Letztes Update am Fr, 11.10.2019 10:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Web und Tech

Amazon-Mitarbeiter konnten Kunden beim Sex zusehen

Der Onlinehändler Amazon hat zugegeben, dass Aufnahmen aus der vernetzten „Cloud Cam“ von Mitarbeitern ausgewertet werden. Zwei Angestellte verrieten, dass sie schon Kunden beim Sex beobachten konnten. Außerdem seien Videos weitergegeben worden.

Symbolfoto.

© AmazonSymbolfoto.



Innsbruck — Groß war der Aufschrei, als im April bekannt wurde, dass Amazon seine Mitarbeiter die Unterhaltungen seiner Kunden mit dem Sprachassistenten Alexa auswerten lässt. Wie nun bekannt wurde, war das aber offenbar nur die Spitze des Eisberges.

Das Nachrichtenportal Bloomberg berichtete am Donnerstag, dass der Onlinehändler nicht nur mithört, sondern auch fleißig mitschaut. Nämlich bei Amazons hauseigener „Cloud Cam" (Anm.: Eine vernetzte Überwachungskamera, die mithilfe künstlicher Intelligenz jede Bewegung registriert). Laut Bloomberg sollen Mitarbeiter in Rumänien und Indien gezielt Videoaufnahmen auswerten, „um das System zu trainieren".

Es solle beispielsweise lernen, zwischen „gewöhnlichen" Bewegungen (zum Beispiel von Haustieren) und „Bedrohungen" (etwa durch Einbrecher) zu unterscheiden. Dass die Amazon-Mitarbeiter dabei auch Aufnahmen von Kunden bei allen möglichen Beschäftigungen vor die Linse bekommen, liegt auf der Hand.

Amazon gibt zwar zu, dass Clips ausgewertet werden. Allerdings würden die Videos nur von unternehmensinternen Testern bzw. von Kunden stammen, die der Auswertung ausdrücklich zugestimmt hätten. Zwei Mitarbeiter, die für die Auswertung der Videos zuständig sind, bestreiten das aber. Sie verrieten Bloomberg, dass sie Dinge gesehen hätten, die mit Sicherheit nicht bewusst weitergegeben wurden.

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Kunden beim Sex beobachtet

Konkret berichtet sie davon, dass sie Menschen beim Sex beobachten konnten. Etwa 150 Aufnahmen — jeweils zwischen 20 und 30 Sekunden — würden pro Tag ausgewertet. Dafür soll es im Gebäude sogar einen eigenen Bereich geben, wo Handys tabu und die Sicherheitsstandards höher sind. Dennoch gelang es angeblich einigen Angestellten, Videos weiterzugeben.

Kleiner Trost für Kunden hierzulande: Die „Cloud Cam" wird derzeit nicht nach Österreich geliefert. Im restlichen Europa ist sie für etwa 85 Euro zu haben. Die Kamera speichert Aufzeichnungen 24 Stunden lang in der Amazon Cloud. Um mehr als 24 Stunden speichern zu können, braucht man ein kostenpflichtiges Abo. (TT.com/reh)