Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.05.2015


Gesellschaft

Junge Imker-Zunft lässt aufhorchen

Zwei Brüder aus dem Kaunertal geben Einblick in die Leidenschaft der Bienenzucht. Die Zusammenarbeit mit dem Verein Naturpark Kaunergrat trägt Früchte, Honig aus der Region ist ein gefragtes Produkt.

© Naturpark Kaunergrat



Kauns, Kaunerberg, Kaunertal – Sterben die Bienen, dann ist die Zukunft der Menschheit in Gefahr. Darüber sind sich Imker weltweit einig. Bis zu 8000 von insgesamt 31.000 Bienenvölkern hat die Zunft in Tirol seit vorigem Jahr verloren – die TT berichtete.

„Vor diesem Hintergrund ist es sehr erfreulich, wenn sich Nachwuchsimker aus unserer Region für Bienenzucht interessieren und Kreisläufe der Natur verstehen lernen“, stellte kürzlich der Experte und Nestor der Zunft fest – Meinrad Falkeis, Obmann des Bienenzuchtvereins Kauns-Kaunerberg-Kaunertal.

Michael Stadlwieser ist Jungimker aus Leidenschaft. Rechts: Das Kaunertal hat sich dem Schutz der Braunelle verschrieben.Fotos: Stadlwieser, Naturpark Kaunergrat
- Stadlwieser

Falkeis ist zugleich Präsident des Verbandes „Tiroler Dunkle“ und Initiator des 7400 Hektar großen Schutzgebietes für die Ur-Biene „Braunelle“ in der Naturparkregion Kaunergrat. Von den 1000 in Österreich beheimateten Braunellen-Völkern gibt es derzeit rund 400 im Kaunertal.

Die Brüder Michael und Benni Stadlwieser sind zwei Vertreter der jungen Zunft. Die beiden naturverbundenen Burschen haben ihre Völker in einem selbst errichteten Bienenhaus oberhalb des Weilers Platz untergebracht. Über seine Beziehung zur Bienenzucht verrät Michael: „Ich habe mich schon immer mit Fauna und Flora beschäftigt. Mit 15 war mir klar, dass ich Imker werden will.“ Gesagt, getan. Seit einem Imkerei-Kurs an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Imst ist der Funke der Leidenschaft auf ihn übergesprungen.

Gemeinsam mit seinem Bruder Benni traf er sich mit Meinrad Falkeis, der ihnen als „Bienenvater“ seither mit Rat und Tat zur Seite steht. „Vor allem für uns Einsteiger ist es wichtig, einen erfahrenen Berater zu haben“, resümieren die beiden Jungimker. „Falkeis war für uns eine besondere Hilfe. Uns ist es auch eine Ehre, dass er uns von Anfang an begleitet hat. Und er hat uns unser erstes Bienenvolk überlassen.“

Das Team des Naturparks Kaunergrat hat ein Projekt zur Bedeutung der Bienen für die Kulturlandschaft und Artenvielfalt in der Region Terra Raetica ins Leben gerufen. „Die Biene ist ein Symbol für die Artenvielfalt“, betonte Naturpark-Geschäftsführer Ernst Partl. Dank des vom Naturpark getragenen Projektes treten jetzt alle Braunellen-Imker mit einheitlichen Etiketten auf, womit der Vertrieb des Honigs erleichtert werden soll. „Wir verkaufen ihn nur ab Hof. Das Produkt wird uns fast aus den Händen gerissen“, schildern die beiden Jungimker. Der Braunellen-Honig ist im Naturparkhaus Kaunergrat sowie direkt bei den Imkern der Region erhältlich. Weitere Infos: www.kaunergrat.at. (TT, hwe)