Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.08.2015


Gesellschaft

Mure nährt die Sorgen der Anrainer

Am Dienstagabend schoss eine Mure über den Acherbach in Richtung Tumpen. Die Kraftwerksgegner sehen sich in ihren Befürchtungen bestätigt. Die Tiwag will die Situation analysieren, BM Wolf beruhigt.

null

© Paschinger



Von Alexander Paschinger

Umhausen/Tumpen – Am Dienstagabend gegen 19.45 Uhr spitzte sich die Situation rasch zu. „Ein Gewitter ist schnell aufgezogen. Blitze, Starkregen“, schildert Alfred Kuen. Dann rumpelte es und die Sirene ging. Der Acherbach, ein Seitenbach der Ötztaler Ache, riss Material mit. Das 2013 gebaute Auffangbecken mit seinen Dämmen war bald voll, kubikmetergroße Steine polterten darüber, verlegten die Kapelle auf mehr als einen Meter Höhe. „Zum Glück“, sagen Kuen und sein Mitstreiter Engelhard Klotz, „hat die unverbaute Ache viel vom Material mitgenommen.“ Sonst wäre es wohl zum Rückstau gekommen, der Tumpen unter Wasser gesetzt hätte.

Und die beiden Tumpener sehen sich in ihrem Kampf gegen das geplante Kraftwerk Tumpen bestätigt. Denn das Material vom Dienstagabend wäre in den Stauraum des Kraftwerks gepoltert. „Dort könnte bei einer Stauung das Geröll nicht weitertransportiert werden“, sagen die beiden. Und das wäre die große Gefahr für Tumpen. „Uns wäre eine Verbauung der Mure wichtiger als der Bau eines Kraftwerkes im Dorf“, so Kue­n. Es liege noch viel oben.

Damit hatte die Bürgerinitiative vor den Behörden und Gerichten kein Glück. Zuletzt meinte der Sachverständige der Wildbachverbauung bei der Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgerichtshof, wie das Protokoll berichtet: „Faktum ist, dass es beim Acherbach zu keinem Murstoß in die Ötztaler Ache (Murkopf direkt in der Ache, Anm.) kommen kann.“ Diese Einschätzung sehen Kuen und Klotz nach diesem Ereignis als widerlegt an.

Nicht so der Bürgermeister von Umhausen, Jakob Wolf: „Einen Rückstau würde es im Sommer gar nicht geben, weil es ein Ausleitungskraftwerk ist.“ Er betont, dass die Ache in diesem Bereich sogar noch steiler und damit schneller gemacht würde. „Einen Rückstau gäbe es nur in der Niedrigwasserphase.“ Der Bau des vergrößerten Murauffangbeckens von 2013 sei eine Vorleistung zum Kraftwerksbau gewesen. „Wenn wir das nicht gehabt hätten, dann wäre es wirklich schlimm geworden.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Tiwag-Vorstand Johann Herdina hat am Mittwoch Mitarbeiter zur Analyse des Ereignisses nach Tumpen geschickt. „Wir müssen das sachlich aufarbeiten.“

Kuen hält wiederum Wolfs Ansicht über die Rückstauung entgegen: „Bei einem Kraftwerk geht es um Wirtschaftlichkeit.“ Der Pegelstand der Ache ändere sich im Tagesverlauf teils stark: „Da wird es immer den Versuch geben, dass man staut und alle drei Turbinen arbeiten lässt“. Außerdem mutmaßt er, dass es im Falle einer Ableitung von Wasser aus dem hinteren Ötztal in Richtung Kaunertal zu mehr Staubedarf in Tumpen kommen würde.