Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.09.2017


Web und Tech

Wissen im Netz über Daheim: Wikipedia mehr Tirol beibringen

Wikipedia ist für Informationen heute oft die erste Adresse. Ein Mitmach-Projekt soll nun die Wissenslücken der Online-Enzyklopädie über Tiroler Gemeinden schließen.

© Foto FittiDie Kapelle Hinterbichl in Wängle wurde zwar fotografisch festgehalten, mehr ist über sie auf Wikipedia aber derzeit (noch) nicht zu erfahren.



Von Philipp Schwartze

Innsbruck – Mehr als zwei Millionen Artikel über alle möglichen Dinge sind allein in der deutschsprachigen Enzyklopädie Wikipedia im Internet lesbar. Doch begibt man sich im Online-Nachschlagwerk auf die Fährte von Österreichs Gemeinden, ist das Ergebnis oft unbefriedigend: Mehr als deren Lage und einige mehr oder weniger interessante Gemeinde-Infos sind häufig nicht vorhanden. Es fehlen Bilder, etwa von Sehenswürdigkeiten, sowie Wissenswertes zur Geschichte der Gemeinden. In Tirol seien die Grundinformationen, auch durch den Tourismus, zwar oft professionell vorhanden. Doch fernab der touristischen Blickwinkel fehlt noch viel.

Simon Legner hat ein Foto zu Oberhofen hinzugefügt, der Wikipedia-Artikel zur Gemeinde fällt aber äußerst kurz aus.
- simon04

„Der Großteil des Inntals ist relativ gut abgedeckt. Aber im oberen Inntal und im Außerfern gibt es noch große Lücken“, liefert Philipp Kopetzky vom Verein Wikimedia Österreich Beispiele. Im touristischen Tirol seien die Grundinfos zwar sehr professionell vorhanden, doch viel mehr als das gibt es häufig nicht, die Gemeinde-Artikel sind kurz und lückenhaft.

Mit dem Projekt „WikiDaheim“ will Kopetzky das jetzt ändern. Noch bis zum 7. Oktober ruft er daher in einem Wettbewerb dazu auf, Fotos von und Wissen über Österreichs Gemeinden mit der Welt auf Wikipedia zu teilen. Danach werden die Beiträge ausgewertet und die zehn besten Fotos erhalten einen Preis – so fährt der Sieger etwa zur Wikimania 2018 nach Südafrika, dem größten Internationalen Wikipedia-Treffen. 97 Prozent der österreichischen Denkmäler hat er durch ein ähnliches Projekt bereits per Foto abdecken können.

„Ein Wikipedia-Artikel ist wie eine Postkarte und sollte interessante Sachen über die Gemeinde verraten“, sagt Kopetzky, der sich seit Jahren für die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, bei der jeder seinen Beitrag leisten kann, begeistert. „Besonders der Geschichtsabschnitt ist oft noch nicht sehr ausgeprägt.“

Bisher noch fehlende Bilder vom Hechtsee bei Kufstein...
- TheRunnerUp

Um die blinden Wikipedia-Gemeinde-Flecken möglichst effizient zu tilgen, können Interessierte auf https://www.wikidaheim.at/ ihre Gemeinde eingeben und schauen, welche Fotos und Informationen dazu noch fehlen. Nach einer Anmeldung bei wikimedia kann dann jeder etwas zum Wissen über Österreichs Gemeinden beitragen.

Auch Tiroler helfen dabei mit. Der Birgitzer Simon Legner hat Kopetzky beim Innsbrucker Wikipedia-Stammtisch ( https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Innsbruck ) kennen gelernt. Der 29-Jährige ist inzwischen seit einigen Jahren in der ehrenamtlichen Wikipedia-Community dabei, plant seine Ausflüge oft so, dass er möglichst viel Neues beitragen kann. „Das Spannende ist, es stellt auch eine Dokumentation des Alltags dar“, erklärt er. Außerdem könne man dann in zehn Jahren sehen, wie sich die Gemeinde entwickelt hat. „Alles, was den öffentlichen Raum zeigt, ist für die Wikipedia-Artikel interessant.“

... und von der Friedhofskapelle Kössen wurden von zwei Mitwirkenden des Projekts "WikiDaheim" inzwischen ergänzt.
- Braveheart

Häufig geäußerte Bedenken, dass jemand einer Nachbargemeinde mit einem schlechten Artikel eins auswischen könnte, hat Projektleiter Kopetzky nicht. „Es gibt keine Kontrolle, wer mitmacht. Nach einer Anmeldung auf wikimedia kann das jeder. Aber es schauen viele Leute drauf, es wird gegengelesen.“ Denn ein weiteres Ziel des Projekts ist es, mehr Menschen für die ehrenamtliche Tätigkeit in der Wikipedia-Community zu begeistern.

„Es geht auch nicht nur um die schönen Seiten – sondern um das Wissen und die Information.“ Denn: „Die Verbreitung von Wissen fängt oft vor der eigenen Haustür an“, lautet Kopetzkys Motto. Und genug Tiroler mit Kenntnissen der lokalen Gemeindeentwicklung oder aber ganzen Buchbänden über die Veränderungen im eigenen Ort dürfte es auch geben.

Informationen zu noch fehlenden Fotos und Beschreibungen sowie eine Anleitung zum Mitmachen finden Sie unter: https://www.wikidaheim.at