Letztes Update am Sa, 17.03.2012 11:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Feinstaub

Düstere Zukunftsprognose: Die Welt am Rande des Kollaps

Feinstaub droht ein Massensterben auszulösen, Trinkwasser wird knapp, Dürren, Hochwasser und Stürme stehen an der Tagesordnung auf einer drei bis sechs Grad heißeren Erde. Die OECD zeichnet in einer Studie ein düsteres Bild von unserer Zukunft.

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Berlin – Die Weltbevölkerung wächst rasant und der Energie- und Wasserverbrauch steigt. Die bisherigen Antworten auf Ressourcenknappheit und Klimawandel sind ungeeignet den Kurs des Ökosystems zu korrigieren. Die Menschheit wächst sich zu Tode und riskiert dabei den einzigen zur Verfügung stehenden Lebensraum: die Erde.

Die OECD schlägt wegen der drastisch steigenden Umweltbelastung Alarm. In der Studie „OECD-Umweltausblick bis 2050“ werden die Autoren deutlich. Ein Beispiel: In den Metropolen der Welt droht wegen des Feinstaubes ein Massensterben. Ohne einschneidende Auflagen würden ab 2050 jährlich rund 3,6 Millionen Menschen an den Folgen sterben, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das sind doppelt so viele wie derzeit.

Die Luftverschmutzung in den Städten, wo 2050 zwei Drittel der dann neun Milliarden Menschen leben würden, werde somit für den Großteil aller umweltbedingten Todesfälle verantwortlich sein. Die Metropolregionen Indiens und Chinas hätten unter diesem Trend am stärksten zu leiden. Doch keine Entwarnung für die OECD-Länder. Hier „dürften sich vor allem Todesfälle durch bodennahes Ozon mehren“.

Energiewende ist nicht in Sicht

Dieser errechneten Prognose folgt die ernüchternde Feststellung: Eine Energiewende, die auch die Luftqualität verbessern könnte, ist weltweit nicht in Sicht. 2050 werde weiter 85 Prozent der Energie aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas gewonnen, nur zehn Prozent aus erneuerbaren Energien, heißt es im Bericht weiter.

Da sich die globale Wirtschaftsleistung bis 2050 aber vervierfachen werde, steige der Energieverbrauch um 80 Prozent. Dies habe wiederum entsprechende Folgen für den Klimawandel: Der Treibhausgas-Ausstoß nehme um die Hälfte zu, die Welt werde gegen Ende des Jahrhunderts um drei bis sechs Grad wärmer.

Als Ziel haben sich die großen Industrienationen maximal zwei Grad vorgegeben, da die Folgen dann gerade noch beherrschbar seien. Doch dieses „Ziel“ werde wohl klar verfehlt. Neben der wachsenden Zahl von Dürren, Überflutungen und Stürmen werde dies daher auch zu einer abnehmenden Zahl von Arten führen: Jede zehnte werde bis 2050 verschwinden. In Gewässern sind bereits heute ein Drittel aller Fischbestände ausgerottet oder extrem dezimiert – Tendenz steigend.

Trinkwasser-Knappheit

Knapper wird auch Trinkwasser: Fast die Hälfte der neun Milliarden Menschen sind der OECD zufolge dann nicht ausreichend versorgt. Schon 2008 sei die Zahl der Stadtbewohner, die guten Zugang zur Wasserversorgung hatten, im Vergleich zu 1990 gesunken.

„Angesichts dieser Projektionen reichen die vereinzelten Besserungen der Vergangenheit nicht mehr aus“, leitet die OECD aus den Studienergebnissen ab.

Die Organisation, in der vor allem die Industriestaaten zusammengeschlossen sind, hält aber ein Gegensteuern noch für möglich.

So plädiert die OECD für Umweltsteuern und einen weltweiten Handel mit Treibausgas-Verschmutzungsrechten. Diesen Emissionshandel, mit dem der Ausstoß begrenzt werden soll, gibt es bereits in der EU. Natürliche Ressourcen müssten zudem mit einem Preis belegt werden, dies gelte auch für das Wasser gerade dort, wo es knapp ist.

Mit Wassergebühren könnten wiederum Investitionen in die Erschließung von Reserven bezahlt werden. Ferner plädiert die OECD für eine Abschaffung umweltschädlicher Subventionen, wie sie es etwa in der Landwirtschaft, die Fischerei oder fossile Brennstoffe gebe.

Vor allem aber ist es laut Bericht unerlässlich, Maßnahmen sektor- und länderübergreifend zu vereinbaren. „Wenn wir die Bedürfnisse von mehr als neun Milliarden Menschen befriedigen wollen, brauchen wir eine grünere Landwirtschaft, eine grünere Industrie und eine grüne Energieversorgung“, sagte der Generalsekretär der OECD Angel Gurría. (TT, APA, Reuters)




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