Letztes Update am Do, 12.07.2018 17:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Test

Huawei MediaPad M5: Kompakter Vielkönner mit “Wums“

Huawei präsentiert mit dem MediaPad M5 ein Querformat-Tablet, das speziell für den Konsum von Musik und Filmen ausgelegt ist. Im Test überzeugte das M5 - lediglich die Ladegeschwindigkeit ließ zu wünschen übrig.

© RehfeldMit dem MediaPad M5 wird das Scharfstellen von Fotos im Freien zum Glücksspiel - das Display spiegelt und man sieht wenig.



Innsbruck — Im Februar stellte Huawei mit dem MediaPad M5 sein neuestes Tablet vor und startete damit einmal mehr einen Frontalangriff auf Tablet-König Apple. Ob der gelungen ist, haben wir uns im Test angesehen.

Erster Eindruck: Das 10,8 Zoll große M5 kommt in schlichter Verpackung daher. Im Lieferumfang enthalten sind das Netzteil + USB-C-Kabel sowie ein Adapter für von USB-C auf 3,5-mm-Klinke. Letzteren braucht man, wenn man noch Kopfhörer mit Kabel benutzt - Huawei hat nämlich auf einen Klinkenanschluss verzichtet. Platz dafür wäre an sich genug gewesen (das Tablet ist 7,3 mm dick), aber offensichtlich schwimmt Huawei nun auch auf der kabellosen Welle. Ein Headset ist leider nicht im Lieferumfang enthalten.

Das MediaPad ist von Vornherein im Querformat ausgelegt.
- Rehfeld
Huawei hat beim M5 auf einen Klinkenanschluss verzichtet.
- Rehfeld

Design: Das M5 liegt mit seinen abgerundeten Kanten gut in den Händen, die Verarbeitung des Aluminiumgehäuses wirkt solide. Vom Design her erinnert das MediaPad M5 an gängige Smartphone-Modelle von Huawei. Was allerdings sofort ins Auge sticht: Das MediaPad ist von Vornherein im Querformat ausgelegt. Sprich: Huawei-Logo und Kamera befinden sich auf den Längsseiten, der Fingerabdrucksensor auf der kurzen, rechten Seite. Auch Lautstärketasten und Sperrtaste befinden sich am rechten Rand des Tablets - das ist anfangs recht ungewohnt, vor allem, wenn man vorher mit einem iPad gearbeitet hat.

Bedienung: Das M5 läuft mit Googles Betriebssystem Android 8.0 Oreo. Die Nutzeroberfläche ist für Android-Nutzer an sich nichts Neues und selbst bisherige Apple-Jünger dürften mit dem M5 auf Anhieb klarkommen. Google-Apps sind naturgemäß vorinstalliert - für alles Weitere gibt's den Play Store. Die Einrichtung einer WLAN-Verbindung funktionierte im Test einwandfrei und in Sekundenschnelle.

Technische Daten

  • Betriebssystem: Android 8.0 Oreo
  • Maße: 258,7 x 171,8 mm x 7,3 mm
  • Display: 10,8 Zoll bzw. 27,4 cm, 2560 x 1600 Pixel, "ClariVu?-Technologie
  • Speicher: 64 GB - durch eine MicroSD-Karte erweiterbar
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Prozessor: Huawei Kirin 960s Octa-Core
  • Akku-Kapazität: 7500 mAh
  • Audio: 4 Lautsprecher, HUAWEI Histen Soundeffect, Harman Kardon Audio zertifiziert, unterstützt Hi-Res Audio
  • Anschlüsse: USB-C, microSD-Kartenleser
  • Hauptkamera: 13 MP, F2.2, Autofokus (PDAF)
  • Frontkamera: 8 MP, F2.2, Fixfokus, kein Blitz
  • Sensoren: Schwerkraftsensor, ALS, Kompass, Gyroscop, Fingerprint-Sensor, HALL, Statusanzeige
  • Video-Dateiformate: *.mp4, *.3gp
  • Preis: 399 Euro

Der Fingerabdruck-Sensor funktioniert zuverlässig und lässt sich bei entsprechender Einstellung auch als Bedien-Button verwenden: Bleibt man länger darauf, kommt man zum Home-Bildschirm. Wischt man, kann man zwischen den geöffneten Apps am Bildschirm wechseln oder die Apps schließen. Ein eindeutiger Pluspunkt!

Display: Das M5 ist mit einem hochauflösenden Display (2K) mit 280 PPI ausgestattet, das mit seiner Helligkeit punkten kann. Im aktivierten Augenschon-Modus ("Eye Comfort") wird schädliches blaues Licht reduziert. Das ist zwar tatsächlich angenehm für die Augen, allerdings wirken Bilder dadurch leicht gelblich. Die vom Hersteller angepriesene "ClariVu"-Technologie lässt Bilder kontrastreich und Farben kräftig erscheinen. Das Tablet passt sich außerdem automatisch an die Farbtemperatur des Umgebungslichts an. Eine Befürchtung, die sich leider bestätigt hat: Die Displayoberfläche spiegelt sehr. Im Freien bzw. bei Tageslicht zu arbeiten ist daher nicht angenehm. Fotografieren im Freien wird mit dem M5 folglich eher zum Fokussier-Glücksspiel.

Multimedia: Als "wahrlich atemberaubendes Multimedia-Erlebnis mit höchster Tonqualität" preist Huawei das Soundsystem im M5 an. Übertrieben ist das nicht: Vier Lautsprecher mit Digitalverstärker sorgen für vollen Sound mit klaren Höhen und dem nötigen "Wums" bei den Bässen. Das macht Spaß! Auch bei voller Lautstärke wird Musik nicht verzerrt wiedergegeben (wir haben zwischen Gitarren-Geschrammel und Heavy-Metal alles durchgetestet). Dass es sich beim M5 um kein Soundlink von Bose (oder ähnliches) handelt, sollte einem als Käufer aber bewusst sein. Bei der Wiedergabe von HD-Filmen auf dem M5 gibt es nichts zu beanstanden. Einem erfüllenden Heimkino- oder Musik-Erlebnis steht mit dem MediaPad nichts im Wege. Darauf ist das Tablet schließlich auch ausgelegt.

Spiele: Das M5 bietet mit seinem 10,8 Zoll-Display eine Spieloberfläche in bequemer Größe. Auch Leistung bzw. Geschwindigkeit passen: Grafiken/Animationen werden ruckelfrei und ohne Verzögerungen wiedergegeben. Im Test haben wir SimCity und FIFA Mobile angespielt - das Ergebnis hat überzeugt.

Auf der Rückseite sorgen vier Lautsprecher mit Digitalverstärker für glasklaren Sound.
- Rehfeld

Kamera: Huaweis MediaPad M5 ist mit einer 13-Megapixel-Hauptkamera und einer 8-Megapixel-Selfiekamera ausgestattet. Das reicht allemal für Zwischendurch-Schnappschüsse und Skype-Sessions. Mit der Kamera eines P10 oder P20 Pro kann das M5 allerdings nicht ansatzweise mithalten.

Akku: Laut Huawei lässt sich das MediaPad M5 in 2,9 Stunden voll aufladen. Im Test stellte sich der Ladevorgang allerdings als eher mühsames Unterfangen dar. Nach drei Stunden und sechs Minuten war der Akku-Stand gerade mal bei 46 Prozent - und das Tablet war beim Laden nicht mal eingeschaltet. Mit "Zwischendurch-Aufladen" wie bei Huaweis Smartphones mit "Super Charge"-Technologie wird es also nichts. Wer Zeit hat, das Tablet über Nacht zu laden, ist definitiv besser dran. Die 7500 Milliamperestunden (mAh) Akku halten dann allerdings eine gefühlte Ewigkeit.

SimCity lief auf dem MediaPad M5 rund.
- Screenshot

Fazit: Für knapp unter 400 Euro bekommt man von Huawei ein technisch astreines Tablet, das gut in der Hand liegt, schöne Bilder macht und auch soundtechnisch überzeugt. Ein Manko ist der fehlende Klinkenanschluss für Kopfhörer (wobei das erstens im Auge des Betrachters liegt und zweitens ein Adapter mitgeliefert wird). Zusammenfassend kann man aber mit gutem Gewissen behaupten: Ja, Huawei hat es wieder getan. Der Frontalangriff auf Apple ist gelungen. (reh)