Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.08.2019


Tourentipp

Vordere Brandjochspitze: Luftiger Grat zum Gipfelsieg

Hoch über den Dächern Innsbrucks thront die aussichtsreiche Vordere Brandjochspitze (2559 Meter). Schwindelfrei und trittsicher muss man bei allen Aufstiegsvarianten sein.

Für den Aufstieg zur Höttinger Alm empfiehlt sich das Bike.

© flexFür den Aufstieg zur Höttinger Alm empfiehlt sich das Bike.



Innsbruck – Kaum woanders auf dieser Welt liegt die Grenze zwischen urbanem Lebensraum und rauer Bergwelt so nah beisammen wie in Innsbruck. Wer jemals und irgendwo von der Nordkette aus – wie ein Adler – die bunten Dächer der Landeshauptstadt erblicken durfte, der wird mir zu hundert Prozent Recht geben: Der Tief- bzw. Ausblick ist etwas ganz Besonderes – jedes Mal wieder und auf’s Neue.

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Ich möchte Ihnen dieses Mal den Blick über Innsbruck nicht vorenthalten. Und deshalb bin ich mit meinem heutigen Tourenvorschlag auch im Bereich der Nordkette unterwegs. Ziel ist die Vordere Brandjochspitze (2559 Meter). Nicht zu verwechseln mit dem Brandjochkreuz (2268 Meter) oder etwa der Hinteren Brandjochspitze (2599 Meter). Vorweggenommen: Selbst auf dem Normalweg, der über den Frau-Hitt-Sattel führt, ist der Aufstieg geübten Berggehern vorbehalten.

Luftig ist auch der Normalweg zur Vorderen Brandjochspitze,
Luftig ist auch der Normalweg zur Vorderen Brandjochspitze,
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Und so kommt man hin: Wie so oft, führen viele Wege zum Ziel. Ich entschließe mich, meine Tour dieses Mal beim Planötzenhof (Gratis-Parkplatz) zu starten. Weil ich es für den Rückweg von der Höttinger Alm zum Ausgangspunkt aber etwas bequemer und knieschonender will, nehme ich mein Mountainbike mit. Bike and Hike also.

Vom Planötzenhof bringt mich die Route mit dem Rad über das Höttinger Bild und die Umbrüggler Alm hinauf zum Rastelboden und von dort, entlang dem Waldweg, bis zu Bernhard Schlechter, dem Wirt der Höttinger Alm. Die ersten 700 Höhenmeter wären schon mal geschafft. „Guten Morgen, wohin heute?“, fragt der Hüttenwirt. „Vorderes Brandjoch“, gebe ich dem langjährigen Gastgeber der Alm mein Ziel bekannt und parke den Drahtesel bei der Alm.

Raus aus den Radschuhen und hinein in die Bergschuhe, die ich im Rucksack mit nach oben geschleppt habe. Nun geht es per pedes weiter. Etwa 1100 Höhenmeter sind es noch von der Alm bis zum Gipfelkreuz des Brandjoches.

Von der Höttinger Alm geht’s zu Fuß weiter hinauf zum Frau-Hitt-Sattel.
Von der Höttinger Alm geht’s zu Fuß weiter hinauf zum Frau-Hitt-Sattel.
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Direkt hinter der Alm, vorbei an der Kapelle, bringt mich der stetig steiler werdende Steig weiter. Vorerst noch über eher sanft verlaufende Almenflächen wird der Zustieg zunehmend steiniger und schroffer.

Der Weg hinauf in Richtung Frau-Hitt-Sattel bzw. zum Brandjoch (rote und schwarze Markierungen) ist gut beschildert und eigentlich kann man sich nicht verlaufen.

Geschafft! Der Gipfelsieg auf 2559 Metern
Geschafft! Der Gipfelsieg auf 2559 Metern
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Je höher ich komme, umso steiler wird’s. Und bereits während des Aufstieges zum Frau-Hitt-Sattel sind einige leicht ausgesetzte Stellen zu überwinden. Trittsicher und schwindelfrei sollte man also unbedingt sein.

Das nächste Hinweisschild. Kurz unterhalb des Sattels biege ich nach links ab und folge dem Weg weiter hinauf bis auf einen felsdurchsetzten Grasrücken. Von hier aus ist der weitere Anstieg zum Ziel gut einsehbar. 200 Höhenmeter fehlen noch bis zum Gipfelsieg. Zu Beginn noch eher einfach, wird es nun richtig felsig. Über Felspassagen mit leichten Kletterstellen, die durchwegs seilversichert (Klettersteig A/B) sind, erreiche ich auf doch ziemlich ausgesetztem Terrain und teilweise schmalen Graten das überraschend geräumige Gipfelplateau mit Gipfelkreuz der Vorderen Brandjochspitze.

Wer sich nicht ganz sicher fühlt, dem ist im finalen Anstieg zum Gipfel ein Klettersteigset zu empfehlen.

Leider ist inzwischen Nebel eingekehrt und somit bleibt mir der Aus- bzw. Tiefblick „noch“ verwehrt. Schade!

Aber dies soll sich ändern. Ein kurzes Zeitfenster wird mir doch noch gegönnt, und ich darf den unglaublichen Blick auf die Landeshauptstadt genießen. Aber nicht lange. Zwei, drei Minuten vielleicht, wenn überhaupt, bevor der Nebel wieder Einzug hält.

Eine wirkliche Wetterbesserung ist nicht mehr in Sicht. Im Gegenteil. Es soll eher gewittrig werden. Und Blitz und Donner dort oben möchte ich ganz ehrlich nicht miterleben.

Also sage ich dem Vorderen Brandjoch „Adieu“ und steige entlang der Aufstiegsroute zurück zum Frau-Hitt-Sattel. Von dort zurück bis zur Höttinger Alm, wo ich natürlich bei Bernhard und seinem Team einkehre, bevor ich bequem wieder auf das Rad umsattle und zurück zum Ausgangspunkt der Tour, zum Planötzenhof, fahre.

Wer sich für den Aufstieg/die Auffahrt vom Planötzenhof entscheidet, der sollte doch Kondition für rund 1800 Höhenmeter mitbringen.

Alternativ und um Höhenmeter zu sparen, ist auch folgende Variante möglich:

Man startet die Tour bei der Hungerburg (Parkplatz gebührenpflichtig) und fährt mit der Bahn bis hinauf zur Seegrube. Dort folgt man ebenfalls den gelben Hinweisschildern entlang dem Nordkettenmassiv in Richtung Westen, in Richtung Frau-Hitt-Sattel/Solsteinhaus.

Vorsicht! Der „Schmidhubersteig“ führt teilweise über sehr abschüssiges und felsdurchsetztes Gelände. Vom Frau-Hitt-Sattel ist der Aufstieg zum Vorderen Brandjoch ident. Bei dieser Variante spart man gut 1000 Höhenmeter.

Und noch einen weiteren Zustieg zum Vorderen Brandjoch gibt es. Doch dieser ist mit Abstand der schwierigste und wohl eher nur Kletterfreaks zum empfehlen.

Und zwar der Südgrad: Dieser Weg führt über das Brandjochkreuz (2268 Meter) zur Vorderen Brandjochspitze. Man folgt dem Weg von der Höttinger Alm hinüber zum Achselkopf und steigt hinauf zum Brandjochkreuz.

Von dort geht es in herrlicher Genusskletterei (max. Schwierigkeitsgrad 3) und sehr, sehr luftig zum Gipfelkreuz auf 2559 Meter. Abstieg über den Normalweg.

Fazit: Hoch über den Dächern Innsbrucks garantiert die Vordere Brandjochspitze einen atemberaubenden Tiefblick auf die Landeshauptstadt Innsbruck. Egal für welche Aufstiegsvariante man sich entscheidet, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind für diesen Gipfelsieg aber unbedingt notwendig. (flex)

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