Letztes Update am Mi, 22.05.2019 19:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Web und Tech

Eigenes Huawei-Betriebssystem womöglich schon ab Herbst

Noch heuer im Herbst oder spätestens im kommenden Frühjahr soll Huaweis hauseigenes Betriebssystem an den Start gehen. Auf Smartphone-Nutzer kommen möglicherweise einige Veränderungen zu.

Symbolfoto.

© AFPSymbolfoto.



Shenzhen — Der chinesische Huawei-Konzern will unter dem massiven Druck von US-Sanktionen sein eigenes Betriebssystem spätestens zum nächsten Frühjahr einsatzbereit haben. Es solle auf Smartphones, Computern, Tablets, Fernsehern, in Autos und tragbaren Geräten laufen und mit Android-Apps kompatibel sein, kündigte der Chef der Huawei-Verbrauchersparte, Yu Chengdong, laut Phoenix News vom Mittwoch an.

Die Software könne auch schon im Herbst fertig sein. Die bereits seit 2012 verfolgte Entwicklung eines eigenen Betriebssystems hat für den zweitgrößten Smartphone-Produzenten der Welt eine ganz neue Dringlichkeit bekommen, seit die US-Regierung die Geschäfte von US-Unternehmen wie Google mit dem chinesischen Konzern massiv einschränken will. Damit würde Huawei später als andere Smartphone-Anbieter an neue Versionen des Betriebssystems Android kommen und könnte keine Google-Dienste vorinstallieren.

90 Tage Aufschub für Huawei

Zunächst untersagte US-Präsident Donald Trump am Freitag alle Geschäfte, lockerte aber die Maßnahmen für 90 Tage. Damit soll vor allem weiter die Versorgung bereits ausgelieferter Smartphones sowie der Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik in ländlichen Regionen in den USA sichergestellt werden. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt und auch ein führender Netzwerkausrüster.

Für Nutzer von Huawei-Smartphones bedeutet der Schritt unter anderem, dass Google die Telefone heutiger Huawei-Kunden in den kommenden drei Monaten weiter in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann. Für die Verwendung von US-Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung aber nicht.

Die USA hatten Huawei auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Wer US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, muss eine Lizenz erwerben. Diese kann verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt sind.

Huawei wird von US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür wurden bis jetzt nicht öffentlich gemacht. Die USA drängen auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den künftigen superschnellen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten. Huawei wies die US-Vorwürfe stets zurück. (APA/dpa)

Mobilfunkriese EE startet 5G-Netz ohne Huawei-Geräte

Der britische Mobilfunkriese EE hat am Mittwoch für Ende Mai den Start seines 5G-Netzes verkündet. Doch anders als zuletzt mitgeteilt werden Kunden den Mobilfunkstandard der nächsten Generation zumindest vorerst nicht mit Telefonen von Huawei aus China nutzen können.

Nachdem EE noch in der vergangenen Woche angekündigt hatte, das Huawei Mate 20 X 5G nach Großbritannien zu bringen, wird das Gerät nach Angaben von EE-Chef Marc Allera nun noch zurückgehalten.

Grund sei, dass EE nicht die nötige Service-Sicherheit garantieren könne, sagte Allera. Deshalb sei der Launch der Huawei-Smartphones "pausiert" worden - so lange, bis EE die nötigen Informationen zur langfristigen Unterstützung der Kunden erhalte.

Hintergrund ist der massive Gegenwind aus den USA für den chinesischen Technologieriesen, ausgelöst durch ein Dekret von US-Präsident Donald Trump. Nachdem das US-Handelsministerium Huawei samt seiner Tochterfirmen auf eine schwarze Liste setzte, kappte der US-Gigant Google am Sonntag in weiten Teilen seine Geschäftsbeziehungen zu Huawei. Das wiederum könnte weitreichende Folgen für Nutzer von Huawei-Smartphones haben - mit Einschränkungen bei Updates des Android-Betriebssystems von Google oder Zugriff auf Dienste wie Gmail und Google Maps.

Zwar gewährte die US-Regierung am Montag einen Aufschub von drei Monaten für Technologieexporte an das chinesische Telekommunikationsunternehmen. Außerdem betonten sowohl Huawei als auch Google, für die Nutzer aktueller Geräte ändere sich zunächst nichts. Dennoch könnte die Ungewissheit Huawei vor wachsende Schwierigkeiten stellen, seine Telefone künftig außerhalb des chinesischen Heimatmarkts an die Kunden zu bringen.

EE kündigte indes an, dass das 5G-Netz des Mobilfunkanbieters am 30. Mai zunächst in sechs Städten ausgerollt werden soll: in London, in Cardiff in Wales, im nordirischen Belfast, im schottischen Edinburgh sowie in Birmingham und Manchester. Wie das zum Telekommunikationskonzern BT gehörende Unternehmen weiter mitteilte, sollen bis Ende 2019 bis zu 1500 Standorte erreicht werden.