Letztes Update am Sa, 18.02.2012 08:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

Radeln für die Wissenschaft

15 Länder wird Wolfgang Burtscher auf seiner 365 Tage dauernden Reise mit dem Fahrrad durchqueren. Mitbringen wird er Bodenproben und einen Reisebericht der anderen Art.

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Von Edith Schlocker

Innsbruck – Neun der 365 Tage, die der Innsbrucker Abenteurer Wolfgang Burtscher mehr oder weniger auf dem Fahrrad verbringen will, sind abgeradelt. Nach zwei gemütlichen Tagen in Florenz, wo der 51-Jährige alte Freunde getroffen, sein schmerzendes Hinterteil gepflegt und dem Corriere della Sera ein Interview gegeben hat, geht es heute weiter Richtung Brindisi. In Florenz hat Burtscher aber auch schon seine ersten „Trip Marks“ und Bodenproben an Paolo Nannipieri, den „Vater“ der Boden-Mikrobiologie an der Florentiner Universität, abgeliefert.

Denn Wolfgang Burtschers einjährige Reise durch 15 Länder ist eine der ganz besonderen Art. Jeden Tag wird er in winzige Plastikhütchen Bodenproben füllen, deren pH-Wert bestimmen, die Temperatur, das Wetter und GPS-Daten des jeweiligen Ortes dokumentieren. Und regelmäßig an das von Heribert Insam geleitete Institut für Mikrobilogie der Uni Innsbruck schicken. Wo die junge Biologin Johanna Mayerhofer bereits sehnlich darauf wartet, aus diesem Stoff ihre Masterarbeit zu stricken.

Die 23-Jährige, die selbst eine begeisterte Mountainbikerin ist und auf diese Weise im vergangenen Jahr drei Monate Südamerika erfahren hat, wird die Bodenproben mit mikro- bzw. molekularbiologischen Methoden untersuchen, um herauszufinden, inwiefern sich die Mikroorganismen weltweit unterscheiden bzw. gleichen. Erste Ergebnisse wer- den bereits im April erwartet. Auf die verwunderte Frage, ob dieses Thema nicht längst wissenschaftlich untersucht ist, sagt Mayerhofer, sie betrete hier absolutes Neuland. Denn untersucht werde leider nur das, was Nutzen generiere.

Bei ungemütlichen minus 13 Grad ist Wolfgang Burtscher am Mittwoch der vergangenen Wochen zu seiner langen Reise von der Innsbrucker Pechestraße aus gestartet. Seine Wohnung hat er für dieses Jahr vermietet, seine Werkstatt – Burtscher baut normalerweise wunderbare Stahlmöbel – seinem Partner überlassen.

Sein Fahrrad hat er selbst zusammengebaut. Es wiegt 17, das Gepäck 40 Kilo. Enthält von der Zahnspange über Schlafsack und Zelt, Anglerzeug, Radschläuchen bis zu Vitamintabletten, einem Weltempfänger und Landkarten so ziemlich alles, was man zum Überleben braucht.

Für Burtscher ist der Weg das Ziel, das Radfahren die schönste Art des Reisens. Hat es für ihn doch exakt das richtige Tempo, um Land und Leute kennen zu lernen.

Rund ein Jahr hat sich Wolfgang Burtscher auf seine Reise vorbereitet. Die Route geht über Italien nach Albanien, Mazedonien, Griechenland, die Türkei, den Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan, China, Pakistan, Indien, Nepal, Myanmar, Laos und Kambodscha nach Thailand. Rund 20.000 Kilometer wird Burtscher dabei zurücklegen und ca. 200.000 Höhenmeter überwinden, Temperaturen zwischen minus 15 und 40 Grad plus aushalten müssen.

Logistisch am schwierigsten bei der Reiseplanung war das Organisieren der Visa. Das gilt etwa für Turkmenistan nur fünf Tage, in denen 500 heiße Wüstenkilometer zu durchradeln sind. Doch optimistisch, wie Burtscher von Natur aus ist, glaubt er fest daran, dass alles wie geplant klappen und das Radl nicht geklaut wird. Denn das wäre für ihn so ziemlich der einzige Grund, seine Reise abzubrechen.

Dokumentieren wird diese 365 Tage ein Reisebericht der ganz speziellen – weil kunstvollen – Art. Wird Wolfgang Burtscher doch täglich auf einem Blatt Papier im Format von 21 mal 21 Zentimetern einen Abdruck seines Vorderreifens hinterlassen. Diese 365 Trip Marks sollen im Anschluss an die Reise in einer Ausstellung in Innsbruck präsentiert werden.




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