Letztes Update am Do, 17.05.2018 17:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Debatte im Internet

Yanny oder Laurel? Eine Audiodatei spaltet das Netz

Gut drei Jahre ist es her, dass ein Kleid wegen seiner Farbe das Netz spaltete. Nun flammt eine ähnliche Debatte auf. Dieses Mal scheiden sich die Geister an einer Audiodatei.

© PantherStockSymbolfoto



Washington — Vor gut drei Jahren war es ein Kleid, das die Internet-Gemeinde in zwei Lager spaltete. Diesmal ist es ein Wort aus zwei Silben, über das tausende Menschen im Netz diskutieren. In einer sechs Sekunden langen Audiodatei hören die einen „Yanny" die anderen „Laurel". Wie die New York Times am Mittwoch berichtete, postete ein Gymnasiast aus Georgia die Datei zunächst ins Online-Netzwerk Reddit.


Der 18-jährige Roland Szabo erklärte, er habe die Datei für ein Schulprojekt von einer Vokabelseite heruntergeladen. Er spielte sie seinen Freunden vor und stellte fest, dass ein Teil von ihnen deutlich „Yanny", der andere „Laurel" verstand.

Irritiert schickte Szabo die Datei an einen Freund, der sie wiederum auf der Online-Plattform Instagram veröffentlichte. Von da aus war es dann nicht mehr weit zu einer Massendebatte im weltweiten Netz. Auch Prominente schalteten sich ein. Der Horror-Romanautor Stephen King ordnete sich im Kurzbotschaftendienst Twitter dem „Yanny"-Lager zu. Für Supermodel Chrissy Teigen stand dagegen fest: „Es ist ganz klar Laurel. Mir unverständlich, dass jemand Yanny hören kann."

Eine Blitzumfrage bei der Nachrichtenagentur AFP in Washington ergab 17 für „Yanny" und 14 für „Laurel". Nur drei Menschen hörten zunächst das eine, beim nochmaligen Vorspielen das andere Wort oder einen Mix aus beiden Wörtern.

Eine Frage der Frequenz

Doch wie kann das sein? Ob man nun "Yanny" oder "Laurel" hört, hängt vor allem von den Frequenzbereichen ab, die man wahrnimmt. Das wiederum ist zum einen vom Alter des Hörers abhängig und zum anderen vom "Zustand" der Ohren. Weiters haben die Umgebung sowie das Gerät, mit dem man sich die Audiodatei zu Gemüte führt, Einfluss darauf, welche Frequenzen man wie wahrnimmt. Als Beleg für diesen Erklärungsansatz haben User mit Bearbeitungsprogrammen herumexperimentiert:

Die Kontroverse erinnert an diejenige aus dem Jahr 2015, als es im Internet eine erhitzte Debatte darüber gab, ob ein auf einem Foto abgebildetes Kleid weiß und gold oder blau und schwarz sei. Auch damals beteiligten sich Promis am Rätselraten. Richtig war: Es handelte sich um ein königsblaues Kleid mit schwarzer Spitze. (TT.com, APA/AFP)