Letztes Update am Di, 03.12.2019 15:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Spektakuläres Video: Tiroler Wibmer mit Sprung über 25 Stufen

Schnell, mit hohen Sprüngen und vielen Treppen — so lässt sich das Video „Urban Freeride Lives 3“, das seit Dienstag online ist, beschreiben. Bei der Vorpremiere in Innsbruck hat der Mountainbiker und YouTuber Fabio Wibmer mit der Tiroler Tageszeitung Online über Angst und seinen Antrieb gesprochen.

Fabio Wibmer streicht mit "Urban Freeride Lives 3" die berüchtigten "25 Stairs" in Lyon von seiner Bucket List, ein 4,5 Meter hohes und 6,7 Meter langes Treppenset, das vor allem in der Skateboard- und Actionsports-Szene Berühmtheit genießt.

© Hannes BergerFabio Wibmer streicht mit "Urban Freeride Lives 3" die berüchtigten "25 Stairs" in Lyon von seiner Bucket List, ein 4,5 Meter hohes und 6,7 Meter langes Treppenset, das vor allem in der Skateboard- und Actionsports-Szene Berühmtheit genießt.



Von Vanessa Grill

Innsbruck — Der Saal 1 im Innsbrucker Metropol-Kino ist gefüllt mit Kindern und Jugendlichen. „Elias, Elias" ertönt es, als ein Bub in den mittleren Reihen einen seiner Helden entdeckt — und gemeint ist nicht Teenie-Schwarm Elyas M'Barek („Fack ju Göhte"). Sofort kramen die Kids Stifte und Helme hervor, und kurze Zeit später drängt sich eine ganze Schar um Elias Schwärzler, der geduldig in Handykameras lächelt, Fragen beantwortet und unterschreibt, was ihm unter die Nase gehalten wird.

Der 24-jährige Downhiller ist gekommen, um sich die Vorpremiere des neuen Clips „Urban Freeride Lives 3" seines Freundes Fabio Wibmer anzusehen, an dessen Produktion er maßgeblich beteiligt war.

Der Osttiroler Wibmer ist einer der drei reichweitenstärksten YouTuber Österreichs. Mit seinen Bike-Stunts-Videos erreicht er Millionen. Auf seinem YouTube-Kanal präsentiert er nicht nur Videos, die mit einem seiner Sponsoren „Red Bull" gedreht wurden, sondern auch eigene kurze und längere Clips — unter anderem die „Sick Series", in denen er sich gemeinsam mit Schwärzler selbstauferlegten Herausforderungen auf dem Bike stellt. Sogar eine Modelinie ist davon bereits entstanden. Schildkappen, Hoodies, T-Shirts - der Schriftzug „Sick Series" ist an dem Freitagabend Ende November im Metropol überall zu sehen.

Die Fans machen noch ein Foto mit einem der Bikes, die der Wahl-Innsbrucker beim Dreh nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen hat. „Eines musste dran glauben", berichtet der 24-Jährige. Dann folgt gespanntes Warten auf den Film, den Fabio Wibmer und seine Freunde in Paris und Lyon gedreht haben. Die vielen Treppen waren es, warum die Wahl auf die zwei französischen Großstädte fiel. Beinahe wäre der Film nicht rechtzeitig fertig geworden: „Wir haben bis 3 Uhr Früh geschnitten. Es sind Computerprobleme dazugekommen", verrät Wibmer.

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Noch kein Biker schaffte die "Boulala-Stairs"

Und dann geht's schon los von Paris nach Lyon: treppauf, treppab, über Brücken, von Mauern, durch enge Gassen und Fußgängerzonen, wieder über Treppen und Stufen. Eines der Highlights sind die 25 Stufen in Lyon, unter Skateboardern auch bekannt als „Boulala-Stairs" . Viele Skater haben sich bereits daran versucht. Aaron „Jaws" Homoki ist es 2012 erstmals gelungen, das Treppenset ohne Sturz zu meistern.

Hannes Berger (Fotograf), Fabio Wibmer, Elias Schwärzler (Biker und Webvideoproduzenten) und Marius Prell (Cutter und Viodeographer) freuen sich über ihr gelungenes Projekt bei der Präsentation des Clips "Urban Freeride Lives 3" im Innsbrucker Metropol.
Hannes Berger (Fotograf), Fabio Wibmer, Elias Schwärzler (Biker und Webvideoproduzenten) und Marius Prell (Cutter und Viodeographer) freuen sich über ihr gelungenes Projekt bei der Präsentation des Clips "Urban Freeride Lives 3" im Innsbrucker Metropol.
- Jonas Drechsler

„Meines Wissens hat das noch kein Biker geschafft", erklärt Wibmer abseits des Films das Motiv für sein riskantes Vorhaben. Wird im Film ein geglückter, spektakulärer Stunt über das imposante Treppenset gezeigt, sieht man im im Anschluss in „Behind The Scenes", wie Wibmer und seine Crew mit dem Projekt beinahe an der Lyon 25 scheiterten. Security, Polizei und ein Sturz verhinderten den Erfolg beim ersten Mal. Ein ausgeklügelter Plan, Unverfrorenheit und eine gehörige Portion Glück ließen Wibmer mit seinem Bike dann doch noch viereinhalb Meter nach unten segeln. Die Landung war hart, die Freude riesig.

Diese Momente sind es, die den Mountainbiker zu immer verrückteren Hochleistungen antreiben. „Warum machst du so wilde Sachen?", fragt ein Bub aus dem Publikum bei der anschließenden Fragestunde. „Wegen des geilen Gefühls, wenn man etwas gemacht hat, vor dem man sich anscheißt", spricht der YouTuber frei von der Leber weg. „Angeschissen" habe er sich tatsächlich vor beinahe jedem Stunt in dem knapp zehnminütigen Clip. „Wenn man sich am Limit bewegt, gehört Angst dazu", sagt er, „aber ich weiß, was meine Fähigkeiten sind und kann das Risiko gut abschätzen."

"Man lernt mit der Zeit zu fallen"

Dennoch kommt es zu Stürzen. Im „Behind The Scenes" sieht man einige missglückte Sprünge, die mit Wimmern und Verletzungen endeten. „Auch das gehört dazu, aber man lernt mit der Zeit zu fallen. Es wird dann mehr ein Instinkt", meint der Tiroler. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass er eine Szene nach einem Versuch abgebrochen habe. Bestimmt keine leichte Entscheidung für einen ehrgeizigen Perfektionisten, der nach der Vorpremiere seines Films sagt: „Total passen wird's nie, aber grundsätzlich bin ich zufrieden."

Seinen jungen Fans, die nach der Vorstellung vor allem eines wollen — ein Autogramm — rät Wibmer, sich die „Making ofs" der Clips anzusehen, um zu begreifen, wie viel Planung und Vorbereitung tatsächlich hinter "coolen" Stunts stecken. Üben sollten die angehenden Bikestars die ersten Stunts zunächst in kleinem und einfachem Rahmen, zum Beispiel im Garten. Mama und Papa erklärt man das ruinierte Blumenbeet und die Blessuren dann wohl mit "dem geilen Gefühl".