Letztes Update am Do, 08.09.2011 18:45

AGT_APANL


Bundeskriterien

Katastrophales „Öko-Zeugnis“ für das TIWAG-Kraftwerk Kaunertal

Der WWF hat 30 von über 60 heimischen Wasserkraftprojekten einem „Reality-Check“ in Bezug auf den geplanten Bundeskriterienkatalog unterzogen. Negativ fällt vor allem ein TIWAG-Projekt auf.



Wien, Innsbruck – Der WWF hat 30 von über 60 heimischen Wasserkraftprojekten einem „Reality-Check“ in Bezug auf den geplanten Bundeskriterienkatalog unterzogen. Dazu wurden die 30 Vorhaben nach 10 Kriterien beurteilt, die das Umweltministerium im Katalog vorschlägt.

Das Fazit der Umweltorganisation: Jedes einzelne untersuchte Wasserkraftwerk zerstört so viel Flussnatur, dass es nur gebaut werden kann, wenn eine Ausnahmegenehmigung erteilt wird. „Unser Kraftwerks-Check zeigt, dass die E-Wirtschaft völlig an der Natur vorbeiplant“, kritisierte Christoph Walder vom WWF.

Der Bundeskriterienkatalog liegt derzeit im Entwurf vor und wird mit NGOs und der E-Wirtschaft diskutiert. Er soll in den kommenden Wochen von der Bundesregierung abgesegnet werden. „Obwohl rechtlich nicht bindend, wird das Regelwerk dennoch als Richtschnur dafür gelten, ob Kraftwerksneubauten als ökologisch unbedenklich gelten oder eine Ausnahmegenehmigung brauchen“, kommentiert der WWF..

TIWAG negativer Spitzenreiter

Negative Spitzenreiter des WWF-Vergleichs sind das TIWAG-Projekt Kaunertal/Platzertal und das Gemeindekraftwerk an der Isel in Osttirol. Beide Vorhaben wiesen in acht von zehn Fällen „hoch sensible“ Kriterien auf. Auch der Ausbau des Kraftwerks Kühtai bringt es auf stolze sieben „hoch selsible Kriterien. Ein Wert, den auch das Vorhaben an der Unteren Salzach (Salzburg AG) bringt. Aber auch die Murkraftwerke in Stübing, Gratkorn und Graz-Puntigam, die von der Energie Steiermark und dem Verbund geplant werden, waren mit fünf von zehn „hoch sensiblen Kriterien“ nicht umweltverträglich.

Zwölf „verheerende“ Projekte

Insgesamt werden zwölf von 30 Wasserkraftprojekte als „ökologisch verheerend“ bewertet. Die Tiwag ist an fünf dieser Projekte beteiligt, am schon genannten Kaunertal/Platzertal-Projekt, am Aus- und Neubau Küthai, am Gemeinschaftskraftwerk Inn (TIWAG, Verbund, Engadiner Kraftwerke AG), am Neubau -Speicher Malfon und dem Projekt Tauernbach.

Für den WWF zeigt das Ergebnis des Kraftwerks-Checks einmal mehr, dass man den umweltverträglichen Ausbau der Wasserkraft „nicht der Wasserkraftlobby alleine überlassen kann“. „Wenn wir unsere allerletzten noch nicht verbauten Wildbäche und Flüsse erhalten wollen, muss die Bundesregierung dort Tabuzonen ausweisen“, sagt Walder.

Bereits Ende Juni hatte eine vom WWF in Auftrag gegebene Studie der Universität für Bodenkultur ergeben, dass die Hälfte der rund 60 Wasserkraftprojekte in Österreich in sensiblen Gebieten verwirklicht werden sollen. Die dreißig betroffenen Projekte wurden nun anhand des Bundeskriterienkataloges zum aubau der Wasserkraft überprüft. (tt.com)




Kommentieren