Letztes Update am Fr, 03.08.2018 16:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Social Media

#bogleseeds: Das Chaos hinter dem perfekten Foto

Der kanadische Betrieb ,,Bogle Seeds“ wollte sich mit dem Öffnen seiner Sonnenblumenfelder für Besucher Geld dazuverdienen. Mit dem Ansturm von tausenden Bildwütigen hatte die Familie nicht gerechnet.

© Instagram/niccahh/ScreenshotEin Sonnenblumenfeld als Fotomotiv ist bei Instagram-Influencern sehr beliebt.



Von Moritz Ettlinger

Ontario - So ein Foto in einem blühenden Sonnenblumenfeld hat schon was. Die leuchtenden Farben, die Sonne, die auf die Blüten scheint und die schier unendlich wirkende Masse an grellgelben Pflanzen machen ein Bild inmitten der Blumen zu einem ganz besonderen. Das dachten sich wohl auch die tausenden Menschen, die am 28. Juli in das Feld des Betriebs „Bogle Seeds" im kanadischen Ontario strömten. Mit dem Chaos, das sie dabei anrichteten, hatten weder sie noch die Familie Bogle gerechnet.

Angefangen hat die Geschichte am 20. Juli 2018, als die Familie Bogle ihr Sonnenblumenfeld für Besucher und 7,50 kanadische Dollar Parkgebühr pro Person öffnete, um vor der Ernte etwas Geld dazuzuverdienen. Und zu Beginn lief auch alles wie geplant. 300 Parkplätze hätten zur Verfügung gestanden, die in der ersten Woche nie mehr als ein Drittel voll gewesen wären, schreibt die Tageszeitung The Globe and Mail. Familien von weit weg, von Dubai über New York bis Australien seien gekommen. „Alle lachten und hatten Spaß", erzählte Barry Bogle, der Vater des Farmeigentümers Brad Bogle, dem Blatt. „Dann tauchte ganz Toronto auf."

,,Zombie-Apokalypse"

Die Familie hatte nicht an die Wirkung von Instagram, Facebook und Co. gedacht: Innerhalb weniger Tage gingen Bilder aus dem blühenden Feld auf Social Media viral und an jenem Wochenende im Juli stürmten tausende Instagram-Influencer und Fotografen die Farm der Bogles.

Am Samstagmittag seien die ersten Autos angerollt, Stunden vor den offiziellen Öffnungszeiten, berichtet der Guardian. Schätzungsweise 7000 Autos seien am Höhepunkt des Ansturms vor den Toren von „Bogle Seeds" gestanden, einige davon mehr als einen Kilometer entfernt. Als die Mitarbeiter der Farm die Massen nicht mehr kontrollieren konnten, seien hunderte Besucher ohne zu bezahlen in die Felder spaziert, während andere ihren Müll einfach zwischen den Blumen liegen gelassen hätten. Farm-Inhaber Brad Bogle bezeichnete die Situation laut der National Post als „Zombie-Apokalypse". Ihn habe die Polizei dann schließlich auch angewiesen, den Betrieb für die Besucher dicht zu machen, berichtet der Guardian.

Der Schein trügt

Auf den unter dem Hashtag #bogleseeds in den sozialen Netzwerken geposteten Fotos war davon nichts zu erkennen. Strahlende Gesichter zwischen den Sonnenblumen, scheinbare menschenleere, blühende Weiten und lachende Familien auf Instagram ließen den Schein der unberührten Felder bestehen und an einen möglichen Schaden gar nicht denken.

Dass dem nicht so war, ist den Bogles bewusst. Am Abend des 28. Juli gab der Betrieb via Facebook bekannt, dass die Besuche der Sonnenblumenfelder jetzt zu Ende seien. Das volle Ausmaß des Schadens wird erst bei der Ernte im Herbst sichtbar werden. Die Farm sei weiterhin — für den Kauf von Vogelfutter und anderer Produkte — geöffnet, wie der Betrieb auf seiner Website bekannt gab. Für Sonnenblumen-Fotos aber bis auf Weiteres nicht mehr.