Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.11.2017


Zillertal

Gemeinde Aschau ist beim Internet auf der Überholspur

Seit 2014 investiert die Zillertalgemeinde Geld und Hirnschmalz in den Breitbandausbau. Glasfaser gibt es hier sogar auf 1200 Meter Höhe.

© DählingAuf 1200 Metern Seehöhe freut sich Gastwirt Stefan Dengg (r.), dass er in Sachen Internet nicht benachteiligt ist. Die Gemeinde mit Bürgermeister Egger hat über die bestehenden Kanalleitungen säureresistente Glasfaserkabel in die Berggebiete verlegt.



Von Angela Dähling

Aschau i. Z. – Im ganzen Zillertal ist in den Gemeinde­stuben der Breitbandausbau ein großes Thema. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei die Gemeinde Aschau ein.

„Mir war von Anfang an klar, dass das ein großes Zukunftsthema sein wird“, sagt Bürgermeister Andreas Egger. Ein Thema, bei dem man sich als Gemeindechef auskennen sollte, wenn man die bestmögliche Lösung für die Gemeinde und ihre Bürger will. Ein Breitbandausbau-Ausschuss wurde gegründet und vor dreieinhalb Jahren mit Erhebungen, Planungen und einer Konzepterstellung begonnen. Erste Leerrohre wurden im Zuge von Straßensanie­rungen für den LWL-Ausbau bereits mitverlegt.

So sehen die Glasfaserkabel aus, die in Aschau verlegt wurden. 63 Hausanschlüsse sind in Betrieb, 200 weitere in Vorbereitung.
- Dähling

„2015 stellten wir als eine der ersten Gemeinden ein Ansuchen für die Bundesförderung. Dabei stellte sich heraus, dass aufgrund des enormen verwaltungstechnischen Aufwands die Formulare vereinfacht werden mussten“, blickt Egger zurück. Ohne externe Expertenhilfe sei die Abwicklung der Förderungen nach wie vor nicht möglich. Doch dieser Aufwand lohne sich für die Gemeinde. „Es ging damals um die Frage, ob wir die Förderung kassieren und selbst alles abwickeln, oder ob A1 sie erhält und es macht“, erklärt Egger. „Wir fürchteten, dass im zweiten Fall die Erschließung von abgelegenen Ortsteilen auf der Strecke bleibt und es zudem zu einer Monopolstellung kommt“, sagt Egger. Zwei Gründe, weshalb die Gemeinde die Sache selbst in die Hand nahm. „Zumal die Preise durch mehrere Anbieter für den Nutzer am Ende billiger sein dürften“, meint Egger.

Bis Ende 2018 sollen alle 750 Aschauer Haushalte mit Breitband versorgt sein. „Das kostet uns 1,8 Mio. Euro, wovon 50 % der Bund und 25 % das Land übernimmt.“ Damit nicht genug, die Gemeinde verdient auch an der Bereitstellung ihrer Leitung. „UPS und TirolNet mieten sich bei uns ein, indem sie uns mit 30 % am Umsatz beteiligen“, erklärt Egger. Und A1? „Die wollten wiederum nicht von uns abhängig sein und baue­n selbst ein Glasfasernetz bis zu ihren Verstärkern aus. Also nicht direkt bis ins Haus“, erklärt Egger.

Stolz ist der Gemeindechef darauf, dass Aschau neben allen öffentlichen Gebäuden, dem Gewerbegebiet und allen Hotel- und Gastgewerbebetrieben nun als erste Gemeind­e im Zillertal ihre Berggebiete (Tiefenbach und Distelberg) mit Breitband­internet versorgt. So wie den Gasthof Talblick im Ortsteil Distelberg auf 1200 Metern Seehöhe. „Die Gäste fragen als Erstes nach dem WLAN-Passwort. Und das Netz brach wegen Überlastung oft zusammen“, erklärt Gastwirt Stefan Dengg. Eine Funklösung hätte ihn 4000 Euro in der Herstellung und monatlich über 100 Euro gekostet. Dank des Einsatzes der Gemeinde ist er nun in puncto Internet nicht benachteiligt. „Wir haben hier in die bestehenden Kanalleitungen säureresistente Leitungen vom Berg Richtung Tal einlegen lassen“, erklärt Egger.