Letztes Update am Fr, 16.03.2012 09:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Mit Achtzig sind es immer noch Sechstausender

Der einzige noch lebende Erstbesteiger von zwei Achttausendern feiert seinen 80. Geburtstag: Happy Birthday, Kurt Diemberger!



Salzburg – Am 16. März wird der Salzburger Kurt Diemberger 80 Jahre alt. Und noch immer ist der Vater von vier erwachsenen Kindern voller Tatendrang. Gerade eben erst von einer USA-Reise zurückgekehrt, wären noch drei bis vier Bücher zu schreiben, Vier- und Sechstausender in Südamerika zu bezwingen oder eine weitere Reise in den Himalaya anzutreten – dorthin, wo er einst Geschichte geschrieben hat. „So ein Stress mit 80 – wie wird das erst mit 100 werden“, erzählt er lachend im Interview.

1957: Da war Diemberger im Rahmen einer österreichischen Kleinexpedition mit Hermann Buhl, Fritz Wintersteller und Marcus Schmuck zum Gipfel des Broad Peak unterwegs. Am 9. Juni standen sie als Erste auf dem 8051-Meter-Gipfel. Vier Jahre später – am 13. Mai 1960 – war es der noch unberührte Dhaulagiri, welchen der Salzburger mit Mitgliedern einer internationalen Expedition als erster Mensch bestieg. „Eines meiner schönsten Erlebnisse“, wie er von dem Erlebnis auf den 8167 Meter hohem Berg berichtet. Alle zwei Achttausender bestieg er ohne künstlichen Sauerstoff.

Auch danach ließen den Salzburger, der viel Zeit am Zweitwohnsitz in Bologna verbringt, die Berge nicht mehr los. „Der sportliche Charakter stand dabei allerdings nie im Vordergrund, sondern der Entdeckergeist“, sagt Diemberger. Anders als heute, wo der Trend im Alpinismus viel mehr in Richtung Sport gehe und nicht so sehr zur Erforschung der Berge diene.

Die Berge dieser Welt erforschen reizte Diemberger sein ganzes Leben lang: Er unternahm mehr als 20 Expeditionen in alle Teile der Welt und wird u. a. als „Kameramann der Achttausender“ bezeichnet. So sorgte er mit einem ersten Tonfilm über die Besteigung des Mount Everest für Aufsehen und bildete mit Julie Tullis das „höchste Filmteam der Welt“. Seine Bücher wurden ausgezeichnet, seine Filme preisgekrönt.

Doch nicht alle Unternehmungen endeten glücklich: 1986 kamen beim Abstieg vom Gipfel des K2 seine Seilgefährtin Tullis sowie vier Bergkameraden ums Leben. Im „schwarzen Sommer 1986“ starben insgesamt dreizehn Menschen auf dem zweithöchsten Berg der Welt, der als der schwierigste aller Achttausender gilt. „Glück und Leid liegen so nahe beieinander“, sagt Diemberger, der alljährlich zwischen dem 4. und 10. August an die Tragödie denkt und eine Bienenwachskerze aus dem Basislager des K2 von 1986 entzündet.

Demnächst will Diemberger wieder ins abgelegene Shaksgam-Tal reisen, von dem aus die Oberösterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner 2011 zu ihrer erfolgreichen Expedition auf den K2 aufgebrochen ist. In dem Tal im Karakorum war er schon siebenmal, dort hat er ein Fass mit Ausrüstungsgegenständen und Fischkonserven unter Steinen versteckt und diese von allen Seiten fotografiert, damit er sein Depot wiederfindet.

Fit hält sich der bald 80-Jährige mit täglichen Märschen von 30 Minuten bis eineinhalb Stunden in den Hügeln von Bologna, wie er schildert. „Ich marschiere mit Skistöcken, das stärkt die Armmuskulatur. Gesundheitlich geht es mir gut. 2010 wurde mir die Milz entfernt, aber es lässt sich auch ohne sie leben.“

Und natürlich hat Diemberger noch eine Weisheit für nachfolgende Bergsteigergenerationen parat: „Wer langsam geht, geht gut. Wer gut geht, geht weit. Schaut‘s nicht so viel auf die Uhr, schaut‘s euch die Natur an, nehmt euren Fotoapparat oder eure Kamera mit. Geht keinesfalls ohne Training schwierige Routen und nicht ohne Klimatisierung in den Himalaya.“ Bleibt nur noch zu sagen: Happy Birth­day, Kurt Diemberger! (APA)




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