wie die Menschen im 19. Jahrhundert nach Nordamerika reisten.
- Otter

Gut zu wissen

Irland hat an die 4,7 Millionen Einwohner, in Dublin leben 550.000 davon. Zweitgrößte Stadt ist Cork mit 125.600 Bewohnern. Es gibt zwei Amtssprachen: Englisch und Irisch bzw. Irisch-Gälisch. Letztere wird aber nur von einer Minderheit gesprochen. Durchsagen in Bussen etc. erfolgen in beiden Sprachen.

Die meisten Besucher reisen mit dem Flugzeug an. Dublin Airport liegt 13 Kilometer außerhalb der Stadt. In das Zenturm fahren mehrere Busfirmen. Wer seinen ökologischen Fußabdruck klein halten will, kann auch per Zug und Fähre anreisen. Von Tirol aus dauert die Fahrt via Eurotunnel und London rund 16 bis 17 Stunden.

Unterkünfte gibt es für jede Preisklasse. Der Anstieg der Touristenzahlen hat die Preise für Hotelzimmer in die Höhe getrieben. Ohne Reservierung kann es in der Hochsaison schwierig werden, ein Zimmer zu bekommen. Infos unter www.visitdublin.com

Man sollte auch die Möglichkeit nutzen, von Dublin aus als Tagesausflüge das jungsteinzeitliche Gräberfeld Brú na Bóinne sowie Glendalough, eine alte Klostersiedlung, zu besuchen.

Der Autor reiste auf eigene Kosten.