Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.02.2018


Web und Tech

Zu schön, um wahr zu sein

Die günstige Mietwohnung in Toplage existiert gar nicht: Wie Internetbetrüger die Not der Wohnungssuchenden geschickt ausnützen und wie man sich davor schützen kann.

© iStockphotoHansjörg Jäger, Michael Motz, Michaela Spirk-Paulmichl und Klaus Lugger (v. l.).



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Alessandra Blancato hat eine wunderbare Familie – einen Ehemann, eine kleine Tochter und ein Baby. So weit, so vertrauenserweckend. Und sie vermietet eine voll ausgestattete Zwei-Zimmer-Wohnung in Innsbruck – „Top- lage!“ – um nur 450 Euro monatlich. Dumm nur, dass sie nicht selbst zur Besichtigung kommen kann, sie lebt in Mailand. Aber alles kein Problem: Ein Vertrag mit Airbnb mache es möglich, dass interessierte Wohnungssuchende, die ihr Inserat auf einem Immobilien-Portal entdeckt haben, über eine dritte Person einen Schlüssel erhalten. Zuvor müssen aber 1340 Euro auf ein privates Konto überwiesen werden, der Betrag soll später rückerstattet werden.

Leider ist kein Wort dieser lebhaft per E-Mail geschilderten, allzu wunderbaren Geschichte wahr, doch das wird jenen, die ihr Glauben geschenkt haben, erst sehr spät klar. Aber dann ist das Geld schon weg, die Konto-Überweisungen sind nicht stornierbar.

Es gibt viele Formen von Internetkriminalität, diese „Masche“ ist seit Jahren bekannt und hat einen Namen: „Vorkassenbetrug“. Trotzdem schaffen es die Blancatos oder Bartolottis aus Italien und andere vermeintliche Vermieter aus England oder den USA immer wieder, Opfer zu finden – wie zuletzt eine berufstätige Tirolerin und eine junge Frau, die in Innsbruck studiert. Deren Notlage – in der Stadt eine leistbare Wohnung zu finden, kann sehr schwierig sein – wird von Betrügern schamlos ausgenützt.

Die Fotos der Wohnungen scheinen wie aus dem Katalog – oft werden sie von anderen Inseraten gestohlen – und immer wieder sind darunter Bilder von Airbnb-Appartements zu finden. Auf der Website des weltweit aktiven Community-Marktplatzes zur Vermittlung privater Unterkünfte wird allerdings ausdrücklich darauf hingewiesen, Geldbeträge „immer und ausschließlich über Airbnb zu zahlen und niemals zu überweisen oder an jemanden direkt zu zahlen“.

Auch Hans-Peter Seewald, Leiter der Kriminalprävention im LKA Tirol, warnt: „Die falschen Inserate sind sehr geschickt gemacht, immer wieder fallen Leute drauf herein.“ Die Kriminellen fliegen zwar immer wieder auf und viele werden auch gefasst, doch das Geld bleibt meistens verschwunden. Das Problem: Sobald der Betrag auf dem angegebenen Konto einlangt, wird es sofort weiterüberwiesen an ein nächstes, und von dort an ein drittes und so weiter.

Um unerkannt zu bleiben, werden dafür so genannte „money mules“ angeheuert – „Maulesel“, die als Geldwäscher dienen. Sie stellen ihr Konto zur Verfügung und erhalten dafür rund zehn Prozent des überwiesenen Betrags. Oft sind es unbescholtene Bürger, die sich damit strafbar machen. Viele wurden bereits angezeigt. Bei einer groß angelegten, internationalen Aktion Ende 2017 wurden Hunderte dieser Mittelsmänner ausgeforscht. Der Schaden betrug 31 Millionen Euro, 1700 Transaktionen wurden getätigt.

Auch die „Watchlist Internet“, eine österreichische Informationsplattform zu Internetbetrug, warnt. Wer unter www.watchlist-internet.at die Worte „Betrugsversuch mit gefälschtem Airbnb-Wohnungsinserat“ eingibt, findet detaillierte Informationen, wie man sich schützen kann.

Achtung, Online-Wohnungsbetrug!

Ilona Zweckberger vom Verein für Konsumenteninformation Tirol nennt Anhaltspunkte, die Wohnungssuchende hellhörig machen sollten – besonders wenn mehrere davon gleichzeitig auftreten:

Schnäppchen: Natürlich gibt es auch schöne Wohnungen in Toplage, die zu einem fairen Preis angeboten werden, doch prinzipiell ist bei „supergünstigen“ Angeboten Vorsicht angebracht, warnt die Konsumentenschützerin. Bisher waren es meistens „Traumwohnungen“ zum Schnäppchenpreis, mit denen Wohnungssuchende in die Falle gelockt werden konnten.

Korrespondenz per E-Mail: Fehlen Postanschrift und Telefonnummer, ist besondere Vorsicht angebracht. E-Mail-Adressen können nicht „geklagt“ werden.

Vermieter lebt im Ausland: Ob in den USA, in England oder Italien wie bei den aktuellen Fällen – der angebliche Vermieter wohnt meistens im Ausland und entschuldigt sich höflich, nicht zur Wohnungsbesichtigung kommen zu können. Um Vertrauen zu erwecken, werden Geschichten über die Familie erzählt.

Vorausbezahlung: „Es ist nicht üblich, Wohnungen erst dann besichtigen zu können, wenn Geld überwiesen wurde“, sagt die Juristin. Verdächtig ist auch, wenn Vermieter ihre Mieter nicht persönlich kennen lernen wollen, bevor sie diesen ihre Wohnung anvertrauen.

Ein ausländisches Konto kann unter Umständen ein weiteres Kriterium dafür sein, dass besondere Vorsicht angebracht ist.

Wer sich nicht sicher ist, ob ein Angebot seriös ist und es sich nicht um eine Fälschung handelt, kann sich an den Konsumentenschutz (VKI) in Innsbruck, Maximilianstraße 9, wenden, Tel. 0512/586878.