Letztes Update am Mi, 26.12.2018 10:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Tiroler Bike-Ass im wilden Ritt zum YouTube-Star

Fabio Wibmer ist ein Alleskönner auf zwei Rädern. Der 23-Jährige Osttiroler ist nicht nur österreichischer Downhill Staatsmeister 2016, sondern auch noch der YouTuber mit den zweitmeisten Abonnenten hierzulande.

Der Osttiroler Fabio Wibmer (li.) dreht wöchentlich mit seinem Freund Elias Schwärzler für seinen YouTube-Channel eine Episode der "Sick Series".

© Hannes BergerDer Osttiroler Fabio Wibmer (li.) dreht wöchentlich mit seinem Freund Elias Schwärzler für seinen YouTube-Channel eine Episode der "Sick Series".



Von Vanessa Grill

Innsbruck — Wenn Fabio Wibmer auf sein Bike steigt, ist Action garantiert. Der 23-jährige ist ein Multitalent und gilt in der Bikerszene als Star. Denselben Status hat er im Internet. Seine Videos sprengen regelmäßig die Millionengrenze. Besonders erfolgreich ist „Urban Freeride lives" vom April 2017. Mittlerweile wurde der actionreiche Ritt durch die Salzburger Innenstadt 51 Millionen mal angeklickt.

Laut dem zweiten österreichischen „Digital Report" gehört der Osttiroler zu den Youtubern mit den zweitmeisten Abonnenten. Dabei wurden YouTuber gezählt, die ihre Beiträge auf deutsch veröffentlichen. Wibmers YouTube-Kanal zählt momentan mehr als 1,9 Millionen Abonnenten. Sein Erfolg hat dem 23-Jährigen auch einen Vertrag mit Red Bull eingebracht — ein „Traum" für Wahl-Innsbrucker. Die meisten Videos produziert das Bike-Talent aber nach wie vor selbst: „Bei großen Projekten unterstützt mich Red Bull, aber für die Ideen und die Umsetzung bin ich zuständig", erzählt der Biker.

Eines der großen Projekte war das vor sieben Monate online gestellte Video „Fabiolous Escape 2", die Fortsetzung einer spektakulären Verfolgungsjagd auf zwei Rädern im Schnee. Auf seiner Flucht vor der Polizei ist dem 23-Jährigen kein Hausdach zu hoch keine Piste zu steil. Mit diesem zehnminütigen Clip sprengte er im Frühjahr die Abonnenten-Millionenmarke.

„Der Aufwand für so ein Video ist enorm", erklärt Wibmer. „Dafür drehen wir etwa fünf Wochen. Manche Tricks muss ich 500 Mal wiederholen bis sie klappen." Von der Idee bis zum fertigen Clip müssen zwei bis drei Monate eingeplant werden. „Daher gibt es auf meinem Kanal nur ein bis zwei so professionelle Videos im Jahr."

Ansonsten veröffentlicht der Bike-Allrounder mit der GoPro gefilmte Downhill-Videos oder aber wöchentlich eine neue Episoe der „Sick Series". Dabei stellen sich Fabio Wibmer und Biker-Freund Elias Schwärzler einer besonderen Herausforderung.

Bezeichnend dafür sind die Spontanität und Einfachheit der Videos. So werden Reaktionen von Leuten auf der Straße einfach eingebaut und die Burschen filmen sich gegenseitig. „Das Ergebnis sieht immer nach einer schnellen Nachmittagsaktion aus", lacht Wibmer, „dabei kosten uns auch diese Clips von der Idee und Locationsuche über die Art der Umsetzung bis hin zur Nachbearbeitung mindestens zwei Tage."

Dass er sein Hobby zum Beruf machen wird, damit hat der Osttiroler nicht gerechnet. „Angefangen hat alles 2008 als ich in einem extremen Winter mit Freunden in den Schnee gesprungen bin. Das Handyvideo hat gute Reichweite erzielt."

Daraufhin veröffentlichte Wibmer mehr und mehr Videos zunächst vom Freerunning. Bis er dann 2011 sein erstes Trail-Bike bekam, nachdem er ein Video von Bike-Profi Danny MacAskill gesehen hatte. „Seitdem bin ich in jeder freien Minute nur mehr Rad gefahren und kombinierte meine Erfahrungen aus dem Freerunning mit dem Biken." Auch technisches Equipment wurde nachgerüstet und so landeten immer mehr qualitative Videos im Netz, die durch Werbung und Sponsoren immer mehr Geld in die Kasse spülten.

Laut einer Studie, die die FH St.Pölten für die Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR) durchgeführt hat, verdienen 44 der Top 100 YouTube-Channels mehr als 1000 bis 2500 Euro monatlich. Nur sechs davon dürften den Schätzungen zufolge allerdings deutlich mehr als 10.000 Euro im Monat verdienen. Einer von ihnen müsste Fabio Wibmer sein „Ich sag nur, ich kann gut davon leben", hält sich der „Influencer" bedeckt, der sich nebenbei mit dieser Bezeichnung nicht anfreunden kann: „Am Ende des Tages bin einfach ein Biker, der den Leute gerne zeigt, wie er Rad fährt."