Letztes Update am Fr, 17.05.2019 14:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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#KuhKussChallenge: Initiatoren nehmen scharfe Kritik nicht ernst

Kühe-Küssen zum Spendensammeln, dazu ruft eine App derzeit auf. Ministerin Köstinger (ÖVP) ortet „gefährlichen Unfug“, auch aus Tirol kommt scharfe Kritik. Die Initiatoren weisen die Vorwürfe zurück.

Influencer sollen für einen guten Zweck Kühe küssen - "mit oder ohne Zunge". Die Challenge die über die Castl-App beworben wird, sorgt für Kritik.

© obs / Castl AGInfluencer sollen für einen guten Zweck Kühe küssen - "mit oder ohne Zunge". Die Challenge die über die Castl-App beworben wird, sorgt für Kritik.



Wien – Nach einem Schadenersatz-Urteil wegen einer tödlichen Kuhattacke hat die Regierung kürzlich ihr Aktionspaket „Sichere Almen“ vorgestellt. „Kühe sind grundsätzlich keine gefährlichen Tiere, aber Almen sind kein Streichelzoo“, sagte die Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Da lässt nun ein Spaß-Challenge aufhorchen: Influencer sollen für einen guten Zweck Kühe küssen – „mit oder ohne Zunge“.

Zahlreiche Influencer würden derzeit „die deutschen, österreichischen und Schweizer Weiden in eindeutiger Absicht unsicher“ machen, heißt es in einer Presseaussendung. Mitlachen und abstimmen könne jeder, „der die kostenlose Castl-App auf seinem Smartphone installiert hat“. Die #KuhKussChallenge unterstütze, „wie jede andere Castl Challenge“, mehr als 70 gemeinnützige Projekte und Organisationen. Mensch und Tier sollen bei der Challenge nicht zu Schaden kommen, wurde betont.

Grenzen der Tiere respektieren

„Das ist sehr gefährlich“, meinte Tirols Landesveterinärdirektor Josef Kössler zu der Challenge. Bei Mutterkühen sei es sogar lebensgefährlich. „Diesen Tieren darf man so keinesfalls begegnen“, sagte Kössler, der jedem davon abriet, bei dieser Aktion mitzumachen. Man müsse die Grenzen der Tiere respektieren. „Unbekannte Tiere anzugreifen ist unverantwortlich – aus Eigenschutz und aus Tierschutz“, fügte der Landesveterinärdirektor hinzu.

„Ich appelliere an die Initiatoren, dieses Projekt zu überdenken. Es gibt sicherlich andere Möglichkeiten, Spenden zu sammeln“
Tirols Landwirtschaftskammer Präsident Josef Hechenberger

Auch Tirols Landwirtschaftskammer Präsident Josef Hechenberger zeigte sich nicht besonders erfreut über die Challenge. „Dass nun unsere Tiere für einen Social-Media-Hype herhalten sollen, halte ich für sehr bedenklich, gerade im Hinblick auf mögliche Verletzungen“, meinte er. Einerseits brauche es Verhaltenstipps für Wanderer und andererseits gebe es dann derart skurrile Ideen. „Ich appelliere an die Initiatoren, dieses Projekt zu überdenken. Es gibt sicherlich andere Möglichkeiten, Spenden zu sammeln“, meinte Hechenberger.

Initiatoren weisen Kritik zurück

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger warnte ebenso davor, an dem „gefährlichen Unfug“ teilzunehmen. Sie erklärte am Donnerstag, mit den Initiatoren Kontakt aufnehmen zu wollen, um die Aktion zu stoppen. „Aktionen wie diese Challenge konterkarieren unsere Arbeit für ein gutes Miteinander auf den Almen, dafür habe ich nicht das geringste Verständnis“, so die Ministerin.

Die App-Verantwortlichen nehmen die Kritik aus Österreich aber nicht ernst. „Diese Panikmache von Leuten, die noch nie eine Kuh geküsst haben, verbitte ich mir“, so Castl CEO Marnus Flatz am Freitag in einer Aussendung. Wie beim Wandern sei ein gewisses Maß an Vorsicht auch im Umgang mit Kühen eine Frage des gesunden Menschenverstands. (TT.com, APA)