Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.05.2019


Innsbruck

Österreichisches Weltraumforum: Frisches Blut für den Mars-Anzug

Acht Analog-Astronauten, darunter ein Tiroler, wurden aus 100 Bewerbern ausgewählt.

Die Analog-Astronauten sollen den Mars-Anzug testen - wie 2018 im Oman.

© ÖWFDie Analog-Astronauten sollen den Mars-Anzug testen - wie 2018 im Oman.



Innsbruck – Liest man sich die Lebensläufe der acht Auserwählten durch, könnte man meinen, die NASA stellt ihre neuen Astronauten vor – nicht das Österreichische Weltraumforum (ÖWF). Ein Brite hat seinen Master-Abschluss in Weltraumphysiologie. Ein Niederländer, der Hauptmann der Luftwaffe ist, hat den Doktor in Astrophysik. Zwei Israelis dienten ebenfalls bei der Luftwaffe und haben sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert. Dazu gesellen sich ein Italiener, ein Grieche, eine Deutsche und ein Österreicher, die alle „hochspezialisiert“ sind, wie es Gernot Grömer vom ÖWF formulierte.

Gestern wurden die neuen Analog-Astronauten, die den Anzug des ÖWF in Mars-ähnlichen Situationen testen, in Innsbruck vorgestellt. „Weltweit gibt es nur fünf Gruppen, die einen Mars-Anzug testen. Und wir sind die Einzigen, die nicht für jede Operation neue Analog-Astronauten suchen müssen“, erklärte Grömer. Derzeit sind sechs Astronauten im aktiven Status, die acht neuen werden in den kommenden fünf Monaten trainiert.

Schon das Auswahlverfahren war fast so streng wie bei großen Weltraumorganisationen. „Wir hatten 100 internationale Bewerber und haben sie genau durchgecheckt, insgesamt 600 Parameter. Das reichte vom Cholesterinspiegel bis zum Umgang mit Kindern“, sagte Grömer und spielt darauf an, dass die Analog-Astronauten nicht nur im Feld sind, sondern Schülern die Forschung erklären. Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg war dem ÖWF dankbar, dass man junge Menschen begeistere. „Und ich bin stolz, dass eine österreichische Institution, die in Tirol ansässig ist, in der Analog-Forschung eine Vorreiterrolle einnimmt.“

Landesrat Bernhard Tilg (Mitte) und ein Teil der neuen Crew (v. l.): Alon Tenzer, Liad Yosef, Anika Mehlis und Robert Wild.
Landesrat Bernhard Tilg (Mitte) und ein Teil der neuen Crew (v. l.): Alon Tenzer, Liad Yosef, Anika Mehlis und Robert Wild.
- Land Tirol/Berger

Unter den acht neuen Analog-Astronauten ist auch ein Tiroler. Robert Wild hat in den USA studiert und arbeitet derzeit an der Uni Innsbruck an der Untersuchung interstellarer Moleküle – er wüsste also, was ihn in den Weiten des Alls erwartet. Vorerst aber geht es auf der Erde darum zu testen, wie eine echte Mission am Mars aussehen könnte.

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich den Analog-Astronauten bei der Mars-Simulation im Herbst 2020 in der israelischen Negev-Wüste. Es wird die 13. Mission des ÖWF. Der Weg zum Mars mag zwar immer noch weit sein und erst in 20, 30 Jahren Realität werden, aber Grömer meinte gestern: „Wir nehmen die größte Reise der Menschheit quasi schon vorweg.“ (chris)