Letztes Update am Do, 27.12.2018 21:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Web und Tech

5G, KI und Co.: Diese Technik-Trends kommen 2019 auf uns zu

Mobiles Bezahlen, 5G oder intelligente Küchenmaschinen: Neue Technologien prägen das Alltagsleben und stellen Industrien vor Veränderungen. Diese Trends könnten im Jahr 2019 im Mittelpunkt stehen ...

Intelligente Lautsprecher mit integrierten persönlichen Assistenten wie Alexa, Siri oder Google gehören zu den Technik-Trends 2019.
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© ReutersIntelligente Lautsprecher mit integrierten persönlichen Assistenten wie Alexa, Siri oder Google gehören zu den Technik-Trends 2019. .



KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Bei dem, was heute schon Künstliche Intelligenz genannt wird, geht es zumeist um maschinelles Lernen: Software erkennt Muster in Daten und zieht daraus Schlussfolgerungen. Das wird breit eingesetzt, zum Beispiel um Fotos zu verbessern, Suchergebnisse zu verfeinern oder Vorschläge in Online-Shops zu machen. Spracherkennung ist ein Beispiel für komplexe KI, weil die Software Klang, Satzbau und Kontext analysieren muss.

Die Zukunftstechnologie, deren künftiger Einfluss auf die Wirtschaft gern mit der Erfindung der Dampfmaschine zu Zeiten der Industriellen Revolution oder der Erfindung der Elektrizität verglichen wird, durchdringt immer mehr Lebensbereiche. „In unserem Privatleben werden uns immer mehr Geräte umgeben, die über Sprache gesteuert werden oder über Kameras verfügen und deswegen Objekte erkennen", sagte der Mitgründer und Vorsitzende des deutschen KI-Bundesverbandes, Jörg Bienert. Die Industrie werde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) produktiver werden und in der Verwaltung halte KI nun mittels automatischer Verarbeitung von Dokumenten Einzug.

Zur Normalität werde auch der Einsatz von Chatbots werden, die Kundenanfragen entgegennähmen und beispielsweise Termine vereinbarten. Österreichs Regierung wird voraussichtlich bei den Alpbacher Technologiegesprächen (22.-24.8.) eine nationale Strategie für die Bereiche Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) präsentieren.

5G

Das neue Jahr bringt eine neue Mobilfunkgeneration. In Österreich fällt der Startschuss für den neuen Mobilfunkstandard 5G Anfang 2019, wenn die Telekombehörde RTR im Februar die ersten Frequenzen versteigert. Die weltweit ersten 5G-fähigen Smartphones sind im Laufe des Jahres zu erwarten. Ob es 2019 in Österreich bereits erste Tarife mit 5G geben wird, ist allerdings offen.

Bis 5G den Massenmarkt erreicht, wird es jedenfalls etwas dauern - die ersten 5G-Geräte dürften nämlich deutlich über dem Preis eines Mittelklasse-Smartphones liegen. Auch müssen die Mobilfunkanbieter ihre Netze erst ausbauen und die Sendeanlagen auf 5G umrüsten. Bei LTE, der vierten Mobilfunkgeneration brauchte es ebenfalls eine gewisse Zeit, bis sich die Technologie durchsetzte.

Drei-Chef Jan Trionov erwartet 2019 erste Starts und 2020 dann die massenhafte Vermarktung. RTR-Chef Johannes Gungl sagte, die Betreiber A1, T-Mobile und Drei seien durch den stetig steigenden Datenverbrauch dazu „verdammt", 5G schnell einzuführen. 5G-Netze bieten bis zu zehnfach höhere Datengeschwindigkeiten als 4G-Netze (LTE), theoretisch sind bis zu 10 Gigabit pro Sekunde möglich.

ROBOTERWAGEN

Das Rennen um die Neuordnung des Verkehrsmarktes mit Hilfe selbstfahrender Autos ist voll entbrannt. Googles Schwesterfirma Waymo brachte bereits als erster Anbieter einen Robotertaxi-Service auf die Straße - wenn auch zunächst nur in einem Vorort der Stadt Phoenix im US-Staat Arizona. Doch in den Startlöchern stehen auch andere: Autobauer, Branchenzulieferer, Fahrdienst-Vermittler wie Uber und kaum bekannte Start-ups. Das Jahr 2019 könnte erste Hinweise darauf geben, was ihre Lösungen in der Praxis taugen.

MOBILES BEZAHLEN

Mit dem Smartphone statt mit Bankomatkarte oder mit Bargeld bezahlen: 2019 wird sich zeigen, ob Google Pay und Apple Pay der Technologie zum schnelleren Durchbruch verhelfen können. Und ob die beiden großen Smartphone-Player einen großen Teil der Bankenbranche überzeugen können, bei ihren Systemen mitzumachen, statt auf eigene Lösungen zu setzen.

DIGITALE ASSISTENTEN

Google und Amazon setzen aggressiv darauf, ihre sprechenden Helfer in so viele Geräte wie möglich zu bringen. Der Online-Händler brachte in den USA sogar eine Mikrowelle auf den Markt, die sich mit Hilfe der Assistenzsoftware Alexa per Sprachbefehl steuern lässt. Außerdem stehen Herstellern aller möglichen Hausgeräte fertige Einbau-Module für Sprachassistenten bereit. Es geht immer mehr darum, die Menschen permanent durch den Alltag zu begleiten.

Wichtige Menschen der Netzwelt für 2019

  • MARK ZUCKERBERG: Der erfolgsverwöhnte Facebook-Gründer musste sich 2018 immer wieder entschuldigen: Für den Datenskandal um Cambridge Analytica, für das Versagen im Kampf gegen Propaganda und Missbrauch, für Schmutzkampagnen gegen Kritiker. 2019 muss er es schaffen, das weltgrößte Online-Netzwerk wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Denn inzwischen leidet nach den Krisen auch das Geschäft und in Europa wandern die Nutzer ab. Und in der Politik werden Rufe nach einer Abspaltung von Diensten wie Instagram und WhatsApp lauter.
  • JEFF BEZOS: Kursgewinne der Amazon-Aktie haben den 54-jährigen Gründer des weltgrößten Online-Händlers zum reichsten Menschen der Welt gemacht. Zum Jahresende schätzt der Finanzdienst Bloomberg sein Vermögen auf 139 Milliarden Dollar. Der Titel lenkt stärker das Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen bei Amazon - aber auch darauf, was Bezos aus seinem Vermögen macht. Im September kündigt er an, zwei Milliarden Dollar für Kindergärten und den Kampf gegen Obdachlosigkeit zu spenden.
  • JOHN KRAFCIK: Der 57-Jährige spielt eine Vorreiterrolle in der Autoindustrie. Unter seiner Führung startet die Google-Schwesterfirma Waymo den weltweit ersten kommerziellen Robotertaxi-Service. In einem Vorort der Stadt Phoenix in Arizona können Einwohner weiße Minivans bestellen, die zunächst in einem eingeschränkten Gebiet unterwegs sind. Waymo experimentiert auch mit Roboterwagen, die ganz ohne Sicherheitsfahrer am Steuer auskommen sollen. Mit einem Erfolg könnte Waymo den Anspruch auf die Führung im autonomen Fahren untermauern und andere Entwickler sowie die Autohersteller unter Druck bringen.
  • MARGRETHE VESTAGER: Die EU-Wettbewerbskommissarin ist eine wichtige Figur in der Tech-Industrie, weil sie hart gegen US-Branchenriesen durchgreift. 2019 wird sie die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf den Prüfstand stellen müssen. Nachdem sie Google zur Änderung des Geschäftsmodells beim dominierenden Smartphone-System Android zwang, sollen künftig Gerätehersteller für Apps des Internet-Konzerns bezahlen. Und Google-Konkurrenten beschweren sich bereits über die Umsetzung einer Entscheidung von 2017, die zu mehr Konkurrenz bei Produktwerbung führen sollte.
  • SUNDAR PICHAI: Auf dem 46-jährigen Google-Chef lastet eine immer größere Verantwortung. Er muss den Internet-Konzern durch heftigen politischen Gegenwind steuern, während sich Google-Mitgründer Larry Page an der Spitze der Dachgesellschaft Alphabet weitgehend aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Von Pichais Weichenstellungen zu Themen wie künstliche Intelligenz, Datenschutz und Hass im Netz hängt die Zukunft von Google ab - in vieler Hinsicht auch, in welche Richtung es mit dem Web weitergeht.



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