Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.07.2018


Bezirk Reutte

Spendieren und servieren via App

Bedürftige können über „Dignitos“ auch im Außerfern zum Essen eingeladen werden.

© iStockphotoBei Dignitos fließen die Spenden nicht in einen großen Verwaltungsapparat, sondern kommen eins zu eins auf den Teller.



Ehrwald – Die Idee ist denkbar einfach und folgt jener des „espresso sospeso“ in italienischen Kaffeebars, die auch in Österreich mehr und mehr in Mode kommt: Man zahlt zwei Kaffee, trinkt aber nur einen. Der „aufgehobene“ ist für einen Menschen gedacht, dem es nicht so gut geht.

„Dignitos“ versucht Ähnliches, nur dass das Spendenmedium nicht der Barista ist, sondern das Internet. Das Ziel ist dasselbe. Einem Menschen anonym etwas Gutes zukommen zu lassen. Über eine App oder das Internet (www.dignitos.com) kann man Geld spenden. Die Euros werden dann in „Dignits“ umgewandelt und kommen in einen Spendentopf oder gehen direkt an ein Restaurant. Der registrierte Wirt kann dann einen bedürftigen Menschen zu einer Mahlzeit einladen, je nach Höhe seines „Dignits“-Kontos. „Inzwischen haben wir drei Betriebe im Außerfern, die bei Dignitos mitmachen“, beschreibt Barbara Luttinger-Hohenegg, sie rührt derzeit im Bezirk Reutte die Werbetrommel für die Menschen-helfen-Menschen-Aktion und fügt hinzu: „Wir sind derzeit aktiv auf der Suche nach Mitgliedsbetrieben. Jeder gespendete Euro kommt eins zu eins an. Da geht nix für irgendeine Verwaltung drauf.“

Bedürftige können sich in den ausgewiesenen Restaurants – diese sind am Dignitos-Symbol, einem „D“, getragen von einer stilisierten helfenden Hand, zu erkennen – etwas zu essen holen.

Luttinger-Hohenegg: „Der Kunde kommt in den Betrieb und fragt, ob Dignits vorhanden sind. Um Missbrauch zu vermeiden, entscheidet der Unternehmer, der meist auch die Menschen vor Ort sehr gut kennt, wer etwas bekommt. Das Hausrecht bleibt natürlich beim Unternehmer.“

„Für uns alle schafft Dignitos Solidarität in der kleinen Geste, weil eine Einladung zum Essen verbindet. Und nicht nur Nahrung, sondern auch soziale Nähe schenkt. Dignitos bringt das Essen ohne Almosen-Stempel und Schamgefühle in der Atmosphäre normaler Restaurants auf den Tisch“, sind die drei Gründer, die Geschwister Jürgen, Thomas und Silke Kost aus Neustadt an der Wald­naab in Bayern, überzeugt. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Das Projekt läuft mittlerweile schon international. (fasi)




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