Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.05.2015


1. Weltkrieg

Als 728 Standschützen zu Pfingsten in den Krieg zogen

Am 23. Mai 1915 brach ein Bataillon aus dem Gerichtsbezirk Landeck in Richtung Südfront auf. Morgen findet ein Gedenkakt in der Kaserne statt.

Am 23. Mai 1915 brach ein Bataillon aus dem Gerichtsbezirk Landeck in Richtung Südfront auf. Morgen findet ein Gedenkakt in der Kaserne statt.

© RöckAm 23. Mai 1915 brach ein Bataillon aus dem Gerichtsbezirk Landeck in Richtung Südfront auf. Morgen findet ein Gedenkakt in der Kaserne statt.



Landeck – Tiroler Soldaten bzw. Schützen haben den 1. Weltkrieg vom ersten bis zum letzten Tag hautnah erlebt. Laut Historiker Michael Forcher starben 12.000 Mann ab August 1914 bei den Kämpfen in Galizien (heute Südpolen und Ukraine). Dazu kamen Tausende Tiroler Tote im Gebirgs- oder Stellungskrieg an der Grenze zu Italien. Mit dem Kriegseintritt Italiens am 23. Mai 1915 wurde die Südgrenze Tirols (im heutigen Trentino) zur Frontlinie – vom Ortler bis zum Gardasee und den Karnischen Alpen.

In Landeck traf der kaiserliche Mobilisierungsbefehl am 18. Mai 1915 ein. Am 22. Mai haben sich die Standschützen aus dem Gerichtsbezirk mit ihren Gewehren zur Vereidigung am Marktplatz versammelt, wie der Historiker Wolfgang Joly in seinem Werk „Standschützen, Tiroler und Vorarlberger k. k. Standschützen-Formationen im Ersten Weltkrieg“ schildert.

„Am Pfingstsonntag, 23. Mai, wurde während des 8-Uhr-Gottesdienstes Alarm geblasen. Den Standschützen wurde bekannt gegeben, sie müssen noch an diesem Tag nach Nauders abmarschieren.“ Gegen 16 Uhr hat sich das 728 Mann starke Bataillon am Marktplatz aufgestellt und marschierte mit Musik und Schützenfahne zum Hotel Goldener Adler. Dort soll Pfarrer Schatz eine eindrucksvolle Rede gehalten haben. Kommandant des Bataillons war Remigius Pangratz, Oberschützenmeister, Hutmacher, Postamtsdiener und Feuerwehrobmann. Er hatte bereits am Weg die ersten Gefechtsübungen angeordnet. Die erste Aufgabe des Bataillons war die Bewachung der Brennerbahn – ab 5. Juni bei Bozen. Wenige Tage später kamen die Landecker über Rovereto zu den Verteidigungslinien bei Marsilli. Sie wurden der 181. Infanterie-Brigade mit Generalmajor Georgi unterstellt. Die Wintermonate 1915/16 verbrachten sie auf den schneereichen Höhenstellungen am Monte Rovere, „teils unter Dach, teils in Schützengräben“.

Der nächste Einsatz ab April 1916 führte ins Val Sugana, wo zwei Drittel der Männer wegen schlechten Trinkwassers an Typhus erkrankten. „Infolge der Verluste an Toten und Abgängen an Verwundeten sowie Ausmusterung kranker Männer schrumpfte das Landecker Bataillon zu einer Feldkompanie zusammen“, schildert Joly. Bei der Abwehr einer italienischen Offensive in der „Brenta-Süd“ habe die Kompanie zeitweise nur noch aus vier Offizieren und 23 Mann bestanden. Im Kriegsjahr 1918 wurden versprengte Landecker Schützen im Tonalegebiet zusammengezogen. Anfang November gerieten die meisten wegen widersprüchlicher Waffenstillstandsbedingungen in italienische Gefangenschaft. Wie viele Landecker vom Einsatz an der Südfront zurückgekehrt sind, ist unklar.

Die Schützenkompanie Landeck mit Regimentskommandant Fritz Gastl hat für morgen Freitag einen Gedenk- akt in der Kaserne vorbereitet. Die „Nachfolger“ der Standschützen zeigen ab ca. 19 Uhr die historischen Ereignisse auf und möchten damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten, so Gastl. (hwe)