Letztes Update am Di, 17.09.2019 13:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Transparenzbericht

Kampf gegen Betrüger: Tripadvisor löschte 2018 1,4 Mio. Fake-Bewertungen

Online-Bewertungen sind eine wichtige Informationsquelle, wenn es ums Thema Reisen geht. Nun gibt die Bewertungsplattform Tripadvisor erstmals eine detailreiche Auskunft über die Anzahl gefälschter Bewertungen – und wie diese entdeckt und gelöscht werden.

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© pixabay(Symbolbild)



Paris – Das Reise-Bewertungsportal Tripadvisor hat zum ersten Mal einen Transparenzbericht veröffentlicht und nach eigenen Angaben voriges Jahr rund 1,4 Millionen falsche Bewertungen über Restaurants, Hotels und andere Freizeitorte gelöscht. Der 29-seitige Bericht gibt Einblick in Details der Moderationsprozesse von Bewertungen sowie statistische Daten zur Anzahl der Fälschungsversuche im Jahr 2018.

Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, dienten als Grundlage für den Report die insgesamt 66 Millionen Bewertungen, die Reisende aus der ganzen Welt 2018 an Tripadvisor schickten. Fast 97 Prozent davon wurden nach einer automatischen Prüfung veröffentlicht.

„Täglicher Kampf“ um Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit

Die anderen Bewertungen wurden entweder automatisch abgewiesen oder zur weiteren Prüfung an Mitarbeiter von Tripadvisor übergeben. Das System prüft nach Angaben des Bewertungsportals, ob die abgegebenen Meinungen angemessen sind, nicht kommerziell oder verzerrt erscheinen und auf einer direkten Erfahrung basieren. Abfällige Bemerkungen werden ebenso abgelehnt wie augenscheinlich gekaufte Bewertungen und Versuche, die Kunden zu täuschen – etwa dann, wenn die Bewertung aus dem Haus selbst kommt.

Auch nach der Veröffentlichung können Nutzer Bewertungen melden, die ihnen eigenartig vorkommen. Tripadvisor zufolge war das 2018 in weniger als einem Prozent der Fall. Davon wurden nach einer Prüfung 43 Prozent der Einträge wieder gelöscht.

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Das Bewertungsportal wolle eine „verlässliche Quelle glaubwürdiger Informationen“ sein, versicherte das Unternehmen. In den vergangenen Jahren sei viel investiert worden, um Betrug aufzudecken – das sei jedoch ein „täglicher Kampf“ und weiter verbesserungswürdig.

Transparenzbericht: Die wichtigsten Erkenntnisse

155 Millionen Inhalte wurden im Jahr 2018 von Nutzern auf TripAdvisor eingereicht, darunter 66 Millionen Bewertungen.

2,7 Millionen der übermittelten Bewertungen wurden zusätzlich von einem umfassend geschulten Moderationsteam überprüft.

4,7 Prozent aller eingereichten Bewertungen wurden abgelehnt oder gelöscht – entweder durch die Analysetechnologie oder manuell durch das Moderationsteam. Es gibt eine Vielzahl an Gründen warum TripAdvisor eine Bewertung ablehnt oder entfernt, angefangen von Verstößen gegen die Richtlinien bis hin zu Bewertungsbetrug.

2,1 Prozent aller eingereichten Bewertungen – also 1,386 Bewertungen – wurden als gefälscht bzw. betrügerisch identifiziert. Die große Mehrheit dieser (73 Prozent) wurden bereits vor der Veröffentlichung abgefangen.

Weniger als ein Prozent der Reviews wurden durch Mitglieder oder Betriebe, wegen möglicher Richtlinienverstöße gemeldet. Das Moderationsteam hat die meisten dieser Meldungen innerhalb von sechs Stunden nach ihrer Übermittlung überprüft.

34.643 Unternehmen wurden 2018 mit einer Herabstufung im Ranking belegt, weil sie dabei erwischt wurden, Fake-Bewertungen zu posten. Dies bedeutet, dass ein Betrieb vorübergehend seine eigentliche Position im Beliebtheitsranking verliert.

Den gesamten Transparenzbericht gibt es hier: https://go.tt.com/2lY6uUE

Bezahlte Betrüger finden und eliminieren

Der Transparenzbericht informiert zudem darüber, was Tripadvisor alles unternimmt, um bezahlten Bewertungsbetrug zu unterbinden. Bezahlter Bewertungsbetrug kann sowohl von Einzelpersonen oder Unternehmen angeboten werden und zielt darauf ab, Bewertungen von vermeintlichen Nutzern an Betriebe zu verkaufen, die auf der Plattform gelistet sind.

Seit 2015 habe Tripadvisor die Aktivitäten von mehr als 75 Webseiten gestoppt, die beim Versuch, Bewertungen zu verkaufen, erwischt worden seien. Darunter eine Person, die im vergangen Jahr im italienischen Lecce zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Mitbewerber müssen nachziehen

Im Rahmen der Transparenzinitiative will das Portal künftig weitere Einblicke in die Moderationsprozesse und in die Betrugsermittlungen geben – auf dem Tripadvisor Insights Blog. Tripadvisor-Sicherheitschefin Becky Foley nimmt auch die Mitbewerber in die Pflicht: „Solange andere Bewertungsplattformen keine starken Maßnahmen ergreifen, werden Betrüger weiterhin kleine Unternehmen ausbeuten und erpressen. Es ist an der Zeit, dass andere Plattformen wie Google und Facebook Initiative ergreifen und uns darin unterstützen dieses Problem anzugehen.“

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Auch der Hotelverband Deutschland hofft, dass andere Plattformen dem Beispiel von Tripadvisor folgen, um Betrügern das Handwerk zu legen: „Bewertungen sind für Millionen von Tourismusunternehmen auf der ganzen Welt von enormer Bedeutung. Daher ist es sehr ermutigend zu sehen, dass eine große Bewertungsplattform so detaillierte Informationen über ihre Prüfmechanismen und Resultate veröffentlicht.“

„Schwarmintelligenz“ als Plus für Reisende

Für Pascal Lamy, Geschäftsführer der Welt-Tourismus-Organisation UNWTO stellt die Transparenz-Offensive ebenso eine erfreuliche Entwicklung dar. Es sei wichtig zu wissen, wie Fake-Bewertungen überwacht, gefunden und bestraft werden. Dem Betrug müsse Einhalt geboten werden, weil die „Schwarmintelligenz“ der Bewertungen für Reisende ein echtes Plus darstelle, sofern die Inhalte glaubwürdig seien.

Erst vor zwei Monaten hatte Tripadvisor eine Studie zum Einfluss von Bewertungen auf das Buchungsverhalten veröffentlicht. Die Studie zeigte deutlich, wie wichtig Reisenden echte Einschätzungen von echten Menschen bei der Ferienplanung sind. 72 Prozent der Befragten lesen immer oder häufig Bewertungen, bevor eine Entscheidung hinsichtlich der Unterkunft, dem Restaurant oder den Unternehmungen getroffen wird. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) stimmten zu, dass sie niemals ein Hotel buchen würden, das keine Bewertungen hat. (APA/AFP, TT.com)