Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.06.2018


Innsbruck

Mit Spaß und Vorsicht ins Netz

Das SOS-Kinderdorf startete gestern im Reithmanngymnasium ein Pilotprojekt.

© SOS-KinderdorfKathrin Grabner (r.) erklärte gestern den Schülern des Reithmanngymnasiums die Gefahren im Internet.Foto: SOS-Kinderdorf



Von Marco Witting

Innsbruck – Es war eine Schulveranstaltung, die in dieser Form Neuland war. 700 Schüler des Innsbrucker Reithmanngymnasiums versammelten sich gestern und hatten irgendwann im Laufe des Vormittags alle einmal ihr Handy in der Hand. Denn bei dem Pilotprojekt von SOS-Kinderdorf, Rat auf Draht und der Schule ging es um die Sicherheit im Internet. Und das Thema wurde dabei interaktiv angegangen.

Die Zahlen, die Expertin und Juristin Kathrin Grabner dabei vorlegte, stimmten auch die Jugendlichen nachdenklich. Nur ein Drittel der Befragten einer österreichischen repräsentativen Studie gab an, über die Gefahren von sexueller Belästigung im Internet informiert worden zu sein. Gleichzeitig gaben 40 Prozent der elf- bis 18-jährigen Mädchen an, selbst schon einmal belästigt worden zu sein. „Schockierend“ nannte Grabner diese Ergebnisse und führte die Schüler ohne Tabus durch die breite Themenlandschaft der Internetsicherheit. Unter dem Motto #sicheronline hat SOS-Kinderdorf jetzt eine Kampagne gestartet – die Veranstaltung im Reithmanngymnasium war dabei so etwas wie ein Probelauf.

Direktor Max Gnigler, dem zu seinem gestrigen Geburtstag gleich ein Ständchen gesungen wurde, freute sich. „Wir wollen einen Beitrag leisten, dass sich unsere Schüler in der digitalen Welt sicherer bewegen können.“

Geklärt wurden Fragen, die den Alltag der Jugendlichen bestimmen. Was tun, wenn man das Opfer von Cyber­mobbing ist? Soll man sich – und wenn ja, wo – mit einer Internetbekanntschaft treffen? Die Schüler konnten den Vortrag interaktiv über eine Handy-App mitgestalten, Fragen darin stellen und ihre Meinung in einer Abstimmung kundtun. Klar wurde dabei, dass es durchaus noch Aufklärungsbedarf bei den Jugendlichen gibt. Grabner ermunterte die Jugendlichen aber: „Ihr solltet mit Spaß im Internet unterwegs sein. Aber auch mit einer großen Portion Sensibilität.“

SOS-Kinderdorf erneuerte unterdessen die Forderungen an die Politik nach effektiverer Strafverfolgung bei sexueller Belästigung Minderjähriger, einer umfassenderen Gewaltprävention und nach mehr Verantwortung durch die Seitenbetreiber. Auch eine umfassende Bewusstseinsbildung bei den Eltern wird weiterhin eingemahnt.