Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.08.2019


Bezirk Imst

App für Mitfahrgelegenheit: Im Pitztal überlegt man „ummadum“

Eine Tiroler App bringt nicht nur Mitfahrgelegenheiten, sondern dem Fahrer auch in Geschäften einlösbare Mobilitätspunkte. Der Arzler Bürgermeister sieht darin eine Alternative zu einem Nightliner für das Pitztal.

Die App von „ummadum“ wird in Wattens und Schwaz bereits gut angenommen.

© ummadumDie App von „ummadum“ wird in Wattens und Schwaz bereits gut angenommen.



Von Alexander Paschinger

Arzl i. P., Mieming, Oetz, Wattens – Mitfahrgelegenheiten werden immer wieder gesucht – und gefunden. Sei es mit dem Daumen raus, einem Aufkleber, einer speziellen Bank – oder in digitalen Zeiten per Social Media und nun auch per App. Sehr erfolgreich auf letzterer Ebene ist das System von „ummadum“ in Wattens und Schwaz. Von dem ist auch der Arzler Bürgermeister Josef Knabl überzeugt – er möchte „ummadum“ nun ins Pitztal bringen – eine App mit „Mobilitätspunkten“. Diese werden dem Fahrer gutgeschrieben, der Leute mitnimmt. Und die kann er dann in Geschäften und bei Partnern einlösen: 100 Meter entsprechen einem Punkt – und der bringt einen Cent. „Das ist perfekt“, ist Knabl überzeugt, „das löst einige Verkehrsprobleme und nützt der Wirtschaft im Tal.“

In den nächsten Wochen will der Arzler Dorfchef eine Informationsveranstaltung mit allen Gemeinderäten der vier Pitztaler Gemeinden sowie möglichen Partnern in die Wege leiten. „Da wird das System noch einmal vorgestellt“, so Knabl. Noch einmal, weil es bereits eine Information gegeben hatte. Da war aber das politische Interesse noch gering. „Dabei wäre das für uns im Pitztal eine Alternative zu Nightliner-Überlegungen oder Taxisystem.“

Geschäftsführer von „ummadum“ ist Rene Schader. Im Oktober war das System, das von der Firma Swarovski und dem BKH Schwaz gefördert wird, gestartet worden. „Wir haben aktuell 942 User, zählen etwa 50 gemeinsame Fahrten pro Woche und verbuchten bereits 50.000 gemeinsame Kilometer“, so Schader. „Das entspricht einer CO2-Einsparung von etwa neun Tonnen.“

Die Mitfahrerbank von Oetz ist hingegen oft leer.
Die Mitfahrerbank von Oetz ist hingegen oft leer.
- Reichle

Knabl leuchtet das Prinzip des Systems, bei dem die User ab September auch selber Punkte einkaufen können, ein. „Ich kann mir auch vorstellen, dass sich auch die Gemeinde als Anstoß beteiligt.“ Immerhin kosten andere Lösungen auch etwas.

Im Bezirk wäre das die erste digitale Lösung. Analoge gibt es bereits: Mieming machte etwa 2012 den Anfang. Werner Wachter startete dort mit seiner Frau die private Ini­tiative „nimmimit“: Denn über 90 Prozent der lokalen Fahrzeuge, so ergab seine Zählung, waren nur mit einer Person besetzt. „Es ist schon noch existent, wird aber nicht sehr gelebt“, meint dazu BM Franz Dengg. Am Anfang waren viele Fahrzeuge mit dem „Nimmimit“-Pickerl unterwegs. „Das war eine gute Aktion“, sieht Dengg vor allem die Bewusstseinsbildung.

Vor gut zwei Jahren wurde dann in Oetz eine „Mit­fahrerbank“ ins Leben gerufen. „Wir haben noch einmal versucht, mit einem Postwurf die Aktion anzukurbeln“, hadert BM Hansjörg Falkner ebenfalls mit dem Interesse.

Für „ummadum“-Geschäftsführer Schader sind solche Initiativen sehr positiv: „Mitfahrbänke kann man bei uns gut einbinden“, sagt er. Außerdem sei geplant, das System auf ganz Österreich auszuweiten.