Letztes Update am Sa, 07.07.2018 07:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Web und Tech

Handyfotos mit Pfiff machen: Die 11 besten Tipps der Profis

Handyhersteller Huawei und Kamerabauer Leica haben zum großen Smartphone-Workshop nach Wetzlar geladen. Die Profi-Fotografen Alex Lambrechts und Tomasz Lazar teilten alltagstaugliche Tricks für bessere Handyfotos.

© RehfeldModefotograf Alex Lambrechts zeigte beim Workshop verschiedenen Posen.



Von Marina Rehfeld

Alex Lambrechts.
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Innsbruck — Dass heutzutage jeder in Sekundenschnelle ein Foto mit dem Smartphone machen und ins Netz stellen kann, ist Fluch und Segen zugleich. Zwar lassen sich auf diese Art und Weise besondere Momente ganz spontan festhalten. Eine regelrechte Foto-Flut ist jedoch die Folge.

Um hervorzustechen, muss man gerade in Zeiten von Instagram und Co. umdenken. Sprich: Ein Foto muss nicht perfekt, sondern interessant sein. Perfekte Bilder gibt es nämlich schon wie Sand am Meer. Auf dem Foto sollte also etwas sein, das den Betrachter im Internet daran hindert, weiter zu scrollen. Kreativität ist gefragt. Die TT war bei einem Foto-Workshop von Huawei mit den Profi-Fotografen Alex Lambrechts und Tomasz Lazar im Leica-Hauptquartier im deutschen Wetzlar dabei. Folgende Tipps und Tricks haben wir mitbekommen:

1) Unterbelichten

Smartphone-Kameras nehmen standardmäßig im Automatik-Modus auf. Sprich: Farben, Helligkeit und Schärfe werden selbstständig angepasst. "Dreht man die Belichtung runter, wird das Bild gleich viel interessanter und ausdrucksstärker", so Lambrechts. Im konkreten Beispiel: Als Arbeitsgerät beim Workshop nutzte der Profi ein Huawei P20 Pro. Tippt man das Motiv mit dem Finger an und bleibt auf dem Display, erscheint ein runder Kreis mit einem Sonnensymbol. Zieht man den Finger dann nach unten, wird das Foto dunkler - und um Welten ausdrucksstärker.

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2) Blickwinkel

Hinstellen, Handy vor den Körper halten und abdrücken - das ist zwar ganz nett, aber eben auch nicht mehr. Man darf sich ruhig trauen, den Blickwinkel zu ändern. Ruhig in die Hocke gehen und das Foto von weiter unten aufnehmen! Oder die Arme in die Höhe Strecken und von oben fotografieren. Kurzer Exkurs zum Thema: Bei Mode-Shootings ist es gang und gäbe, Männer eher von oben zu fotografieren, damit die Schultern breiter wirken. Bei Frauen ist es umgekehrt: Sie werden häufig von unten fotografiert, um die Beine optisch zu verlängern. Auch eine Möglichkeit, den Blickwinkel zu ändern: Näher ans/weiter weg vom Motiv gehen (nicht zoomen!). Oder: Etwas finden, das ins Foto hineinragt (z. B. ein Baumstamm, eine Blume).

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3) Schiefe Optik

Hierzu gleich ein Beispiel: Fotos von perfekt waagrechten Horizonten gibt es wie Sand am Meer. Interessant ist das längst nicht mehr. Warum nicht einfach mal das Handy für das Foto ein bisschen auf die Seite kippen? Der Horizont wird dann im Bild zur Diagonalen. Das sticht hervor.

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4) Mit Linien und Geometrie spielen

Das Beispiel mit dem Horizont (siehe Punkt vorher) kann man auch auf andere Motive übertragen, beispielsweise Architektur. Linien können den Bildaufbau unterstützen und können den Betrachter durchs Bild führen.

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5) Komposition

Um ein Bild von Menschen interessant zu machen, muss darauf etwas los sein. Im besten Fall gibt es eine Art "Handlung" und drei interessante "Akteure", die im Bezug zueinander stehen. So wird dem Betrachter nicht langweilig.

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6) Drittel-Regel/Raster einschalten

Ja, es gibt sie, die berühmte Drittel-Regel beim Fotografieren: Dabei wird das Bild in neun gleiche Teile aufgeteilt - das sorgt für einen harmonischen Bildaufbau, der angenehm fürs Auge ist. Um sich nicht ständig Gedanken über die Drittelung machen zu müssen, kann man in den Einstellungen der Handykamera einfach das Bildraster aktivieren.

Fotograf Tomasz Lazar (r.) erklärte in Wetzlar seine Technik.
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7) Handy stabil halten

Autofokus ist zwar eine tolle Sache, allerdings kein Allheilmittel gegen Verwackelungen. Immer darauf achten, dass das Handy ruhig in der Hand liegt. Wer zum Zittern neigt, kann das Gerät beispielsweise auf einem Tisch oder an einer Wand (oder ähnliches) abstützen. Besonders wichtig ist das, wenn man Fotos bei wenig Licht macht.

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8) Mit Schärfe/Unschärfe spielen

Prinzipiell sollte ein Foto scharf sein. Manchmal verleiht eine gewisse Unschärfe im Bild dem Motiv aber einen gewissen Reiz. Fotografiert man beispielsweise mehrere Menschen, kann man einen von ihnen scharf stellen (mit dem Finger aufs Display tippen) und der andere bleibt unscharf.

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9) Format

Snapchat und Instagram bieten in den "Stories" zwar die Möglichkeit, Hochformat-Fotos zu veröffentlichen. Generell empfiehlt sich aber die Aufnahme im Querformat.

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10) Licht und Schatten

So wie der Ton die Musik macht, macht das Licht das Foto. Man sollte darauf achten, ein dunkles Motiv nicht vor einem dunklen Hintergrund zu fotografieren. Das Spiel mit Kontrasten wirkt fürs Auge interessant. Laut guter alter Fotoschule ist es verpönt und eigentlich ein No-Go, Fotos gegen das Licht zu schießen - prinzipiell auch zurecht. Eine Möglichkeit, ein Foto interessant zu machen, ist aber genau das. Ein künstlerisches Beispiel: ein Bild von einem Brunnen gegen das Licht.

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11) Eigener Stil

Am Ende liegt es immer im Auge des Betrachters, ob ein Foto gefällt oder nicht. Was man sich keinesfalls ausreden lassen sollte, ist der eigene künstlerische Stil.