Letztes Update am Fr, 31.05.2019 06:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Web und Tech

Katzenbabys im Kuhstall: Milch-Video polarisiert im Netz

Ein Werbevideo von AMA spaltet die Online-Community. Während die einen die als Kühe verkleideten Babykatzen als niedlich empfinden, sehen Kritiker einen Verstoß gegen die Tierrechte.

Dass die Kätzchen aus einer Schale Milch trinken, stößt manchem Kommentator sauer auf.

© Facebook/AMADass die Kätzchen aus einer Schale Milch trinken, stößt manchem Kommentator sauer auf.



Innsbruck, Wien - Flauschig und tollpatschig tapseln drei Babykatzen durch einen Kuhstall. Als wäre dies noch schon herzerwärmend genug hat das Werbebüro von AMA den niedlichen Tieren auch noch Mini-Outfits verpasst. Die Entzückung bei den Facebook-Nutzern, die das Video innerhalb von zwei Tagen mehr als 500 mal geteilt haben, ist groß - ebenso der Unmut einiger kritischer Zuseher.

Der Vorwurf: Auf diesem Bauernhof missachte man die Kastrationspflicht für Katzen und rücke ein ohnehin für Tierschützer leidiges Thema in ein falsches Licht.

Das Gesetz greift seit 2005 in Österreich und gilt für alle Freigängertiere. Tierschutzorganisationen prangerten lange an, dass sich Katzen auf Bauernhöfern - diese waren von der Plficht ausgenommen - zügellos und inzestiös vermehrten. Mit der Folge, dass sich Krankheiten immer weiter ausbreiteten, ungewollter Nachwuchs obwohl strafbar getötet wurde.

Mit April 2016 wurde die Kastrationspflicht auch auf landwirtschaftliche Betriebe ausgeweitet. Die Babykatzen im Video dürften - so sie nicht von einem eingetragenen Züchter stammen - also rechtlich gesehen nicht auf dem Hof geboren worden sein.

Auf Nachfrage der TT teilt AMA-Pressesprecherin Manuela Schürr mit, dass der Bauernhof, auf dem die Tiere zur Welt gekommen sind, als Züchter eingetragen sei. Somit besteht hier kein Rechtsverstoß.

Doch die Kritik in den Kommentaren geht weiter: Die Kleinen trinken aus einer Schale Milch, die Kühe im Hintergrund fressen sauberes Stroh. „Bei uns möchte jeder Kuh sein", wirbt das Unternehmen am Ende des 30-sekündigen Spots. Dabei ist Milch für Katzen ab einem gewissen Alter schädlich. Zwar sind sie anfangs auf die Muttermilch und das darin enthaltene Enzym Laktase angewiesen. Nach und nach wird immer weniger davon im Mutterleib produziert, um die jungen Tiere zu entwöhnen. Dementsprechend reagiert deren Körper später negativ auf Milch (Durchfall, Blähungen). Wie alt die Kitten sind und ob sie noch von der Mutter gesäugt werden ist im Video nicht ersichtlich. AMA beruhigt. „Bei dem Dreh war auch eine Tierärztin anwesend, die das Ganze überwacht hat", erklärt Schürr.

Das Video - das von AMA als bezahlte Einschaltung verschiedenen Nutzern angezeigt wird - ist seit Dienstag online, über 1700 Kommentare gibt es dazu. (jazz)