Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.06.2018


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Gastwirte könnten mit Speiseresten heizen

Vom Teller in die Maschine und die Heizung: Linzer Forscher fanden eine günstige Alternative, um Speisereste der Gastronomie zu verwerten.

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Innsbruck, Linz – Vom lästigen und teuren Speiseabfall zum billigen und wertvollen Brennstoff: Das klingt zunächst unrealistisch, doch es funktioniert – und das nicht nur in der Biogasanlage. Auf der Suche nach anderen Möglichkeiten, Speisereste der Gastronomie zu entsorgen, haben Linzer Forscher eine alte Methode aufgegriffen und eine neue Maschine konzipiert.

„Wir waren begeistert, wie einfach und gut das funktionieren kann“, berichtet Anna Stadler vom Institut für Medizin und Biomechatronik der Johannes Kepler Universität in Linz. Das Team wandelte Speisereste in wenigen Stunden unter Hitze und Druck zu Kohlepulver, das zum Heizen (Pellets- oder Hackschnitzelheizung) oder Düngen geeignet ist. Aus 50 Litern Abfällen können zwischen 2,5 und 5 Kilogramm Kohle entstehen, berichtet Stadler im TT-Gespräch. Bei einer Durchschnittsmenge von 120 Litern Küchenabfall in der Woche in einem österreichischen Gastbetrieb würde das einiges an Brennmasse bedeuten.

„Ein Energieberater ist an uns herangetreten, ob es eine Möglichkeit gebe, Lebensmittelreste effektiver zu verwerten“, schildert Stadler. Gastwirte hätten sich immer wieder beklagt, wie aufwändig die Entsorgung von Speiseresten sei. In Österreich bestehen strenge Regeln, weiß die Oberösterreicherin. Die Gastronomen müssten dafür sorgen, dass die Reste teilweise entwässert, gekühlt und oft auch gereinigt werden, um sie fachgerecht zu entsorgen. „Der Energie-, Arbeits- und Kostenaufwand dafür ist bedeutend. Unser System dagegen wäre darauf ausgelegt, dass jeder Gastwirt seine Abfälle selbst verarbeiten und dann auch die gewonnene Kohle selbst nutzen kann.“

Bei der Hydrothermalen Carbonisierung wird Biomasse bei etwa 200 Grad Celsius und einem Druck von zehn bis 40 bar zu Kohlepulver.
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Noch ist das eine Vision. Denn das österreichische Recht lässt derzeit nicht zu, dass Speisereste direkt beim Gastwirt verarbeitet werden. Stadler kann sich daher auch vorstellen, dass Häusergemeinschaften, Gemeinden oder etwa Winzer die konzipierte Anlage verwenden. „Sie muss im Vergleich zu bestehenden Biogasanlagen nicht kontinuierlich laufen, kann so klein sein, wie man will, und ist energieeffizient“, sagt Stadler.

Die einzige Voraussetzung ist ausreichend Wasser im Biomüll. „Das Wasser ist eine wichtige Zutat bei der Carbonisierung, aber gerade in Speiseabfällen ist davon ja reichlich enthalten.“ Bis aus biologischer Masse Kohle wird, dauert es auf natürlichem Weg mehrere Millionen Jahre. Der Prozess lässt sich – künstlich nachgeahmt – deutlich beschleunigen.

Die Linzer Wissenschafter haben die Biomasse im Labor sechs Stunden bei etwa 200 Grad Celsius und einem Druck von zehn bis 40 bar quasi gebacken, „wie in einem Ofen“, veranschaulicht Stadler. Heraus kommt Kohlepulver, das noch getrocknet wird. Bei Raumtemperatur dauert das circa drei Tage, meint die 33-Jährige. Dann taugt die Kohle zum Brennstoff. Das beim Prozess übrig gebliebene Wasser müsse mit UV-Strahlen behandelt und entsorgt werden.

Erhältlich ist die Linzer Entwicklung noch nicht. In der Schublade gibt es aber ein fertiges Konzept. Ein Prototyp würde demnach 10.000 Euro kosten. Das Team ist in Gesprächen mit Firmen und sucht Partner. (TT, deda, APA)

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