Letztes Update am Di, 22.10.2019 20:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Top-Reiseziele

„Ritterschlag“ für Salzburg: Laut „Lonely Planet“ beste Stadt

Dieses Jahr lagen bei den Städten Kopenhagen, Shenzhen und Novi Sad vorne, für das nächste Jahr empfiehlt „Lonely Planet“ als bestes städtisches Reiseziel Salzburg. Der Hauptgrund dafür liegt in der Kultur.

"Der Herzensbrecher einer Alpenstadt" Salzburg ist laut "Lonely Planet" 2020 unbedingt eine Reise wert.

© pixabay"Der Herzensbrecher einer Alpenstadt" Salzburg ist laut "Lonely Planet" 2020 unbedingt eine Reise wert.



London, Salzburg — Die Stadt Salzburg ist am Dienstag in den touristischen Adelsstand erhoben worden: Der Reiseverlag "Lonely Planet" hat sie als "beste Stadt zum Bereisen" 2020 gekürt. Besonders hervorgehoben wird darin das 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele. Mit einem weiteren Anstieg der Gäste ist zu rechnen. Und das in einer Zeit, in der die Stimmung in Teilen der Bevölkerung bereits zu kippen droht.

„Trommelwirbel, bitte", heißt es auf der Homepage des Verlages. "Die Salzburger Festspiele werden 100 und der Herzensbrecher einer Alpenstadt preist das Jubiläum in höchsten Tönen." Seit 15 Jahren kürt "Lonely Planet" jährlich zehn Top-Städte, -Länder und -Regionen, das Ranking wird von fünf Experten unabhängig und ohne jegliche wirtschaftliche Beeinflussung erstellt, erläuterte am Dienstag Becky Henderson, Europa-Managerin der Verlages, bei einem Mediengespräch. Hinter Salzburg wurden für 2020 die Städte Washington DC, Kairo und Galway (Irland) gelistet. In der Länderkategorie liegt Buthan voran, als Top-Region wurde die Seidenstraße in Zentralasien angegeben. Österreich kommt im Ranking 2020 sonst nicht vor.

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Ausschlaggebend bei der Kür sind laut Henderson die Themen der Stadt, das unvergleichliche Erlebnis und der "Wow-Effekt". Und hier habe Salzburg neben den Festspielen mit der barocken Altstadt als UNESCO-Weltkulturerbe, der Hochkultur von Ausstellungen bis Konzerten, der mittelalterlichen Festung und dem Bergpanorama wahnsinnig viel zu bieten.

Eine Aufzählung, die Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner heute als Steilvorlage diente: "In Zeiten, in denen wir über Massentourismus reden, ist das ein klarer Kontrapunkt. Es geht um den Qualitätstourismus, weil sich diese Sachen nicht in zwei Stunden erleben lassen. Es zielt auf eine Verlängerung der Aufenthaltsdauer ab." Dass der heutige "Ritterschlag" mehr Gäste nach Salzburg spülen wird, ist laut Henderson aus der Erfahrung früherer Sieger-Städte zu erwarten, allein schon deswegen, weil die Nennungen meist mit Ereignissen zusammenfallen, wie in Salzburg mit dem Festspiel-Geburtstag. Und dass die Touristenmassen längst nicht mehr von allen Einheimischen als Segen empfunden werden, ist auch Preuner und Bert Brugger, Chef der Tourismus Salzburg GmbH (TSG), klar. Die heutige Auszeichnung ziele aber eindeutig auf den Nächtigungstourismus ab, und der sei nicht das Problem, so Brugger.

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Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP), Becky Henderson (Lonely Planet), Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Bert Brugger (GF Tourismus Salzburg GmbH) freuen sich über die Auszeichnung.
Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP), Becky Henderson (Lonely Planet), Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Bert Brugger (GF Tourismus Salzburg GmbH) freuen sich über die Auszeichnung.
- APA/Gindl

Dieses ortet er vor allem bei jenen 60 Prozent der Bustouristen, die nicht in Salzburg übernachten, und bei den vielen Sommerurlaubern im Umland, die die Stadt als Schlechtwetterprogramm nutzen. Bei den Reisebussen hat Salzburg bereits mit einem Reservierungssystem mit fixen Slots reagiert, und für die Sommermonate wurde ein Bus-Shuttle vom Parkplatz bei Messezentrum eingerichtet. "Im Hochsommer und im Advent stoßen wir an die Belastungsgrenzen", räumte Brugger ein.

Daher sei man gerade auf der Suche nach einem Kompetenzpartner, mit dem Modelle entwickelt werden sollen, wie die Massen besser gelenkt werden können, welche "Interventionen" ergriffen werden sollten. Dazu sei auch die Auswertung vieler Daten, etwa von Bewegungsprofilen, Verkehrsströmen etc., erforderlich. Ergebnisse stellte Brugger für die kommenden ein bis drei Jahre in Aussicht. Zudem führe die TSG gemeinsam mit Salzburg Research gerade eine Umfrage durch, bei der alle Einheimischen eingeladen werden, Ideen für ein besseres Miteinander zu entwickeln.

Eines kommt für Preuner jedenfalls nicht infrage: eine Zutrittsbeschränkung, wie sie zurzeit beispielsweise in Venedig diskutiert wird. "Das kann für Salzburg nicht der Weg sein, wir wollen eine offene, eine weltoffene Stadt bleiben."

Einstige deutsche Hauptstadt auf Platz fünf

Die zweite Stadt aus dem deutschsprachigen Raum in den Top Ten, Bonn, liegt auf Platz fünf. Als Hauptgrund, warum Bonn ausgerechnet 2020 besucht werden sollte, wird der wohl größte Sohn der Stadt genannt: Ludwig van Beethoven. „Die einstige Hauptstadt der Bundesrepublik verschwand vom Radar, als Berlin 1990 zur Kapitale des wiedervereinigten Deutschlands wurde. Aber 2020, zu Beethovens 250. Geburtstag, kehrt Bonn ins Rampenlicht zurück."

Bonn habe oft zu Unrecht im Schatten aufregenderer Städte gestanden. „Wer durch die mittelalterliche Altstadt zum spitztürmigen Bonner Münster und dem stattlichen Hofgarten schlendert, bekommt eine leise Ahnung von der romantischen Atmosphäre, die Beethoven beflügelte." Der majestätische Rhein fließe sanft durch die Stadt wie Beethovens Neunte. „Bonn mag nicht so hip wie Berlin sein, aber im ehemaligen Arbeiterviertel der Nordstadt zeigt es sich von seiner alternativen Seite." In der Kategorie „Nicht verpassen" werden ein Besuch des Beethoven-Hauses nahegelegt sowie das Haus der Geschichte, das sehr gut die bundesrepublikanische Nachkriegsgeschichte vermittle.

Die ehemalige Hauptstadt Deutschlands, Bonn, ist ebenfalls unter den Top Ten der besten Städte.
Die ehemalige Hauptstadt Deutschlands, Bonn, ist ebenfalls unter den Top Ten der besten Städte.
- pixabay

Neues Kapitel „Reisen mit gutem Gewissen"

„Best in Travel" gehört jedes Jahr zu einer Vielzahl redaktioneller Listen, die angeblich angesagte Reiseziele küren. Bekannt ist auch die Liste „52 Places to Go..." der New York Times.

„Lonely Planets Best in Travel 2020" ist die 15. Ausgabe des Reisebuchs. Angesichts der Klimadebatte hat „Best in Travel" diesmal auch ein Kapitel „Reisen mit gutem Gewissen" und fragt darin beispielsweise „Sollten wir alle weniger fliegen?". Tipps lauten dann zum Beispiel, Direktflüge statt treibstoffverbrauchende Zwischenlandungen zu buchen oder leichteres Gepäck mitzunehmen, um CO2 zu sparen. So schnell wie Salzburg mit dem Zug erreichbar ist, kann man dorthin mit bestem Gewissen reisen. (dpa/APA)