Letztes Update am Mo, 18.11.2013 15:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demonicon

Dämonisches Abenteuer mit Schönheitsfehlern

Basierend auf dem Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ schickt „Demonicon“ den Spieler in Gestalt des Kämpfers Cairon in die Dämonen-verseuchten Schattenlande, um mehr über seine geheimnisvollen Kräfte zu erfahren.



Von Lukas Schwitzer

Innsbruck – Das deutsche Rollenspiel „Das schwarze Auge“ (DSA) erfreut sich seit Jahren nicht nur bei klassischen Pen-&-Paper-Spielern großer Beliebtheit, auch Computerspiele-Entwickler haben das deutschsprachige Gegenstück zu „Dungeons & Dragons“ bereits vor einiger Zeit für sich entdeckt. Rollenspiele wie „Drakensang“ oder „Am Fluss der Zeit“ und die Adventure-Reihe „Satinavs Ketten“ und „Memoria“ nutzen die DSA-Welt Aventurien als Schauplatz ihrer Geschichten.

Mit „Demonicon“ vom deutschen Studio Noumena nimmt sich nun ein Spiel einem ganz besonderen Teil dieser Welt an, den „Schattenlanden“, in denen in denen finstere Dämonenkulte und Totenbeschwörer die Macht haben. Unterjocht durch den bösen Magier Borbarad, wird dieser Landstrich nun von dessen Nachfolgern regiert, die selbst diversen Dämonen dienen. Erst den schlagfertigen Anhängern der Kriegsgöttin Rondra gelingt es, mit der Stadt Warunk zumindest einen Teil dieser Domäne wieder ins Licht zurückzuführen.

Cairon, Calandra und das gemischte Blut

In Warunk trifft der Spieler auch erstmals auf Hauptperson Cairon, der mit seinem Vater und seiner Schwester in einem Flüchtlingslager in der Stadt haust. Um das Bürgerrecht zu bekommen, soll Cairons Schwester Calandra einen ranghohen Rondra-Gefolgsmann heiraten. Das will sich diese aber nicht gefallen lassen und flieht vor der Zwangsverheiratung in die dunklen und gefährlichen Tunnel des Molchenbergs. Als Cairon seine Schwester zurückholen will, geschieht das, was der Vater der beiden immer befürchtet hat: Beim Versuch, eine Wunde zu verarzten, vermischt sich das Blut der Geschwister und sie finden sich plötzlich im Besitz von geheimnisvollen Kräften und einer dämonischen Aura wieder.

Cairon macht es sich daraufhin zur Aufgabe, mehr über die Herkunft dieser Kräfte herauszufinden und wird in die Machenschaften machthungriger Kirchen, rücksichtsloser Verbrecherkartelle und der Anhänger des Borbarad verstrickt. Es entwickelt sich eine Geschichte, die nicht auf Fantasy-Klischees wie entführte Prinzessinnen oder glorreiche Krieger zurückgreift, sondern sehr viel erwachsener wirkt. Themen wie Verrat, Kannibalismus, „unnatürliche“ Geschwisterliebe und andere Abgründe der menschlichen Natur lassen beim Spielen von „Demonicon“ eher an die großartige „Witcher“-Serie erinnern als an die eher lieblichen DSA-Vorgänger.

Allerlei Zahlen wollen gesteigert werden

Dem Spielablauf liegt eine leicht vereinfachte Version der DSA-Regeln zugrunde, die die erste Vermutung, bei „Demonicon“ würde es sich nur um ein einfaches Action-Rollenspiel handeln, schon bald als falsch entlarven. Mit gewonnener Erfahrung (DSA-üblich „Abenteuerpunkte“ genannt) können Attribute wie Körperkraft und Charisma, Talente wie Überreden oder Pflanzenkunde sowie spezielle Kampfmanöver und Cairons Zauber, die „Gaben“, gesteigert werden. Durch hohe Talentwerte können dann neue Zaubertränke oder Gifte gebraut, mehr Gesprächsoptionen in den teils sehr langen Dialogen freigeschalten oder bislang versperrte Abschnitte geöffnet werden.

„Demonicon“ könnte also ein großartiges Spiel sein, wenn es nicht mit einigen technischen Problemen zu hadern hätte. Die Grafik-Engine ist hoffnungslos veraltet, Texturen erscheinen matschig, Charaktere können mit ihren Animationen kaum Emotionen vermitteln. Auch die professionellen Sprecher und die generell gute deutsche Vertonung helfen hier nur bedingt weiter. Außerdem brauchen Geschichte und Gameplay einige Zeit, um richtig in die Gänge zu kommen. Bis man in Talente und Kampfmanöver ausreichend Punkte investiert hat, um in und außerhalb von Kämpfen mehr Möglichkeiten zur Verfügung zu haben, vergeht einige Spielzeit.

Fazit

„Demonicon“ kann mit System und Welt von „Das Schwarze Auge“ sowie mit der spannenden und erwachsenen Geschichte ein grundsolides Fundament vorweisen, kann aber technisch nicht damit mithalten. Die schlechte Grafik wirkt von Beginn an abschreckend, zudem muss man sich in den Kämpfen vorerst mit reinen Klickorgien begnügen. Hat man den eher müden Beginn aber erst durchspielt, winkt als Belohnung ein durchaus gelungenes Rollenspiel. In jedem Fall darf man gespannt sein, welches Projekt die Noumena Studios als nächstes angehen werden.

Unsere Bewertung: 7/10

Entwickler: Noumena Studios

Publisher: Kalypso Media

„Demonicon“ ist seit 25. Oktober für Windows, Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich.

Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt von Kalypso Media.




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