Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.08.2018


Osttirol

Zwei Lienzer Lehrer stoßen in neue Dimensionen vor

HTL-Professoren gründeten in Lienz eine Firma für 3D-Druck. Von Vasen über Maschinenteile bis zum Golfzubehör ist alles herstellbar.

© OblasserHelmut Senfter (l.) und Walter Hueter präsentieren eines ihrer Hightech-Geräte für den 3D-Druck.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Technik ist ihr tägliches Brot: Walter Hueter aus Irschen und Helmut Senfter aus Leisach unterrichten an der HTL Lienz Maschinenbau bzw. Automatisierungstechnik. Seit Anfang Juli sind die zwei Lehrer jedoch auch oft in ihrer eigenen Firma zu finden. Sie gründeten das Unternehmen „dreiDP GmbH“ mit Standort am Rechten Iselweg in Lienz. Auf rund 200 Quadratmetern Fläche sind zehn Ingenieure, IT-Fachleute und Verkaufsleiter Peter Sommer im Einsatz.

Die Produkte, die die Firma von Hueter und Senfter herstellen, haben eines gemeinsam: Sie entstehen in hochmodernen Druckern und sind dreidimensional. Dabei wollen die zwei Professoren nicht nur technisch, sondern auch bei Tempo und Präzision in neue Dimensionen vorstoßen.

Komplexe Teile wie der Greifer für Blutprobe-Röhrchen sind mit 3D-Druck leicht machbar.
- Oblasser

„Ein Beispiel dafür wäre ein kleines Zahnrad in einer Produktionsmaschine einer Fabrik“, erläutert Walter Hueter. „Im Regelfall muss die Firma das Teil beim Hersteller ordern, die Lieferzeit kann bis zu sechs Wochen betragen.“ In Lienz bieten Hueter und Senfter eine schnellere Lösung an: Das Zahnrad wird eingescannt und dreidimensional ausgedruckt. „Das dauert einen Tag“, so die beiden Professoren. Billiger ist es auch, wie Verkaufsleiter Sommer erläutert. Und da alles aus einem „Guss“ ist, sind die Teile sehr stabil. Das Material ist der Kunststoff Polyamid. Daraus lassen sich auch hochkomplexe Strukturen ohne Probleme fertigen.

Praktikant Simon Einhauer plant Golfzubehör.
- Oblasser

Kunden hat die neue Firma jetzt schon etliche, und es geht nicht nur um Zahnräder. „Druckbar ist sehr vieles“, meint Senfter und nennt ein Beispiel aus der Hotellerie. Ein 40-teiliges Set von identischen Dekorvasen für die Restauranttische, von denen eine Vase kaputt wird. „Statt das ganze Set wegwerfen zu müssen und neu anzuschaffen, drucken wir die kaputte Vase nach“, erklärt der Lehrer aus Leisach.

Geschäftsbeziehungen haben Hueter und Senfter in Österreich, Deutschland, Südtirol und darüber hinaus. Neben der Lohnfertigung werden auch 3D-Drucker verkauft.

Durch den engen Kontakt mit der HTL gibt es keine Nachwuchssorgen, wie HTL-Schüler Simon Einhauer beweist. Er beschäftigt sich im Zuge seines Praktikums mit dem Ausdruck von so genannten Golf-Tees. Das sind kleine Pflöcke, die in die Erde gesteckt werden und von deren Spitze der Golfball abgeschlagen wird.