Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.07.2015


Innsbruck

„Welle funktioniert an diesem Standort nicht“

Die Innsbrucker Sillwelle für Paddler und Surfer ist dauerhaft gesperrt, der Standort technisch wohl nicht haltbar. Alternativen scheinen rar.

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© Domanig



Von Michael Domanig

Innsbruck – Rund um die geplante stehende Welle für Surfer und Paddler an der Sillmündung ist es ruhig geworden. Die Anlage war im April 2012 fertig gestellt worden, doch die Welle konnte aus Sicherheitsgründen nie für den Kajaksport freigegeben werden. Die Gründe für die Sperr­e und die Zukunft der Sillwell­e stehen im Mittelpunkt einer Anfrage, die GR Helmut Buchacher (SPÖ) im Juli-Gemeinderat eingebracht hat, nachdem ihn „Sportler darauf angesproche­n“ hätten.

„Verwirbelungen“ und „gefährliche Strömungen“, die „binnen Minuten entstehen“ und Paddler „hineinsaugen“ könnten, hätten die Sperre nötig gemacht, erklärt Vize-BM Sonja Pitscheider, zuständig für Tiefbauprojekte. Man wisse inzwischen, dass die Welle in diesem Bereich nicht funktioniere. Auch Sport­referent Vize-BM Christoph Kaufmann glaubt, dass der Standort Sillmündung „technisch schwer zu halten ist“.

Der Fließgeschwindigkeitswechsel, der für stehende Wellen erforderlich ist, brauche „exakt definierte Wasserströme“, präzisiert Walter Zimmeter, Leiter des Tiefbauamtes: Aber im Gegensatz etwa zu einem Kanal schwanke im Bereich der Sillmündung sowohl der Zufluss als auch der Wasserspiegel des Inns. „Die Modellversuche im Maßstab 1:14, die im Vorfeld durchgeführt wurden, konnten diese Schwankungen nicht genau simulieren.“ Hinzu komme die Geschiebeproblematik: Die Sill führe erhebliche Mengen an Steinen und Sand mit sich. „Ohne bewegliche Elemente, die den Wasserstrom lenken, ist eine stehende Welle nicht gut steuerbar. Doch solche beweglichen Teile könnten durch das Geschiebe beschädigt werden“, erläutert Zimmeter. Bei der Sillwelle habe man daher nur Betonelemente verwendet – die eben nicht das gewünschte Ergebnis brachten. Nach vielfältigen wissenschaftlichen Untersuchungen mit Land, Bund und Uni Innsbruck „wissen wir nun, warum die stehende Welle nur schlecht funktioniert“, bilanziert Zimmeter. „Aber wir haben noch keine Lösung, wie man sie unter den bestehenden Bedingungen wasserbautechnisch realisieren könnte.“ Bau, Planung und Adaptierung der Kajakrampe zur Herstellung der Sillwelle haben bisher 640.000 Euro gekostet.

Im Zuge der weiteren Silluferverbauung werde man prüfen, ob es an anderen Standorten Möglichkeiten gibt, erklärt Kaufmann. Die Geschiebeproblematik bestehe jedoch am ganzen Sillverlauf. Zudem habe man derzeit viele große Sportinfrastrukturprojekte „in der Pipeline“ – etwa Kletter- und Leichtathletikhalle –, die Sillwelle stehe daher zurzeit „nicht ganz oben auf der Prioritätenliste“.

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