Letztes Update am Mo, 12.08.2019 12:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Test

ZTE Axon 10 Pro 5G: Außenseiter als Geheimtipp in der Oberklasse

Vor wenigen Wochen hat der chinesische Smartphone-Hersteller ZTE das Axon 10 Pro 5G als sein neues Flagschiff-Modell auf den Markt geworfen. Wir haben uns im Test angesehen, was das Gerät kann und ob sich ein Kauf lohnt.

Das ZTE Axon 10 Pro.

© RehfeldDas ZTE Axon 10 Pro.



Innsbruck — Geschmeidig, stabil, schick: Mit seinem neuen Flagschiff-Modell Axon 10 Pro 5G schickt der chinesische Smartphone-Hersteller ZTE ein Gerät ins Rennen, das designtechnisch sofort überzeugt. Die 6,47 Zoll (16,43 cm), die das AMOLED-Display (Notch inklusive) misst, wirken nur auf dem Papier üppig — in der Hand liegt das Smartphone dank abgeschrägter Kanten und einer Dicke von nur 7,9 mm sehr gut. Menschen mit kleinen Händen werden aber nicht drumherum kommen, beide Hände zum Bedienen zu verwenden.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Beim schnellen Draufschauen könnte man meinen, man hat es mit dem zierlichen Bruder eines Huawei P20 Pro oder Xiaomi A3 zu tun. Die funkelnd blaue Glasrückseite des Axon 10 Pro sieht zwar sehr schick aus, aber leider nur unmittelbar nach dem Putzen. Man hat das Gefühl, man muss das Gerät nur schief ansehen und schon sind Fingertapper zu sehen.

Edel: Die Glasrückseite des ZTE Axon 10 Pro. Weniger edel: Fingerabdrücke sind nach wenigen Sekunden zu sehen.
Edel: Die Glasrückseite des ZTE Axon 10 Pro. Weniger edel: Fingerabdrücke sind nach wenigen Sekunden zu sehen.
- Rehfeld

Kraftpaket mit Ausdauer und Schnellladefunktion

Kommen wir zu dem, was wirklich zählt: das Innere. Das Axon 10 Pro ist mit einem Qualcomm-Snapdragon-855-Chip ausgestattet und kommt mit einer Octa-Core-CPU daher. Der Speicherplatz ist mit 256 GB schon sehr großzügig, kann aber via microSD-Karte sogar noch auf bis zu 2 Terabyte ausgeweitet werden. Als Arbeitsspeicher stehen 8 GB zur Verfügung. Das Smartphone ist Dual-SIM- und 5G-fähig.

Der Akku des ZTE-Modells ist mit 4000 mAh ein erstaunlich ausdauerndes Kraftpaket, das einen sicher durch den Tag und (je nach Gebrauch) sehr wahrscheinlich auch noch durch einen zweiten bringt. Geht der Saft aus, kommt man dank Schnellladefunktion wieder recht flott zu einem vollen Akku. Wer drahtlos laden will, kann auch dies tun. Aber Vorsicht, die glatte Rückseite des Smartphones kann dazu führen, dass das Gerät verrutscht.

ZTE Axon 10 Pro: Technische Daten

  • Speicher: 256 GB, 8 GB RAM (per Micro-SD-Karte auf bis zu 2 TB erweiterbar)
  • Display: AMOLED, 6,47 Zoll (16,43 cm), 1080 x 2340 px (396 dpi)
  • Abmessungen: 159,2 x 73,4 x 7,9 mm
  • Gewicht: 175 g
  • Sensoren: In-Display-Fingerabdrucksensor
  • Kamera(s):
    Hauptkamera: 48 MP (f/1.7) + 20 MP (f/2.2) + 8 MP (f/2.4)
    Selfie-Kamera: 20 MP (f/2.0)
  • Video: 30 fps, 3840 x 2160 px
  • Audio: Stereo, Dolby Atmos, kein Aux-Anschluss,
  • Weitere Funktionen: 5G-Mobilfunk, wasserdicht
  • SIM: Dual-SIM (Nano-SIM)
  • Akku: 4000 mAh, Schnellladefunktion (Quick Charge 4+)
  • Betriebssystem: Android 9.0 (Pie); MiFavor 9.1
  • Preis: 599 Euro

Als Betriebssystem dient Android 9.0 (Pie), überzogen wurde es mit MiFavor 9.1. Allerdings wirkt die Oberfläche ein wenig trist und simpel gehalten. Es ist freilich alles Notwendige vorhanden, Schnickschnack findet man aber ebenso wenig, wie besonders große Liebe zum Detail (beispielsweise bei den App-Symbolen).

Alles da, aber irgendwie wirkt Android 9.0 mit MiFavor 9.1 etwas trist.
Alles da, aber irgendwie wirkt Android 9.0 mit MiFavor 9.1 etwas trist.
- Rehfeld

Das ZTE Axon 10 Pro hat einen In-Display-Fingerabdrucksensor und Gesichtserkennung. Testen konnten wir beides nicht, da die Funktionen im Pressegerät seitens des Herstellers nicht verfügbar waren. Im Netz finden sich diverse Meinungen zu diesen Features. Das Fazit der meisten Tester: Der Sensor funktioniert recht zuverlässig, wirkt aber - ebenso wie bei der Konkurrenz - noch nicht ausgereift.

Kamera hätte eine bessere App verdient

Im ZTE Axon 10 Pro wurden (wie bei vergleichbaren Modellen der Konkurrenz) auf der Rückseite drei Linsen mit unterschiedlichen Brennweitern verbaut (siehe Factbox zu den technischen Daten). Sie ragen 2 mm aus dem Gehäuse empor. Das stört nicht weiter - das Handy liegt dennoch stabil auf dem Tisch und wackelt kaum.

Die Kamera-App beim ZTE Axon 10 Pro wirkt irgendwie spartanisch, obwohl eigentlich alles Notwendige da ist.
Die Kamera-App beim ZTE Axon 10 Pro wirkt irgendwie spartanisch, obwohl eigentlich alles Notwendige da ist.
- Screenshot

Die Hauptkamera nimmt 48-MP-Bilder auf. Daneben gibt es ein 8-MP-Teleobjektiv (mit optischem Dreifach-Zoom) und eine Ultraweitwinkel-Linse mit 20-MP-Sensor. Die Kamera nimmt standardmäßig in einer Auflösung von 12 MP auf - in den Einstellungen lässt sich das ganz einfach auf 48 MP umstellen, zoomen kann man dann aber nicht mehr.

Rein von der Hardware her kann die Kamera durchaus mit der Konkurrenz mithalten - in der Software bzw. der Kamera-App macht sich die oben bereits erwähnte fehlende Liebe zum Detail aber schon ein bisschen bemerkbar. ZTE wartet zwar mit diversen Effekten und Zusatzoptionen auf. Die künstliche Intelligenz der Software hilft auch durchaus bei schlechten Lichtverhältnissen, erkennt bestimmte Motive und versucht, das Bild zu verbessern.

So richtig rund wirkt die Sache aber dennoch nicht: Der (von der Software berechnete) Weichzeichner-Effekt bei Portraits und Selfies wirkt beispielsweise etwas unkontrolliert. Bei Tageslicht lassen sich wirklich herzeigbare Fotos in ausgezeichneter Qualität aufnehmen. Wird es dunkler, versucht die Software zwar zu helfen, schafft das aber leider nicht wirklich zufriedenstellend. Für WhatsApp-User, Instagrammer und begeisterte Hobbyknipser reicht's freilich allemal.

Farblich einwandfrei und gestochen scharf: Das Axon 10 Pro von ZTE liefert anständige Bilder.
Farblich einwandfrei und gestochen scharf: Das Axon 10 Pro von ZTE liefert anständige Bilder.
- Rehfeld

Die Klinke hat endgültig ausgedient, der Ton macht die Musik

Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Ladegerät (mit Schnellladefunktion) auch die in der Branche mittlerweile üblichen, weißen Ohrstöpsel im Apple-Look. Sie lassen sich in den USB-C-Ladeanschluss des Geräts stecken — das Axon 10 Pro geht offensichtlich mit der Zeit und kommt wie die Konkurrenz ohne Aux-Anschluss aus.

Die Klangqualität wird vom Hersteller als einzigartig angepriesen. So heißt es: "Die Kombination aus einem eingebauten Qualcomm Hi-Fi Codec Chip und der neuesten DTS:X Ultra Audio-Technologie lässt Endkunden auch unterwegs ganze Musikalben sowie den Sound von Videos und Filmen auf dem Smartphone in Heimkino-Qualität erleben". Wir sagen: Der Sound klingt recht passabel, hebt sich aber auch nicht von Konkurrenz-Smartphones ab. Außerdem: Für Musik auf Spotify und Videos auf YouTube reicht es allemal. Und mehr konsumieren heutzutage wohl die Wenigsten.

Fazit: Geheimtipp in der Oberklasse

Wer meint, dass die Smartphone-Welt derzeit nur aus Apple, Samsung und Huawei besteht, der irrt. ZTE braucht sich mit dem Axon 10 Pro nicht verstecken. Das Gerät ist solide verarbeitet und wirkt dementsprechend edel, verfügt über ausreichend Leistung für alltägliche Anwendungen und hat eine wirklich passable Kamera.

Dass das Smartphone 5G-fähig ist und so beworben wird, dient derzeit wohl überwiegend zu Werbezwecken. Zwar haben erste Mobilfunkanbieter in Österreich schon entsprechende Tarife präsentiert. T-Mobile hat beispielsweise angekündigt, 5G in 17 Orten in Österreich zur Verfügung zu stellen - darunter fünf Orte in Tirol. Der Mobilfunkstandard soll aber flächendeckend erst Ende 2025 verfügbar sein. Sprich: Im Moment hat man in Österreich nicht wirklich einen Vorteil, wenn man ein Gerät mit 5G hat.

Da das ZTE Axon 10 Pro aber mit rund 600 Euro trotz 5G-Unterstützung, passabler Hardware und Top-Kamera preislich noch unter anderen Oberklasse-Smartphones liegt, ist es ein echter Geheimtipp. (TT.com/reh)