Letztes Update am Di, 04.06.2019 15:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


#Wethenipple

Hunderte demonstrierten nackt gegen Facebooks Nippel-Zensur

Unbekleidet mit Bildern von Brustwarzen lagen am Sonntag hunderte Demonstranten vor der Facebook-Zentrale in New York auf dem Boden. Sie protestierten gegen die Zensur von Nacktheit auf dem Online-Netzwerk.

Der Künstler und Fotograf Spencer Tunick bei der Aktion #WeTheNipple am Sonntag in New York.

© Screenshot/Instagram/spencertuniDer Künstler und Fotograf Spencer Tunick bei der Aktion #WeTheNipple am Sonntag in New York.



New York — #Wethenipple nannte sich dieser Protest der besonderen Art. Am Sonntag lagen und standen 125 Menschen vollkommen entblößt vor dem Facebook-Büro in New York. Nackt und mit Schildern, die übergroße Brustwarzen abbildeten, in der Hand sorgten sie nicht nur auf dem Astor Platz für großes Aufsehen. Und genau das wollten die Demonstranten unter der Leitung von Organisator Spencer Tunick auch.

Der Künstler, der für die temporären Installationen von nackten Menschen bekannt ist, möchte gemeinsam mit der National Coalition Against Censorship erreichen, dass auf Facebook und Instagram Nacktheit zumindest im künstlerischen Zusammenhang erlaubt wird.

Die Aktion richtete sich nämlich gegen die Zensur von Nacktheit in den sozialen Netzwerken. Die Aktivisten machten auf die Ungleichheit der Geschlechter bei der Zensur von Nacktheit im Netz aufmerksam, denn meist werden nur weibliche Nippel ausselektiert.

Die Teilnehmer hielten daher auch Bilder von männlichen Brustwarzen hoch, um so einer Sperrung in den sozialen Medien zu entgehen. Die Fotos wurden von Promis „gespendet". Laut Guardian sah man unter anderem die Brustwarzen von Schauspieler Adam Goldberg und Chad Smith, Drummer der Red Hot Chili Peppers.

250 Künstler, Museen und Organisationen unterschrieben Petition

In einem offenen Brief an Facebook fordert die Organisation die Lockerung der Richtlinien für Nacktheit im künstlerischem Sinne. Über 250 bekannte Künstler, Museen und Kunstorganisationen haben die Petition unterschrieben. Durch die Zensurmaßnahmen würden viele Künstler davon abgehalten, ihre Arbeiten online zu teilen. Auch Museen würden daran gehindert, Ausstellungen in den Online-Netzwerken zu bewerben, wenn darin Nacktaufnahmen zu sehen seien, kritisierten die Aktivisten.

Seit Jahren sorgt Facebooks Löschpolitk immer wieder für Irritationen und Diskussionen. Von der automatischen Erkennung waren schon Hundewelpen betroffen, das System verwechselte sie mit einem Penis. Historische Gemälde und Skulpturen sind eigentlich ausgenommen, doch auch sie fielen schon dem Algorithmus zum Opfer und wurden erst nach einem öffentlichen Aufschrei wieder zugelassen.

Fotograf und Künstler Tunick kämpft bereits seit Jahren gegen Facebooks Regeln. 2014 schlug die Zensur nämlich bei ihm zu und sperrte seine Seite wegen „anstößiger" Inhalte. (TT.com)