Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 02.08.2015


Mieterschutz

Zu heiß für die volle Miete

Hilfe, die Wohnung wird im Sommer zur Sauna! – Auch Hitze kann ein Grund für eine Mietzinsreduktion sein. Klare Regelungen mit Temperaturobergrenzen gibt es aber nicht.

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Von Elke Ruß

Innsbruck – Bei 46 Grad in der Dachgeschoßwohnung schmolzen die Kerzen, die Zimmerpflanzen gingen ein und der Wellensittlich erlag laut Mieter einem Hitzschlag: So krasse Zustände wie in diesem deutschen Fall sind nach Ansicht der Richter sogar ein Grund, dass der Mieter fristlos kündigen kann. Es muss aber gar nicht so extrem werden: Schon ab 26 Grad (der Obergrenze für Arbeitsplätze) in den Wohnräumen können deutsche Mieter auf Zinsminderungen von 20 Prozent hoffen.

In diesem laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) „wärmsten Juli der Messgeschichte“ waren 26 Grad und mehr auch in den Heimen gang und gäbe, selbst nachts kühlte es kaum ab – und das tagelang. Erstmals war die Arbeiterkammer in diesen Wochen sogar gehäuft mit Anfragen erschöpfter Mieter konfrontiert, berichtet AK-Mietrechtsexpertin Petra Wirth. Sie wollten wissen: „Muss der Vermieter etwas tun?“ und „Gibt es eine Grenze?“

Österreich kennt leider keine Temperatur­obergrenze: Das Gesetz besagt nur, dass es in Wohnräumen nicht kälter als 20 Grad tagsüber werden darf, darunter gibt es klare Ansprüche auf eine Mietzinsreduktion. Beim Schwitzen im Sommer ist das diffiziler.

Wirth: „Wer in eine Dachgeschoßwohnung ohne Sonnenschutz oder Klimaanlage einzieht, muss damit rechnen, das es heiß wird und hat keinen Anspruch.“ Anders ist das, wenn eine Klimaanlage da ist: Der Mieter darf erwarten, dass sie funktioniert. „Es gibt ein Urteil, wo wegen einer falsch eingestellten Klimaanlage sechs Prozent Mietzinsreduktion zugesprochen wurden“, bestätigt Wirth.

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In einem anderen Fall gab es für die Wohnung eine Beschattung – doch der Sensor war so eingestellt, dass sie beim leisesten Windhauch hochfuhr. Der Mieterin wurde zumindest die Neueinstellung zugesprochen.

Einen Anspruch ortet Wirth auch, wenn eine Jalousie z. B. nach einem Sturm nicht mehr funktioniert und dadurch eine Kühlung nicht mehr gegeben ist.

Mirko Handler vom Mieterschutzverband betont aber ergänzend, dass nach den OIB-Richtlinien (Österreichisches Institut für Bautechnik) bei neuen Gebäuden für einen sommerlichen Überwärmungsschutz zu sorgen ist. Einem Experten der Energie Tirol zufolge werden überhitzte Wohnungen verstärkt zum Thema werden. 2015 wird also kein Ausnahmesommer bleiben. „Eine Temperatur­obergrenze wäre daher zu begrüßen“, sagt Handler.

Steckbrief

Vermieter holen: Wenn Beschattung oder Klimaanlage beim Einzug da waren, aber defekt sind/werden und es heiß wird, sollte man den Vermieter herholen – in einem Zeitraum, wo es auch glüht.

Dokumentieren: Innenthermometer aufstellen, Anzeige fotografieren und Hitzeprotokoll führen, rät Wirth. Hilfreich ist ein Zeuge.

Zahlen unter Vorbehalt: Per Einschreiben den Vermieter informieren, dass man die Miete ab sofort nur „unter Vorbehalt der Rückforderung“ einzahlt.

Zinsminderung: Sie bezieht sich auf den gesamten Bruttomietzins (Miete, Betriebskosten-Akonto und Heizkosten-Akonto): Davon werden z. B. für eine kaputte Klimaanlage – anteilig von den täglichen Mietkosten – für jeden Hitzetag von Juni bis August dann sechs Prozent abgezogen.