Letztes Update am Sa, 02.06.2012 17:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


244 Meter in die Tiefe

Apnoe-Taucher Nitsch peilt neuen Rekord an

Der Österreicher Herbert Nitsch ist auf Rekordjagd. Der Apnoe-Taucher will vor der griechischen Insel Santorin 244 Meter in die Tiefe.

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Santorin, Wien– Einmal tief Luft holen: Herbert Nitsch, der im Apnoe- oder Freitauchen 31 Weltrekorde aufgestellt hat, peilt eine neue Marke an: 244 Meter tief will der 42-jährige Wiener in der kommenden Woche vor der griechischen Insel Santorin tauchen - von einem Schlitten an einem Seil in die Tiefe gezogen, mit einer Geschwindigkeit von zunächst 2,2 Metern und dann unter zwei Metern pro Sekunde. Beim Aufstieg ist das Tempo etwas höher. Viereinhalb Minuten soll der Tauchgang dauern - inklusive einer Minute Pause in zehn Metern Tiefe beim Auftauchen, damit die Lunge sich wieder entfaltet.

Die Lunge wird in der extremen Tiefe - pro zehn Metern nimmt der Druck um ein Bar zu - ungefähr auf die Größe einer Orange zusammengedrückt. Der Herzschlag ist verlangsamt. Daneben geht es um Stickstoffsättigung, Tiefenrausch und Druckausgleich. Wie es in 244 Metern unter der Wasseroberfläche sein wird, weiß der Wiener noch nicht. Die bisherige Weltbestmarke liegt bei 214 Metern - aufgestellt 2007 von Nitsch, dem „deepest man on earth“.

Wie langsam das Herz in 244 Metern Tiefe schlägt, weiß niemand. „Ich habe jetzt aber einen Tiefenmesser, der auch den Puls misst“, meinte Nitsch, „ich werde es also herausfinden“. Unvermeidbar ist der Tiefenrausch: „Er lässt sich durch Konzentration hinauszögern, aber nicht verhindern“, sagte der Weltrekordhalter. Lernen muss man, damit umzugehen, und sich vorbereiten. „Die Denkfähigkeit ist sehr stark eingeschränkt. Deshalb muss man alle Eventualitäten vorher durchdenken und nach einfachen Lösungen suchen.“

Mit auf seinen Tauchgang nimmt Nitsch auch eine - regelkonforme, wie er betont - volle Wasserflasche: In 15 bis 20 Metern Tiefe legt er eine kurze Pause ein und pumpt Luft aus seiner Lunge durch einen Schlauch in das Drei-Liter-Gefäß mit Löchern im Boden, um sie dann Schluck für Schluck in den Mund zu saugen. „Ich lagere meine Luft sozusagen aus“, scherzte der 42-Jährige.

„Ich bin jetzt mit meinem Team schon ein paar Wochen in Santorin. Im Training bin ich aber nie tiefer als 200 Meter gegangen. Das ist auch nicht notwendig und würde ein unnötiges Risiko darstellen“, sagte Nitsch im Gespräch mit der APA. Im Zentrum der Vorbereitung stehen vielmehr die Abstimmung von Geschwindigkeit und die Sicherheit. „Da werden das Equipment und ich getestet“, meinte der 42-Jährige. Der Weltrekordversuch soll am 6. Juni stattfinden, „einige Backup-Tage haben wir eingeplant für den Fall, dass das Wetter nicht passt oder es technische Probleme gibt“, erläuterte der Taucher. (APA)




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