Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.03.2019


Mobilfunk

Wertkarten-Handy: Nur registrierte Kunden können weiter telefonieren

Seit 1. Jänner besteht die Registrierungspflicht für alle neuen Wertkarten-Kunden. Damit soll gegen die organisierte Kriminalität vorgegangen werden.

Um telefonieren zu können, reicht eine Prepaid-Karte (der Kunde erwirbt im Voraus Guthaben) nicht mehr: Seit 1. Jänner 2019 müssen sich neue Wertkarten-Kunden registrieren.

© iStockphotoUm telefonieren zu können, reicht eine Prepaid-Karte (der Kunde erwirbt im Voraus Guthaben) nicht mehr: Seit 1. Jänner 2019 müssen sich neue Wertkarten-Kunden registrieren.



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Mit dem Wertkarten-Handy wird sofort das erste eigene Mobiltelefon assoziiert – war es doch einst ein beliebtes Weihnachtsgeschenk für Kinder. Sobald die SIM-Karte im Handy war, konnten die ersten SMS verschickt werden. So leicht geht es nun jedoch nicht mehr.

Die Wertkarten wurden zunehmend für kriminelle Handlungen wie Prostitutionshandel, Suchtmittelhandel oder auch gewerbsmäßigen Betrug verwendet. Daher verabschiedete der Nationalrat im vergangenen Jahr im Zuge des Überwachungs- und Datenschutz-Paketes ein neues Gesetz, das anonyme Wertkarten-Handys verbietet. So besteht seit 1. Jänner 2019 die Registrierungspflicht für alle neuen Prepaid-Kunden. Bestandskunden haben dafür noch bis zum 31. August dieses Jahres Zeit.

Allerdings herrscht über die neue Regelung noch relative Unwissenheit. „Die Kunden wissen zwar, dass sich etwas geändert hat. Aber man muss sagen, dass sie noch nicht restlos aufgeklärt sind“, weiß der Tiroler Tabaktrafikanten-Obmann Martin Wacker. So können zwar wie in der Vergangenheit Wertkarten beim nächstgelegenen Trafikanten gekauft werden, freigeschaltet werden sie zurzeit aber nicht überall in Tirol.

„Bei mir können Kunden aktuell nur Wertkarten kaufen, freischalten kann ich sie noch nicht. Ich warte noch, bis ich den Vertrag unterzeichnen kann. Erst dann kann ich in ein Portal einsteigen“, erklärt Wacker.

Das hat jedoch seinen Preis: Eine Registrierung bzw. Freischaltung in der Trafik kostet ab 7,90 Euro, nicht nur für den Kunden ist dies teuer, auch der Trafikant hat Einbußen: „Es rechnet sich auch für uns nicht, wenn man bedenkt, wie viel eine Arbeitsstunde den Arbeitgeber kostet und wie viel Zeit für eine Registrierung benötigt wird.“ So versteht Wacker, wenn Branchenkollegen mit einer kleineren Geschäftsfläche keine Registrierungen vornehmen.

Bei den Mobilfunk-Anbietern ändert sich hingegen nicht viel. Bei T-Mobile gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten für die Registrierung, wie Unternehmenssprecher Helmut Spudich erklärt: „Die Registrierung ist in allen unseren Shops möglich sowie online mit einem so genannten ‚Foto-Ident‘-Verfahren. Die Online-Identifizierung erfolgt über eine Video-Verbindung mit einem Kundenberater. Unsere Berater prüfen im Video-Chat das Ausweisdokument und führen die gesetzliche Identifizierung durch.“ Auch im ausgewählten Fachhandel kann diese Freischaltung erfolgen.

„Die Wertkarte muss beim Kauf jedoch nicht sofort registriert werden“, weiß A1-Unternehmenssprecherin Livia Dandrea-Böhm. Die Registrierung könne unabhängig vom Kauf durchgeführt werden und sei Voraussetzung für die Aktivierung der Wertkarte. Bei den Mobilfunk-Anbietern bzw. im ausgewählten Fachhandel ist dieser Akt hingegen kostenlos.

Die Nachfrage sei jedoch rückläufig: 2018 gab es bei A1 3,8 Millionen Vertrags- und 1,5 Millionen Wertkarten-Kunden. „Generell ist ein Trend hin zum Vertragskunden zu bemerken“, beobachtet Dandrea-Böhm. Die nun notwendige Registrierung würde diese Entwicklung noch beschleunigen: „Im Jänner und Februar gingen die Käufe zurück. Aber wir müssen uns noch etwas Zeit lassen, aktuell kann man das noch nicht seriös einschätzen“, sagt Spudich.

Auch in den Trafiken sank die Nachfrage in den vergangenen Jahren, wie Wacker weiß.